Nachfolger für Gerhard Cromme Snabe soll neuer Siemens-Aufsichtsratschef werden

Der Siemens-Aufsichtsrat hat sich nach jahrelanger Nachfolgedebatte auf einen neuen Chefaufseher verständigt: Der frühere SAP-Co-Chef Snabe soll das Amt übernehmen. Aktionärsschützer begrüßen den Schritt.
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Jim Hagemann Snabe führte zeitweise den Software-Konzern SAP gemeinsam mit Bill McDermott. Quelle: dpa
Jim Hagemann Snabe

Jim Hagemann Snabe führte zeitweise den Software-Konzern SAP gemeinsam mit Bill McDermott.

(Foto: dpa)

MünchenDer frühere SAP-Co-Chef Jim Hagemann Snabe soll im kommenden Jahr neuer Aufsichtsratschef des Industriekonzerns Siemens werden, hat das Handelsblatt aus dem Umfeld des Aufsichtsrats erfahren. Der Nominierungsausschuss werde sich am Dienstag mit dem Thema beschäftigen.

Der amtierende Siemens-Chefaufseher Gerhard Cromme wolle den 51-jährigen Dänen dann voraussichtlich an diesem Mittwoch (1. Februar) auf der Hauptversammlung als seinen Wunschnachfolger benennen. Die formale Wahl Snabes zum Aufsichtsratsvorsitzenden wird aber frühestens gegen Ende des Jahres erwartet. Die Kapitalvertreter im Aufsichtsrat haben sich den Informationen zufolge auf Snabe geeinigt. Crommes Amtszeit läuft noch bis zur Hauptversammlung im Jahr 2018.

Daniela Bergdolt, Geschäftsführerin der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, begrüßte die Nachrichten. Siemens-Chef Joe Kaeser wolle Siemens zu einem der schlagkräftigsten Unternehmen der Digitalisierung und der Industrie 4.0 machen. „Mit Snabe hat er da sicher den richtigen Partner an seiner Seite“, sagte sie dem Handelsblatt.

Laut Industriekreisen wollte Cromme das Thema Nachfolge ursprünglich erst möglichst spät öffentlich thematisieren – weil er in seinem letzten Jahr nicht als „lame duck“, also als „lahme Ente“ gelten wolle. Der Druck von Investoren und wohl auch aus dem Unternehmen, endlich Klarheit zu schaffen, war aber groß. Ab dem Sommer könnte Kaesers Vertrag als Vorstandsvorsitzender über das Jahr 2018 hinaus verlängert werden.

Was mal alles Siemens war
Siemens will sechs Milliarden Euro sparen
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Siemens Hausgeräte

Die bekannten Waschmaschinen, Kaffeeautomaten oder Staubsauger mit dem Siemens-Logo stammen in der Regel vom Gemeinschaftsunternehmen Bosch und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), das bereits seit 1967 existiert. Im Jahr 2013 stieg der BSH-Umsatz um 7 Prozent auf 10,5 Milliarden Euro. Inzwischen hat sich Siemens aus dem Geschäft ganz zurückgezogen und die Anteile für drei Milliarden Euro an den Partner Bosch verkauft.

Siemens Gamesa
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Das Geschäft mit Windturbinen hat Siemens im Jahr 2016 mit der spanischen Firma Gamesa zusammengelegt zu „Siemens Gamesa“. An der neuen Gemeinschaftsfirma hält Siemens 59 Prozent.

Im November 2017 besuchte die britische Königin Elizabeth ein Werk des Unternehmens in Kingston upon Hull (Bild).

Siemens Hörgeräte
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Die Hörgerätetochter wollte Siemens ursprünglich an die Börse bringen. Nun verkauft der Konzern sie für 2,15 Milliarden Euro. Die neuen Eigentümer sind der schwedische Finanzinvestor EQT und die Hexal-Gründerfamilie Strüngmann. Sollte sich das Geschäft gut entwickeln, bekommen die Münchner über einen Besserungsschein noch einen Nachschlag. Siemens bleibt mit 200 Millionen Euro Vorzugskapital an der traditionsreichen Tochter beteiligt.

Osram
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Osram

„Licht ist Osram“, lautet der Werbespruch von Osram. Von 1978 bis 2013 gehörte der Hersteller zu Siemens, dann brachte der Mutterkonzern die Tochter an die Börse. Die Siemens-Aktionäre wurden beteiligt. Der Markt ist jedoch im Umbruch, die Preise für LED-Leuchten sind wegen der großen Konkurrenz unter Druck. Der Hersteller fährt deswegen einen Sparkurs und streicht Stellen.

Gigaset bilanziert zweites Quartal
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Gigaset

Das Geschäft mit schnurlosen Telefonen hat Siemens im Jahr 2008 an den Finanzinvestor Arques verkauft, der seit 2011 als Gigaset AG firmiert. Ein Streit über den Verkaufspreis zog sich bis weit in das Jahr 2010 hin, Siemens verzichtet schließlich wohl auf einen niedrigen zweistelligen Millionenbetrag.

huGO-BildID: 8061727 ** ARCHIV ** Ein Stopschild ist am 28. Sept. 2006 in Kamp-Lintfort an einer Produktionshalle des Handy-Herstellers BenQ zu sehe
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Siemens Mobile

Der Verkauf der Handy-Sparte an den taiwanischen Elektronikkonzern 2005 war für Siemens ein unrühmliches Kapitel. Das Rennen mit Branchengrößen wie Nokia konnte Siemens nicht mithalten, doch auch unter den neuen Besitzer hatte das Unternehmen keine Zukunft. Die Firma mit etwa 7000 Mitarbeitern stellte Ende 2006 die Produktion ein.

huGO-BildID: 31796967 FILES - A general view of Nokia Siemens Networks in Espoo on November 23, 2011. Finnish telecom equipment maker Nokia is buying
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Siemens Networks

Das Geschäft mit der Ausrüstung für Telefonnetze brachte Siemens im Jahr 2007 in ein Gemeinschaftsunternehmen mit Nokia ein. Nokia Siemens Networks machte danach etliche Sparrunden durch. Anfang Juli kündigte Siemens den Verkauf seines 50-Prozent-Anteil für 1,7 Milliarden Euro an Nokia an.
Siemens hatte bereits seit langem den Ausstieg aus dem Gemeinschaftsunternehmen gesucht. Mit dem Verkauf des NSN-Anteils treibe das Unternehmen die „Fokussierung auf unser Kerngeschäft weiter konsequent voran“, teilte Joe Kaeser, damals Siemens-Finanzvorstand, mit.

Cromme hat das Amt seit 2007 inne und hatte seinerzeit Peter Löscher an die Führungsspitze des Elektrokonzerns geholt, der im Sommer 2013 nach mehreren Gewinnwarnungen und einem Führungschaos seinen Hut nahm. Löschers Nachfolger wurde Joe Kaeser.

Der künftige Aufsichtsratschef Snabe hatte den Software-Konzern SAP von 2010 bis 2014 zusammen mit dem amtierenden Chef Bill McDermott geführt und sich dann aus familiären Gründen von dem Chefposten zurückgezogen. Zuvor war er Forschungs- und Entwicklungsvorstand bei SAP.

Mit Material von dpa.

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3 Kommentare zu "Nachfolger für Gerhard Cromme: Snabe soll neuer Siemens-Aufsichtsratschef werden"

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  • @Ina Ingwer
    Pierer war das Opfer und nicht der Täter. Der Täter kam aus Politik/Medien mit ihrer politischen Korrektheit eines unsinnigen Corporate Governance Kodex. Diese falsche Moral-Ethik ist es, die Siemens schlussendlich das Genick gebrochen hat. Hinzu kommt der Verkauf der Energiesparte an eine Energiewende Ideologie.
    Dieser Corporate Governance Kodex ist nur dazu da, die Unternehmen und die freie Marktwirtschaft an die Leine einer sozialistischen Poltiik zu ketten.
    Siemens hat sich mit diesen Corporate Governance Kodex selbst hingerichtet.

  • Pierer war es ... der den Untergang einläutete. Dann kam der Versager Kleinfeld. Der Käse Joe ist nur noch Nachlassverwalter für eine schöne Bilanz.

  • Siemens wurde schon längst verkauft an die Eliten dieser Welt. Ein Deutsches Unternehmen ist Siemens schon lange nicht mehr. Heinrich von Pierer war der letzte Deutsche Siemens Patriot noch. Danach ging der Ausverkauf von Siemens los.

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