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Naturarzneimittel Erkältungswelle und Cannabis-Freigabe bescheren Bionorica neuen Umsatzrekord

Bionorica hat 2018 über 19.000 Patienten mit dem Cannabis-Mittel Dronabinol versorgt – 9.000 mehr als im Vorjahr. Das schlägt sich positiv in der Bilanz nieder.
Update: 10.03.2019 - 16:34 Uhr Kommentieren
Medizinprodukte mit Cannabis gewinnen an Bedeutung. Quelle: Reuters
Cannabispflanze

Medizinprodukte mit Cannabis gewinnen an Bedeutung.

(Foto: Reuters)

NeumarktFür den Unternehmer Michael Popp war das Cannabismittel Dronabinol jahrelang ein Zuschussgeschäft. Aber weil der Chef des Arzneimittelherstellers Bionorica – entgegen der Überzeugung seines Aufsichtsrats – an das Mittel glaubte und er sich das Zuschussgeschäft als Eigentümer der Firma auch leisten konnte, profitiert der 59-Jährige heute vom Boom im Cannabisgeschäft.

Seit Marihuana für den medizinischen Einsatz bei schwer kranken Patienten im März 2017 in Deutschland freigegeben wurde, geht der Umsatz von Dronabinol mit dem isolierten Hanfwirkstoff THC steil nach oben: plus 130 Prozent im Jahr 2017, eine Verdoppelung auf 27 Millionen Euro Umsatz 2018.

Das Arzneimittel, das in der Apotheke noch zu Tropfen oder Kapseln weiterverarbeitet wird, ist für das auf Naturarzneien spezialisierte Unternehmen aus Neumarkt bei Nürnberg ein wichtiger Wachstumstreiber geworden, auch wenn Bionorica den allergrößten Teil seines Umsatzes von rund 338 Millionen Euro nach wie vor mit Erkältungsmitteln wie Sinupret und Bronchipret macht.

Zahlen des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens IQvia zeigen, dass im vergangenen Jahr rund 42 Prozent der Cannabisrezepte auf Zubereitungen entfielen. Und damit vor allem auf Dronabinol, denn Cannabisextrakte anderer Hersteller spielen derzeit noch eine untergeordnete Rolle im Markt. Cannabisblüten, die ebenso seit März 2017 Schwerkranken zulasten der gesetzlichen Krankenversicherung verordnet werden können, wurden in 24 Prozent der Fälle verordnet.

Die übrigen 34 Prozent der Rezepte entfallen auf Fertigarzneimittel, die schon seit Jahren verordnet werden. Das Spray Sativex etwa, das Patienten mit Multipler Sklerose gegen Verkrampfungen helfen soll. Und das Mittel Canemes, das bei durch Chemotherapien verursachter Übelkeit und Erbrechen verordnet wird.

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Den Erfolg von Dronabinol erklärt Pharmazeut Theo Dingermann damit, dass das Mittel kein fertiges Arzneimittel, sondern eben eine Rezeptur ist. „Während ein Fertigarzneimittel für eine oder mehrere bestimmte Indikationen festgelegt ist, ist der Verschreibungsrahmen für ein Rezepturarzneimittel viel breiter.

Dronabinol kann im Rahmen der Cannabis-Gesetzgebung für eine ganze Reihe von Erkrankungen verordnet werden“, sagt Dingermann, der lange Jahre Professor für Pharmazeutische Biologie an der Johann-Wolfgang-Goethe-Universität in Frankfurt am Main war. Cannabis als Medizin wird besonders häufig Patienten verordnet, die unter chronischen Schmerzen leiden, und Menschen, die an Multipler Sklerose erkrankt sind. Aber auch Depressionen, Spastik und bestimmte Nervenerkrankungen sind Indikationen.

Fast doppelt so viele Patienten

Bionorica-Vorstand Uwe Baumann geht davon aus, dass das Unternehmen in Deutschland vergangenes Jahr rund 19.500 Cannabispatienten mit Dronabinol versorgt hat, nach 10.500 im Jahr zuvor. Hinzu kommen weitere 11.000 Patienten in der Schweiz, Dänemark und Österreich.

Insgesamt schätzt Bionorica die Zahl der Cannabispatienten in Deutschland derzeit auf 30.000 bis 35.000. Das Potenzial gilt weiterhin als sehr groß: Allein die Zahl der Schmerzpatienten in Deutschland wird auf etwa eine Million Menschen geschätzt.

Bionorica-Chef Popp plant nun, die Palette der Cannabis-Arzneimittel auszubauen. Im November hat das Unternehmen eine klinische Studie gestartet, um die Wirkung von Dronabinol auf das Symptom Spastik bei Patienten mit Multipler Sklerose zu untersuchen. Die Studie soll den Grundstein legen für eine Zulassung von Dronabinol als Fertigarzneimittel. Wenn alles läuft wie geplant, sollen die Studienergebnisse 2021 vorliegen.

Eine solche Zulassung bietet laut Popp den Vorteil, dass das Mittel einfacher verordnet und erstattet werden kann. Heute müssen Cannabispatienten die Erstattung der Verordnung für Cannabisblüten und -zubereitungen bei ihrer gesetzlichen Krankenkasse beantragen. Die kann eine Erstattung aber ablehnen, wenn es beispielsweise noch andere Therapiemöglichkeiten für den Patienten gibt. Aktuell wird rund ein Drittel der Cannabisanträge abgelehnt.

 „Wenn wir eine Zulassung für ein Fertigarzneimittel haben, gibt es weniger Ablehnungsgründe“, sagt Popp. Den Vorteil, den die Rezeptur biete, gebe er damit aber trotzdem nicht auf, sagt der Unternehmer. Dronabinol als Rezepturarzneimittel könne ja weiterhin bei den anderen Indikationen verordnet werden.

Eine Zulassung für die EU-Mitgliedstaaten, wie sie Bionorica anstrebt, habe zudem den Vorteil, dass das Unternehmen so auch leichter Zugang zu anderen europäischen Ländern bekomme. „Das eröffnet uns ganz neue Chancen“, sagt Popp. Für Cannabis als Medizin sieht er noch jede Menge Möglichkeiten.

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