Neue Allianz Daimler und sein Großaktionär Geely planen gemeinsamen Fahrdienst in China

Nach dem Einstieg des chinesischen Autobauers bei Daimler gibt es erste Details, wie eine Zusammenarbeit aussehen könnte. Offen ist, wer dabei den Ton angeben wird.
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Daimler und Geely planen gemeinsamen Fahrdienst Quelle: AP
Deutsch-chinesische Allianz

Der chinesische Partner Geely will die Zusammenarbeit mit Daimler vertiefen.

(Foto: AP)

DüsseldorfLi Shufu ist ein Unruhestifter. Als der Eigentümer von Geely, dem größten chinesischen Autokonzern im Privatbesitz, im Februar fast zehn Prozent der Anteile von Daimler erwarb, war in Stuttgart schnell klar: Der neue Großaktionär plant weit mehr als nur die üppige Dividende des Mercedes-Herstellers zu kassieren.

Shufu will bei der Strategie mitreden. Und er ist bestrebt, mit seinem Firmenimperium, zu dem auch der Autobauer Volvo zählt, mit Daimler zu kooperieren.

Um im Kampf gegen Techkonzerne wie Google oder Uber die Oberhand in der Mobilitätswelt der Zukunft zu behalten, plädiert Shufu für Allianzen zwischen den einzelnen Autoherstellern. Der umtriebige Milliardär will Risiken minimieren, indem er digitale Plattformen entwickeln will, die von mehreren Marken genutzt werden können. Er sucht dafür den Schulterschluss mit anderen Autobauern – allen voran mit Daimler.

Seit Wochen loten der Mercedes-Hersteller und Geely deshalb in gemeinsamen Arbeitsgruppen aus, in welchen Feldern die beiden Konzerne kooperieren könnten. Wie die Nachrichtenagentur „Bloomberg“ berichtet, bahnt sich nun eine erste konkrete Zusammenarbeit an. Demnach wollen Daimler und Geely in China bei Fahrdiensten kooperieren und dafür ein Joint Venture gründen, dass beiden Konzernen jeweils zur Hälfte gehört.

Ziel ist es, Didi Chuxing frontal anzugreifen. Das Unternehmen ist der Marktführer bei Mobilitätsdiensten in Fernost. Die Gespräche zu einer Kooperation von Daimler und Geely laufen aber nach Informationen des Handelsblatts aus Unternehmenskreisen noch. Finale Ergebnisse gebe es noch nicht. Weder Daimler noch Geely wollten die mögliche neue Fahrdienstallianz kommentieren.

Daimler-Chef Dieter Zetsche zeigte sich aber erst vergangene Woche auf dem Autosalon in Paris „sehr optimistisch“, dass die Gespräche zwischen Geely und seinem Konzern schon bald in konkrete Ergebnisse münden könnten. Der Dialog sei „sehr konstruktiv“, erklärte Zetsche. „Wir haben erörtert, in welchen Feldern gegebenenfalls Potenziale sind, die beiden Seiten zum Vorteil gereichen könnten.“

Mehrere Themenfelder wurden dabei definiert. Zetsche gab sich in Frankreichs Hauptstadt aber schmallippig, um welche Bereiche es sich konkret handelt. Er sagte nur so viel: „Es wird sicher nicht darum gehen, gemeinsame Achsen zu finden, sondern es geht um strategischere Themen“.

Wie auch immer die Kooperationsfelder aussehen werden: Für Zetsche ist klar, Geely als Partner zu haben „bietet viel mehr Chancen als mögliche Risiken“. Denkbar scheinen neben einer möglichen Zusammenarbeit bei Mobilitätsdiensten etwa Allianzen bei Roboterautos oder Batterien und Batteriezellen, die essentiell für den Erfolg der Elektrooffensive von Daimler sind.

Die beiden wichtigsten Ansprechpartner von Geely bei Daimler, Konzern-CEO Zetsche und Finanzchef Bodo Uebber, werden das Unternehmen aber im kommenden Jahr verlassen. Neben China-Vorstand Hubertus Troska wird es daher vor allem an dem künftigen Daimler-Chef Ola Källenius liegen, die Partnerschaft mit Geely zu vertiefen.

Källenius steht dabei allerdings gerade in China ein diplomatischer Drahtseilakt bevor. Denn in Stuttgart gilt die Maxime, dass in Fernost nichts, aber auch gar nichts „entgegen den Interessen“ des bestehenden Joint-Venture-Partners von Daimler beschlossen werden darf.

Daimler produziert seit 2005 mit dem chinesischen Staatskonzern BAIC in Peking gemeinsam Mercedes-Pkw. Ein Branchenkenner mahnt Daimler in den Gesprächen mit Geely zur Vorsicht: „Daimler muss aufpassen, dass sich BAIC nicht querstellt“. Schließlich ist China der wichtigste Absatzmarkt der Welt für die Schwaben.

Einen Streit unter den Partnern will Daimler um jeden Preis vermeiden. Das Beispiel Audi zeigt, warum: Als sich die Ingolstädter VW-Tochter im vergangenen Jahr entschied, neben dem bestehenden Kooperationspartner FAW auch mit dem SAIC-Konzern aus Schanghai Autos zu produzieren, reagierte FAW mit einem Verkaufs- und Lieferstopp. Erst nach langwierigen Verhandlungen herrschte wieder Frieden. Dazwischen brach der Absatz drastisch ein.

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