Neue Arzneien Krebsmedikamente sorgen für Wachstumsschub in der Pharmabranche

Analysten erwarten für die kommenden Jahre ein starkes Wachstum in der Pharmabranche. Vor allem eine Arzneisparte legt überproportional zu.
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Pharmaindustrie: Krebsmittel sorgen für Rekordumsatz Quelle: Andrew Brookes/Cultura/Plainpicture
Pharmaindustrie

Das Geschäft mit Krebsmitteln dürfte bis 2024 auf 233 Milliarden Dollar Umsatz steigen.

(Foto: Andrew Brookes/Cultura/Plainpicture)

FrankfurtNach einem halben Jahrzehnt mit schwachen Wachstumsraten zeichnet sich für die Pharmabranche wieder stärkere Dynamik ab. Davon gehen Experten der britischen Analysefirma Evaluate-Pharma in ihrem jüngsten Branchenreport aus.

Das Geschäft der Arzneimittelhersteller dürfte danach in den sieben Jahren bis 2024 von zuletzt knapp 800 Milliarden auf dann rund 1,2 Billionen Dollar – und damit um durchschnittlich 6,4 Prozent pro Jahr – zulegen. Dem steht eine Umsatzsteigerung von durchschnittlich nur knapp zwei Prozent in den letzten sieben Jahren gegenüber.

Als wichtigsten Wachstumstreiber sehen die Experten dabei weiterhin das Geschäft mit Krebsmitteln, das in den vergangenen Jahren bereits überproportional gewachsen ist. Bis 2024 dürfte sich das Top-Segment des Pharmamarktes laut Evaluate Pharma abermals verdoppeln, auf 233 Milliarden Dollar Umsatz.

Überdurchschnittliche Wachstumsraten von 13 bis 16 Prozent sehen die Experten ferner für Medikamente gegen Autoimmun- und Hauterkrankungen. An der Spitze der Branche wird nach der Studie die Schweizer Novartis den aktuellen Marktführer Pfizer ablösen.

Für Bayer, den führenden deutschen Pharmahersteller, sagt sie ein Umsatzwachstum von durchschnittlich nur zwei Prozent voraus, für Boehringer Ingelheim ein Plus von vier Prozent pro Jahr. Die jährlich publizierte Analyse von Evaluate basiert in erster Linie auf den Umsatzschätzungen von Bankanalysten für Pharmafirmen und deren Produkte. Sie entpuppte sich in der Vergangenheit als tendenziell zu optimistisch.

Ursprünglich sagten die Branchenexperten dem Pharmasektor schon ab 2015 einen neuen Aufschwung vorher. Statt dessen zog sich die Wachstumsdelle deutlich länger hin als erwartet. Grund dafür war zum einen eine Flaute bei Neuentwicklungen im letzten Jahrzehnt und der ersten Hälfte des laufenden Jahrzehnts, zum anderen ein wachsender Preisdruck in Europa und in den USA.

Das führte zuletzt vor allem bei den Herstellern von Nachahmerprodukten (Generika) zu Einbußen im US-Geschäft. Aber auch Originalhersteller mussten Versicherern zum Teil deutlich höhere Rabatte gewähren. Das bremste zum Beispiel das Geschäft mit Diabetes- und Asthmamitteln.

Mehr Innovationen

Inzwischen gilt in dieser Hinsicht das Schlimmste als überwunden. „Die politische Unsicherheit, die 2017 prägte, ist zwar nicht völlig verschwunden, aber sie verursacht weniger Besorgnis“, schreibt Evaluate Chefanalyst Anees Malik. So werden auch die von US-Präsident Trump angekündigten Initiativen gegen hohe Pharmapreise inzwischen als weniger gefährlich eingeschätzt.

Zudem hat sich auch die Innovationsbilanz wieder verbessert, auf zuletzt 55 Erstzulassungen für neue Wirkstoffe im Jahr 2017. Das sind doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Diese Neuentwicklungen, darunter alleine 13 neue Krebsmittel, könnten nach Analystenschätzungen im Jahr fünf nach Markteinführung alleine auf dem US-Markt mehr als 30 Milliarden Dollar Umsatz einfahren.

Als Unsicherheitsfaktor stehen dem vor allem die Patentabläufe bei einigen umsatzstarken Biotech-Medikamenten gegenüber, darunter etwa das Rheumamittel Humira von Abbvie und die Krebsmedikamente Avastin, Herceptin und Rituxan von Roche. Preisgünstige Kopien dieser Produkte, so genannte Biosimilars, könnten damit größere Marktanteile erobern.

Insgesamt werden bis 2024 laut Evaluate Pharma Originalmedikamenten mit derzeit 250 Milliarden Dollar Umsatz ihren Patentschutz verlieren. Die Kombination aus einem wachsenden Einfluss von Kostenträgern und einem möglicherweise unterschätzten Verdrängungswettbewerb durch Biosimilars sehen die Experten von Evaluate Pharma als größtes Risiko für optimistische Prognosen.

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