Neue Diesel im Vergleich Ausgerechnet VW glänzt mit Abgaswerten

Volkswagen hat sich offenbar ordentlich ins Zeug gelegt: Die saubersten Diesel auf deutschen Straßen kommen ausgerechnet aus VW-Produktion. Ein Test zeigt: Besonders ausländische Hersteller hängen deutlich hinterher.
13 Kommentare
Montage eines VW-Passat. Quelle: dpa
VW-Werk Emden

Montage eines VW-Passat.

(Foto: dpa)

DüsseldorfVolkswagen hat sich in den zurückliegenden zwei Jahren wegen der Dieselkrise notgedrungen an schlechte Nachrichten gewöhnen müssen. Den Wolfsburger Autokonzern wird es umso mehr überraschen, dass VW in einer aktuellen Untersuchung über die Stickoxid-Emissionen von Diesel-Fahrzeugen alles andere als schlecht abschneidet, sondern wegen der guten Abgaswerte den Spitzenplatz belegt.

Das CAR-Institut der Universität Duisburg-Essen hat jüngste Testergebnisse ausgewertet und miteinander verglichen. Getestet wurden insgesamt 138 Pkw der aktuellen Abgasnorm Euro 6, die auf dem Prüfstand maximal 80 Milligramm Stickoxide je gefahrenen Kilometer an die Atmosphäre abgeben dürfen. Diesen Wert halten neue Diesel ohne große Schwierigkeiten ein.

Das Problem sind aber die realen Werte auf der Straße, die viel höher liegen. Bei vielen getesteten Diesel-Modellen gingen die realen Werte dann tatsächlich mächtig nach oben. Basis der CAR-Untersuchung waren sogenannte „Real Driving Emission Tests“ (RDE) von Umweltorganisationen, Kraftfahrtbundesamt und ADAC. Seit dem 1. September sind solche RDE-Tests für neue Modelle vorgeschrieben, die erstmals für den Straßenverkehr zugelassen werden. Neueste Euro-6-Diesel dürfen den Prüfstandswert von 80 Mikrogramm auf der Straße maximal um das 2,1-fache überschreiten, also höchstens 168 Mikrogramm betragen.

Die jetzt getesteten 138 Diesel-Modelle sind allesamt vor dem Stichtag 1. September erstmals für den Straßenverkehr zugelassen worden. Die neue RDE-Norm gilt für diese Autos also noch nicht. Trotzdem gibt es bereits Autos auf dem Markt, die die strengeren Regeln für den realen Straßenbetrieb schon jetzt erfüllen, allen voran bei Volkswagen. Fahrzeuge mit hohen Straßenwerten sind in Deutschland am wahrscheinlichsten von Fahrverboten in extrem belasteten Städten wie Stuttgart und München bedroht.

Wer zahlt wie viel für alte Diesel?
BMW
1 von 20

Die Ende Juni auslaufende Umweltprämie verlängerte BMW kürzlich bis zum 31.12.2018. Wer sich für das Elektromobil i3 entscheidet, kann als Neufahrzeugkunde zusammen mit dem Umweltbonus der Bafa auf eine Prämiensumme von 6000 Euro kommen.

Angerechnet auf den Neuwagenpreis werden die 2000 Euro von BMW bei der Inzahlungnahme eines Gebrauchten Dieselautos mit Euro-4-Abgasnorm oder schlechter. Unabhängig davon haben Käufer eines i3 zusätzlich noch die Möglichkeit, bei der Bafa die Fördermittel für E-Mobile in Höhe von 4000 Euro einzufordern.

Toyota
2 von 20

Wer bei Toyota jetzt einen gebrauchten Diesel in Zahlung gibt und einen neuen Hybrid (Yaris, Auris, Rav4, C-HR oder Prius) kauft, bekommt von den Japanern nicht nur die übliche Hybrid-Prämie von 2000 Euro, sondern die gleiche Summe noch einmal für den alten Selbstzünder obendrauf.

Die Hybridprämie in Höhe von bis zu 4000 Euro gilt bei Barkauf oder Finanzierung bei der Toyota Kreditbank auf alle Hybridmodelle außer Prius Plug-in. Beim Kauf eines Auris Touring Sports Hybrid beträgt der Kundenvorteil bis zu 6150 Euro. Die Prämie läuft vorerst bis zum 30.09.2018.

Nissan
3 von 20

Konnten Kunden von Nissan mit dem Kauf eines Neuwagens bis zum 31. März 2018 noch bis zu 6500 Euro Wechselprämie erhalten, hat der Autohersteller jetzt einen neuen Ansatz zum Kaufanreiz gefunden. Beim Kauf eines neuen Diesel-Modells sichert Nissan seine Kunden mit einer Rückkauf- und Umtausch-Garantie im Falle von Fahrverboten in Städten ab.

Mit der Nissan Innenstadtgarantie für 500 Euro können Kunden im Falle eines Fahrverbots Ihren finanzierten Qashqai Diesel oder X-Trail Diesel zurückgeben oder umsteigen.

Ford
4 von 20

Wer bei den Kölnern einen Diesel mit Euro-4-Norm oder älter mit einer Mindestzulassung von sechs Monaten abgibt, kann zwischen 2000 und 8000 Euro Alt-Diesel-Prämie absahnen. Dafür kümmert sich Ford um eine kostenlose Verschrottung des alten Stinkers – so will das Unternehmen zu besserer Luft beitragen. Die Prämie gilt bei Diesel-, Benzin- und Hybridmotoren. Ford bietet keine Kombination mit anderen Angeboten an.

Die Erstzulassung des abzugebenden Fahrzeugs muss vor dem 01.01.2006 liegen. Sollte das Fahrzeug drei Jahre nach Erstzulassung von einem Fahrverbot betroffen sein, greift die Ford City-Garantie. Das Fahrzeug kann dann zurückgegeben werden.

Opel
5 von 20

Die deutsche Tochter des französischen PSA-Konzerns bietet den Besitzern älterer Dieselautos der Abgasnorm Euro 4 und niedriger modellabhängige Prämien an, wenn sie einen Opel-Neuwagen kaufen. Der „Umweltbonus“ beträgt zwischen 3500 Euro beim Kleinstwagen Corsa und 7000 Euro beim Spitzenmodell Insignia. Opel bietet die Prämie nur für Neufahrzeuge an. Der Käufer muss seinen Alt-Diesel verschrotten lassen. Die Aktion läuft noch bis zum 30. September 2018.

Hyundai: 10.000 Euro Nachlass auf den Grand Santa Fe
6 von 20

Hyundai bietet Käufern eines Grand Santa Fe im Rahmen der Aktion „Green Deal“ bei Abgabe eines alten Diesel-Pkw bis zum 31. Dezember 2017 einen Nachlass von 10.000 Euro auf den Kaufpreis. Darüber hinaus bekommt der Kunde bei Inzahlunggabe eines Euro 4-Dieselmodelles beim teilnehmenden Händler noch den Zeitwert für das Altfahrzeug angerechnet.

Angetrieben wird das siebensitzige SUV mit serienmäßigem Allradantrieb und Sechs-Gang-Automatik von einem 2,2-Liter-Dieselmotor mit 147 kW / 200 PS. Die Preisliste beginnt bei 47.900 Euro.

Renault
7 von 20

Bei den Franzosen können Kunden noch immer bis zu 7000 Euro Wechselprämie beim Kauf eines Renault Escape kassieren. Die sogenannte „Wechselprämie“ wurde erneut verlängert und läuft bis zum 30.08.2018. Die Konditionen sind wie bei den anderen Herstellern: Die Prämie wird Privatkunden auf den Kaufpreis eines neuen Renaults angerechnet, wenn ein alter Diesel-Pkw mit Abgasnorm Euro 4 oder älter in Zahlung gegeben wird. Die Förderung beim Kauf von Elektroautos kann bis zu 5000 Euro betragen und setzt sich aus 2000 Euro staatlichem Umweltbonus und 3000 Euro von Renault zusammen.

Die getesteten 138 Modelle stoßen im Durchschnitt das 5,3-fache des Prüfstandwertes von 80 Milligramm im echten Fahrbetrieb aus, das sind also durchschnittlich 424 Milligramm Stickoxid. Die Modelle der Importeure erwiesen sich als deutlich schmutziger als die Autos der deutschen Hersteller: Die ausländischen Unternehmen überschreiten die Grenzwerte um das 7,2-fache. Negativ fallen die Renault-Marken, der Fiat-Konzern und die asiatischen Hersteller auf. Die französischen Hersteller sind wegen der schlechten Werte von Renault mit der rumänischen Tochter Dacia bei einer Stickoxid-Überschreitung um das 9,0-fache auf dem letzten Platz des Länder-Ranking gelandet.

Der Peugeot-Konzern (PSA) schneidet hingegen mit vergleichsweise guten Werten im realen Fahrbetrieb ab. Der getestete PSA-Neuwagen war durchschnittlich 4,6-mal schlechter als der Prüfstandswert von 80 Milligramm. PSA ist damit deutlich besser als die Japaner, Koreaner, Volvo, Opel, Ford und sogar Porsche.

Wolfsburger Saubermänner
Seite 12Alles auf einer Seite anzeigen

Mehr zu: Neue Diesel im Vergleich - Ausgerechnet VW glänzt mit Abgaswerten

13 Kommentare zu "Neue Diesel im Vergleich: Ausgerechnet VW glänzt mit Abgaswerten"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Lesenswert zu diesem und zum Thema „Demokratiesysteme, Technokratie und Politbürokratie“:

    Der heutige Gastbeitrag auf der letzten Seite im HB zur Zukunft der Demokratie („Die Ohnmacht der Experten“, http://www.handelsblatt.com/my/meinung/gastbeitraege/gastbeitrag-zur-zukunft-der-demokratie-die-ohnmacht-der-experten/20280690.html).

  • Was für ein Glück, deutsche Diesel von VW sind wieder die Besten, alles ist so wie es war.

  • Frau Annette Bollmohr
    Du lieber Himmerl. Wen meinen Sie eigentlich mit "sie"? Machen Sie sich mal locker.

    <<<<<<<<<<<<<<<

    sie Frau Bollmohr dürfen mit Steinen werfen, eine wahrhaft reine Seele. sie sind ohne schuld und tadel.

  • Sehr geehrter Herr Menzel,

    als potentieller Käufer eines Diesel-Fahrzeugs interessiern mich die Meinungen und Untersuchungen des Kleintierzüchtervereins und ähnlicher Organisationen einen feuchten Staub.

    Wenn ich mit meinem Diesel auch in ein paar Jahren noch in die Innenstädte einfahren will, brauche ich eine Eintragung im Kraftfahrzeugschein, dass mein Fahrzeug die EU-Umweltvorschriften einhält. Es geht somit um eine Zertifizierung. Nur sie kann mich bewegen, einen neuen "sauberen" Diesel zu kaufen.

  • @Herr Toni Ebert, 05.09.2017, 17:30 Uhr

    "für mich ist es eine sehr hohe Ehre, dass ich sie hier kennen lernen darf."

    Du lieber Himmerl. Wen meinen Sie eigentlich mit "sie"? Machen Sie sich mal locker.

  • Herr Tom Schmidtne....

    Und jeder der sich über den angeblichen Dieselskandal aufregt aber nicht definieren kann, wie hier Reporduzierbarkeit erreicht wird... sollte eeher nur still sein...

    <<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<<

    dann wäre es aber überall Toten-Stille.

  • Schon erstaunlich, dass jetzt ausgerechnet die Importautos schwächeln... darum musste man wohl eine Anti-Diesel-Diskussion führen... das Problem ist für die dann weg, wenn alle Benziner kaufen (wie gesagt, in Frankreich gibt es eine Schule für den Wirtschaftskrieg...) Man muss nur die richtigen I... finden, die einem das weiterkolportieren, was man hören will. Aber jetzt zum Artikel:

    So ein Artikel ist vollkommen ohne Wert, wenn nicht darüber gesprochen wird, wie welche Tests "Realbedingungen" simulieren. Klar kann ich in der Nacht um 3 durch eine Stadt fahren und dann gute Ergebnisse erzielen? Oder zur Hauptverkehrszeit? Welche Vorgaben gab es für die unterschiedlichen Tests? Klimaanlage an oder aus? ...

    Wie sieht es denn mit den Messwerten innerhalb eines Tests aus? (wieviele Fahrten waren das und wie streuen die Ergebnisse?) Wenn das alles nicht dokumentiert und systematisch aufgearbeitet ist, dann sind die Aussagen eigentlich mehr für die Tonne....

    Und jeder der sich über den angeblichen Dieselskandal aufregt aber nicht definieren kann, wie hier Reporduzierbarkeit erreicht wird... sollte eeher nur still sein...

  • ---@ Frau Annette Bollmohr

    für mich ist es eine sehr hohe Ehre, dass ich sie hier kennen lernen darf. Sie sind ehrlich, lügen, betrügen nie. Sie fahren nie zu schnell und halten sich IMMER an alle Gesetze die es gibt. Ein leuchtendes Beispiel von einem 150% braven Staatsbürger. Auch haben sie ihren Kinder nichts vom Weihnachtsmann erzählt, oder dem Osterhasen.

    Im Gegensatz zu Volkswagen und allen anderen Kunden von Bosch (Programmierer der D-Software) und uns kleinen "Schummlern" dürfen sie mit Steinen werfen.

    "Wer von euch ohne Schuld ist, der werfe den 1. Stein"

  • ... und noch etwas zu den von vielen populistischen Politikern bemitleideten Mitarbeitern der Autoindustrie, die gerade als Opfer stilisiert und bemitleidet werden. Dass diese "Opfer" eigentlich ihre in die Tausende Euro gehende Jahresprämie wieder zurückgeben müssten, da sie ja mit unlauteren Methoden erwirtschaftet worden ist, wird von der Hetzpolitikerkaste geflissentlich verdrängt.

  • Das darf nicht sein, dass VW mit seinen Abgaswerten so gut ist, denn dann können die linken Populisten von SPD bis Grüne ja gar nicht mehr auf einen Autohersteller im eigenen Land einprügeln und noch mehr Fahrradautobahnen herbeischreien.

Alle Kommentare lesen
Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%