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Neue E-Autos Volkswagen bereitet seine Händler auf das Elektro-Zeitalter vor

In einem Jahr startet der Autobauer den Verkauf seiner neuen Elektroautos. Für Händler ist das eine Umstellung – schon jetzt werden sie vom Konzern geschult.
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VW bereitet seine Händler auf das Zeitalter der Elektroautos vor Quelle: imago/Sebastian Geisler
VW auf der Brüsseler Automesse

Die neue ID-Baureihe der Wolfsburger wird im nächsten Jahr auch bei den Händlern zu sehen sein.

(Foto: imago/Sebastian Geisler)

IsenbüttelDie Eingangskontrollen sind scharf. Handys müssen an der Garderobe abgegeben werden. Werksschützer kontrollieren mit Handdetektoren, ob sich auch wirklich jeder Besucher daran hält. Stift und Papier sind für die Autohändler genauso untersagt: Sie dürfen sich keine Notizen davon machen, was sie in den kommenden vier Stunden erleben werden.

Alles ist noch zu geheim, es soll nur eine erste Orientierung sein. Einlass zu der Veranstaltung erhält nur derjenige, der seinen Personalausweis vorlegt. Volkswagen will genau wissen, wer sich im Inneren des Gebäudes aufhält. Es ist eine ganz besondere Veranstaltung, zu der VW in das kleine Dörfchen Isenbüttel 15 Kilometer westlich von Wolfsburg eingeladen hat. „Willkommen im VW-Messelager“ steht als Gruß vor der Eingangstür.

Drei Busse parken vor dem Gebäude, nach und nach steigen Hunderte von Besuchern aus. Volkswagen hat seine europäischen Händler nach Isenbüttel geladen. Eine ganze Woche lang werden 5000 Menschen durch das Messelager geschleust, in dessen Innerem ganz besondere Fahrzeuge gezeigt werden. Wie im Schichtbetrieb werden mehrmals am Tag einige 100 VW-Händler in Gruppen zusammengefasst und durch das Gebäude geleitet.

Aus Spanien sind sie gekommen, aus Ungarn, Luxemburg, der Schweiz und natürlich aus Deutschland. Außergewöhnlich früh zeigt Volkswagen seinen Händlern die neue Generation von Elektromodellen, die sie vom kommenden Jahr an verkaufen sollen. Dem Wolfsburger Autokonzern soll die E-Fahrzeuggeneration einen ganz neuen Charakter verleihen. Volkswagen präsentiert sich als ein Unternehmen, das sich für die Umwelt einsetzt und das mit dem Einstieg in das Elektrozeitalter beginnt.

In 20 Jahren könnte VW tatsächlich seine letzten Autos mit Benzin- und Dieselmotor verkaufen. Die neue Generation von Elektrofahrzeugen soll auch kurzfristig helfen – als Imageträger, die die Dieselaffäre möglichst schnell vergessen lassen. Das kann der Volkswagen-Konzern nicht allein schaffen, das geht nur gemeinsam mit seinen mittelständischen Vertriebspartnern.

„Normalerweise zeigen wir unseren Händlern neue Autos nicht so früh“, bestätigt Silke Bagschik, die bei Volkswagen für Vertrieb und Marketing der neuen Elektrobaureihen verantwortlich ist. Im Normalfall werden die Händler zum Verkaufsstart eines neuen Modells nach Wolfsburg gebeten – das wäre bei den E-Autos der neuen ID-Baureihe in etwa einem Jahr gewesen.

Doch es ist eben viel mehr als nur ein normaler Modellwechsel. Nicht einfach nur ein neuer Passat oder ein neuer Golf. „Unsere Händler sind alle Unternehmer und müssen rechtzeitig verstehen, wo wir mit der ID-Familie hinwollen, welche Kraft das für sie und unsere Marke entwickeln kann“, ergänzt Bagschik.

Der neue Antrieb sorgt dafür, dass die Autos völlig anders konstruiert worden sind. Ein Elektromotor ist vergleichsweise klein, das schafft zusätzlichen Platz im Innenraum. Außerdem bekommen die neuen E-Autos mehr digitale Funktionen, auch das müssen die Händler den Kunden im nächsten Jahr erklären können. Und schließlich bekommt das Laden eine viel größere Bedeutung als das Tanken beim Benzinmotor, auch dieses Thema muss ein Volkswagen-Händler künftig beherrschen.

Pragmatische Antwort auf Emissionsgrenzen

Silke Bagschik hält den Einführungsvortrag für die VW-Händler. Sie will ihre Gäste möglichst schnell für das Thema Elektroauto gewinnen. Auf der großen Leinwand hinter ihr läuft ein Video mit der schwedischen Schülerin Greta Thunberg, die auf der UN-Klimakonferenz im polnischen Kattowitz im vergangenen Jahr von den Gefahren der Klimaerwärmung und der Verantwortung der älteren für die jüngere Generation gesprochen hatte.

„Fast alle von uns haben Kinder“, nimmt die VW-Managerin das Thema des Videos auf. Die emotionale Einführung wirkt: Es wird ruhig im Saal des Messelagers, die versammelten Volkswagen-Händler hören aufmerksam zu. Die Botschaft, die hier vermittelt werden soll, ist klar: Die neuen Elektroautos sind ein Beitrag des VW-Konzerns, um die Erderwärmung zu stoppen.

Und sie sind die sehr pragmatische Antwort auf künftige Emissionsgrenzen – ohne E-Autos werden die Autohersteller die neuen Kohlendioxidvorgaben der EU-Kommission nicht mehr einhalten können. Wenig später sind die Hauptakteure an der Reihe, die neuen Autos. Zu Anfang waren sie noch verhüllt, dann werden die Abdeckungen abgenommen. Applaus brandet auf, die Händler zeigen ihre Begeisterung, sie sind eben auch enthusiastische Autofans.

Zum Vorschein kommt der ID Neo, ein Auto, mit dem Volkswagen ein elektrisches Gegenstück zum Golf schaffen will. Dann folgt der ID Crozz, ein SUV, ungefähr mit dem heutigen Tiguan vergleichbar, aber eben mit Elektroantrieb. Die Modellnamen stehen noch nicht endgültig fest, Neo und Crozz sind im Moment interne Volkswagen-Bezeichnungen.

Die Händler zollen Volkswagen Anerkennung dafür, dass der Konzern sie schon so früh in die Umstellung auf die Elektrofahrzeuge einbindet. „Wir wollen diese Autos verkaufen“, sagt etwa Peter Villiger aus der Schweiz. Die lange Vorbereitung helfe den Händlern dabei, sich auf die neuen Autos einzustellen.

Verbraucher fühlen sich nicht informiert

Die neuen Elektroautos brächten auch viel Schwung in die Vertriebsorganisation: „Damit beginnt etwas Neues.“ Neu wird bei den E-Autos beispielsweise eine Vorreservierungsgebühr sein: Wer einen gewissen Betrag anzahlt, der bekommt einen ID Neo schneller vor die Tür gestellt. VW hat noch keine Summe genannt, andere Hersteller nehmen dafür einige Tausend Euro.

Experten sind überzeugt, dass die Autohersteller nicht früh genug mit der Information über die neuen Fahrzeuge beginnen können. Allerdings nicht nur bei den Händlern, sondern auch bei den Kunden.

„Knapp zwei Drittel der Verbraucher fühlen sich schlicht nicht ausreichend über Elektroautos informiert“, stellt Rainer Mehl fest, Automobilverantwortlicher bei der Unternehmensberatung Capgemini Invent. Der Automobilbranche hält er vor, dass sie weder im Verkauf noch in der Wartung auf die Zeitenwende zum Elektroauto eingestellt sei.

Veranstaltungen wie die von Volkswagen im Isenbütteler Messelager können da nur helfen. „Letztlich geht es beim Thema Elektromobilität immer auch um das Angebot eines tragfähigen Ökosystems inklusive der Betreuung mit Ladestationen und mit Wartung nach dem eigentlichen Autoverkauf“, betont Mehl. Erst damit könne der Elektromobilität wirklich zum Durchbruch verholfen werden.

Das Laden und die Reichweite der neuen Autogeneration spielen auch beim Händlertreffen eine wesentliche Rolle. „Reichweitenängste werden wir bei unseren Kunden nicht mehr so deutlich hören“, verspricht Volkswagen-Vertreter Gunnar Bärwaldt. Die neuen Elektroautos sind mit einer Mindestreichweite von gut 300 Kilometern ausgestattet. Größere Batterien lassen Fahrstrecken von mehr als 500 Kilometern zu.

Aus Volkswagen-Sicht wird das Laden zu Hause künftig eine wesentliche Bedeutung bekommen. Also will der Autokonzern die entsprechende Technik verkaufen, mit der ein problemloses „Auftanken“ der Fahrzeuge daheim möglich werden soll, sogenannte „Wallboxen“. Ein Händler muss also auch lernen, was diese Wandladestationen für den Keller oder die Garage auszeichnet. Sie werden voraussichtlich einige Hundert Euro kosten.

Autokauf soll einfacher werden

Volkswagen will zudem auch mit Handelskonzernen wie Aldi und Tesco kooperieren, auf deren Parkplätzen neue Ladestationen entstehen sollen. An speziellen Schnellladestationen soll die Batterie in 30 Minuten 80 Prozent ihrer Kapazität erreichen.

Auch im Winter verspricht VW seinen Händlern – und damit letztlich den Kunden – ein funktionstüchtiges Auto. Bei einer Außentemperatur von unter null gehe die Batterie nicht in die Knie und garantiere immer noch eine ordentliche Reichweite.

Auch der eigentliche Autokauf soll mit der neuen Elektrogeneration deutlich einfacher werden, das bislang umständliche Konfigurieren eines Neuwagens per Internet wird es demnach künftig nicht mehr geben. Volkswagen will die Zahl der Ausstattungsvarianten bei den E-Fahrzeugen massiv begrenzen. Mit gerade einmal zehn Klicks im Internet sei das Auto fertig konfiguriert.

Bis Ende kommenden Jahres will Volkswagen mit der Produktion von drei verschiedenen Elektromodellen beginnen und damit die erste Welle des E-Zeitalters einläuten. Zwei Jahre später kommen noch einmal drei weitere Modelle dazu. 2021 steht die nächste Verschärfung der Kohlendioxid-Grenzwerte in der EU an, dann muss die Produktion der Autos ins Rollen gekommen sein.

2025 wird ein wichtiges Jahr für den gesamten Volkswagen-Konzern: Dann sollen weltweit drei Millionen Elektroautos pro Jahr verkauft werden, das bei einer Gesamtproduktion von etwa zwölf Millionen Fahrzeugen.

Die Händler, die sich über die E-Autos informiert haben, werden vielleicht ihren Anteil dazu beitragen können. Denn im Messelager von Isenbüttel haben sie definitiv erste wichtige Tipps bekommen. „Und es wird sicherlich noch weitere Informationsveranstaltungen geben, wenn der Verkaufsstart näher rückt“, verspricht ein VW-Insider. Dann wahrscheinlich auch wieder mit Stift und Notizblock.

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