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Neue Erlösquellen VW & Co. könnten künftig mit Auto-Software Milliarden verdienen – doch noch ist Tesla vorn

In Zukunft könnten Kunden neue Funktionen im Auto gegen Aufpreis als App herunterladen. Eine neue Studie zeigt, wie groß das Geschäft werden könnte.
20.07.2021 - 04:00 Uhr Kommentieren
Noch fehlt den traditionellen Autobauern die erforderliche Kompetenz im Bereich der Software, um den Rückstand gegenüber Tesla aufzuholen. Quelle: Bloomberg/Getty Images
Tesla

Noch fehlt den traditionellen Autobauern die erforderliche Kompetenz im Bereich der Software, um den Rückstand gegenüber Tesla aufzuholen.

(Foto: Bloomberg/Getty Images)

Düsseldorf Das Wort „Software“ haben Manager der größten deutschen Autobauer bis vor wenigen Jahren nur selten in den Mund genommen. Die Software war ein Randaspekt des Autos. Jetzt, im Jahre 2021, steht sie im Mittelpunkt. Volkswagen, Europas größter Autobauer, hat nach dem Hochlauf der Elektromobilität nun den Aufbau der Softwarekompetenz in den Mittelpunkt der Konzernstrategie gerückt, genauso wie BMW und Daimler. Auf einmal will jeder Autobauer zu einem Softwarekonzern werden – mit bislang zum Teil durchwachsenem Erfolg.

Eine neue Untersuchung von Stefan Bratzel, Leiter des Center of Automotive Management an der Universität Bergisch Gladbach, die am Dienstag veröffentlicht wird, zeigt, wo die deutschen Autokonzerne beim Thema Software stehen und welche Erlösmöglichkeiten sie dadurch in Zukunft erschließen könnten.

Das aus Sicht der Autobauer erfreuliche Ergebnis: Wenn es um Entwicklungen im Bereich des autonomen Fahrens oder Konnektivitätsfunktionen geht, spielen VW, BMW und Daimler in der ersten Liga mit. Das Problem: Neue Player haben die Autobauer in einigen Disziplinen bereits überholt – und das obwohl sie erst seit Kurzem in den Markt eingestiegen sind.

Im „Connected Services Ranking“ belegt demnach Tesla den ersten Platz. Das Ranking analysiert die Innovationen der Autobauer in Bereichen wie dem autonomen Fahren, dem Infotainment und der Konnektivität, die beispielsweise Over-the-Air-Updates und die Vernetzung des Fahrzeugs mit der Umwelt umfasst. Auf Platz zwei des Rankings befindet sich der chinesische Autobauer Xpeng, der vor gerade einmal sieben Jahren gegründet wurde. Dahinter kommt VW auf dem dritten Platz, gefolgt von Daimler und BMW.

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    Noch fehlt den Autobauern die erforderliche Kompetenz im Bereich der Software, um den Rückstand gegenüber Tesla aufzuholen. In der Studie veranschaulicht Autoexperte Bratzel das unter anderem anhand eines Golf 7, bei dem VW nur etwa zehn Prozent der Software entwickelt. Der Rest kommt von Zulieferern wie Bosch oder Continental. Diesen Anteil will VW nun bis 2025 auf rund 60 Prozent erhöhen.

    Die fehlenden 50 Prozentpunkte bedeuten für VW gigantische Investitionen und den Aufbau neuer Strukturen. Auf der Strategiekonferenz in der vergangenen Woche hatte VW angekündigt, bis 2025 über 70 Milliarden Euro investieren zu wollen. Jedes Jahr fließen davon rund 2,5 Milliarden Euro allein in die neu geschaffene Software-Einheit Cariad.

    Digitalisierung und das autonome Fahren werden zu einem entscheidenden Komfortelement. Quelle: The NewYorkTimes/Redux/laif
    Innenraum des VW ID.4

    Digitalisierung und das autonome Fahren werden zu einem entscheidenden Komfortelement.

    (Foto: The NewYorkTimes/Redux/laif)

    Trotz des gigantischen Aufwands werden traditionelle Autobauer wie VW im Softwarebereich weiter auf Hilfe der Tech-Konzerne angewiesen sein, ist sich Bratzel sicher. „Ohne wichtige Kooperationspartner werden die traditionellen Autohersteller in der Software-Entwicklung zu langsam sein. Sie werden dann von neuen Playern, beispielsweise aus China, überholt.“

    Allerdings rät Bratzel von zu tiefgreifenden Kooperationen ab. Autobauer wie GM, Ford oder Nissan lassen sich ganze Softwaresysteme von Google oder Amazon liefern. Sie sparen sich den Entwicklungsaufwand, verlieren aber auch an Innovationsfähigkeit, so Bratzel. In seinem Ranking belegen GM, Ford und Nissan deswegen die hinteren Plätze. „Sie verlieren den Kontakt zum Kunden. Damit geht das Geschäft mit den Connected Services mit potenziellen Milliardenumsätzen an ihnen größtenteils vorbei.“

    VW-Chef Herbert Diess ist sich derweil sicher, dass Autofahrer für zusätzliche herunterladbare Funktionen in Zukunft gern bezahlen werden. Der Vorteil: Der Konzern kann auch mit bereits verkauften Autos Geld verdienen. Genaue Umsatzzahlen nennt der Autobauer nicht. In seiner Studie hat Autoexperte Bratzel eine Modellrechnung anhand von VW aufgestellt, die darlegt, wie hoch die Einnahmen ab 2030 ausfallen könnten.

    Demnach könnte die Freischaltung eines Autobahnassistenten, mit dem ein Fahrzeug selbstständig über die Autobahn fahren kann, pro Auto einen Umsatz von bis zu 250 Euro im Jahr generieren. In der Studie wird die Annahme erstellt, dass 2030 VW rund 19,5 Millionen updatefähige Fahrzeuge im Bestand haben wird. Hochgerechnet mit den 250 Euro ergäbe das ein potenzielles Umsatzvolumen von 4,9 Milliarden Euro. Im Infotainment-Bereich kommt Bratzel schätzungsweise auf 12,7 Milliarden Euro für E-Commerce-Dienstleistungen und knapp vier Milliarden Euro für Entertainment-Funktionen, die nachträglich heruntergeladen werden können.

    Ein Problem wird aber sein, was mit den bezahlten Apps passiert, wenn der Kunde die Automarke wechselt. Beim Smartphone können die Apps in der Regel auf das neue Smartphone mitgenommen werden. Bei Autobetriebssystemen wiederum könnte diese „App-Mitnahme“ noch funktionieren, wenn der Kunde innerhalb eines Konzerns die Marke wechselt, also von einem Volkswagen auf einen Seat oder Skoda.

    „Unklar aber ist, was passiert, wenn Kunden zum Beispiel von einem VW zu einem BMW wechseln. Es ist unwahrscheinlich, dass die Kunden dann ihre Fahrerassistenzfunktionen markenübergreifend mitnehmen.“ Bratzel rechnet daher mit zeitlich begrenzt verfügbaren Funktionen, für die Kunden bezahlen.

    Mitarbeit: Thomas Jahn

    Mehr: VW-Chef Herbert Diess glaubt, dass sich die Digitalisierung für den Autobauer auszahlt. Bis 2025 soll die Rendite des Konzerns deutlich steigen.

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