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Neue Kooperation Abt und Schaeffler veredeln gemeinsam Elektro-Nutzfahrzeuge

Elektroautos versprechen neue Geschäfte. Die Schaeffler-Gruppe und der Fahrzeugveredler Abt gehen deshalb eine Kooperation ein. Erster Kunde ist VW.
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Schaeffler und Abt integrieren den elektrischen Antriebsstrang in den besonders bei Handwerkern nachgefragten Kleintransporter. Quelle: Abt
E-Caddy beim Laden

Schaeffler und Abt integrieren den elektrischen Antriebsstrang in den besonders bei Handwerkern nachgefragten Kleintransporter.

(Foto: Abt)

Düsseldorf Der Zulieferkonzern Schaeffler und der Fahrzeugveredler Abt gehen eine Kooperation bei der Fertigung von leichten Nutzfahrzeugen ein. Das gaben beide Unternehmen am Dienstag bekannt. Erster gemeinsamer Kunde ist VW Nutzfahrzeuge aus Hannover. Schaeffler und Abt integrieren den elektrischen Antriebsstrang in den VW Transporter und den besonders bei Handwerkern nachgefragten VW Caddy.

Die fränkische Schaeffler-Gruppe, die seit fünf Jahren in der elektrischen Rennsportserie Formel E mit Abt zusammenarbeitet, will Technologie- und in einem späteren zweiten Schritt auch Managementkompetenz in die Partnerschaft einbringen. Der börsennotierte Konzern entwickelt zudem technologische Lösungen rund um den elektrischen Antriebsstrang. Schon heute entwickelt Schaeffler Steuerungselektronik für die Abt E-Line von VW Nutzfahrzeugen.

Nach den Worten von Schaeffler-Vorstandschef Klaus Rosenfeld sieht der Zulieferer in der Elektrifizierung leichter Nutzfahrzeuge wie von Volkswagen ein großes Wachstumspotenzial. „Der unternehmerische Ansatz der Firma Abt und das Systemverständnis von Schaeffler sowie unsere ausgeprägte Kompetenz in den Bereichen Antriebsstrang und Fahrwerk versetzen uns in die Lage, gemeinsam etwas Neues zu schaffen und schneller voranzukommen“, sagte Rosenfeld. Kaum ein anderes Unternehmen beherrsche die Veredelung von Fahrzeugen und Antriebssträngen so gut wie Abt.

„Mit Schaeffler als strategischem Partner und mit seinem technischen Know-how an Bord haben wir ein starkes Paket für neue Herausforderungen im Bereich der Elektrifizierung“, ergänzte Abt-Gründer und Hauptgesellschafter Hans-Jürgen Abt. „Wir sind überrascht von der positiven Nachfrage. Kleinfirmen und Kommunen warten auf ein solches Konzept. In den Städten werden diese Autos gebraucht“, sagte der Abt-Gründer dem Handelsblatt. Bei der Veredelung von Elektrofahrzeugen wolle er mit seinem Unternehmen nicht hintenanstehen. Im Elektrobereich entstünden völlig neue Geschäftsfelder.

Die Abt Sportsline GmbH aus Kempten im Allgäu ist ein mittelständisches Unternehmen, das im vergangenen Jahr bei einem Umsatz von rund 21 Millionen Euro auf einen Nachsteuergewinn von knapp 900.000 Euro kam. Insgesamt hat der Mittelständler etwa 250 Beschäftigte.

Abt hat sich in den vergangenen 35 Jahren einen Namen als Fahrzeugveredler („Tuning“) gemacht. Das Unternehmen hat sich dabei auf Fahrzeuge aus dem Volkswagen-Konzern spezialisiert.

Die Kooperation zwischen der Schaeffler-Gruppe und Abt zielt auf die Weiterentwicklung elektrischer Antriebsstränge und die Fahrzeugintegration sowie die Montage. Der Schwerpunkt liegt dabei bei leichten Nutz- und Spezialfahrzeugen. Zudem sollen flexible und mechatronische Fahrwerkslösungen entwickelt werden.

Mittelfristig sieht Schaeffler Potenzial für weitere Aufträge sowie kleinere und mittlere Serien im Bereich leichte Nutz- und Spezialfahrzeuge. Volkswagen könnte demnach auf längere Sicht nicht der einzige Kunde bleiben.

Innerstädtischer Verkehr im Fokus

Zu Beginn der Kooperation beim Elektroantrieb wollen sich Abt und Schaeffler jedoch auf den VW-Konzern konzentrieren. Der E-Caddy mit dem Antriebsstrang von Abt und Schaeffler wird bereits verkauft, der neue E-Transporter steht kurz vor seiner Markteinführung.

Schaeffler und Abt machen keine Angaben zu den geplanten Verkaufszahlen. Doch in den Businessplänen dürften einige Tausend verkaufte Autos pro Jahr stehen, hieß es in Branchenkreisen.

Für das Elektrogeschäft hat Abt eine neue Tochtergesellschaft gegründet, die Abt E-Line GmbH. Nach der Veredelung konventioneller Modelle sieht das Unternehmen zunehmend Chancen beim Tuning von Elektroautos. „Das neue Abt-Tochterunternehmen ist für uns ein Start-up, das wir als langfristiger Partner gerne begleiten“, sagte Schaeffler-CEO Rosenfeld dem Handelsblatt. In Branchenkreisen wurde nicht ausgeschlossen, dass sich Schaeffler an dieser neuen Abt-Tochter beteiligt.

Das Segment leichter Nutzfahrzeuge steht vor allem im innerstädtischen Verkehr stark im Fokus der Anstrengungen, die Emissionen zu senken. Außerdem müssen die Hersteller die regulatorischen Emissionsobergrenzen für das Segment leichte Nutzfahrzeuge gesondert erfüllen – eine Verrechnung mit den Werten der Pkw-Flotte ist nicht möglich.

Die heute verfügbaren Elektromotoren sind im innerstädtischen Verkehr bei leichten Nutzfahrzeugen inzwischen ähnlich leistungsfähig wie vergleichbare konventionelle Verbrennungsaggregate. VW Nutzfahrzeuge ist auf neue Elektromodelle angewiesen, um mögliche Geldbußen wegen zu hoher Kohlendioxid-Emissionen so gering wie möglich zu halten.

Dem Elektrosegment kommt auch bei neuen Mobilitätskonzepten eine wachsende Rolle zu, denn die Nachfrage in den großen Städten nach sauberem und ökonomischem Transport nimmt weltweit stark zu. „Hier entsteht ein innovatives Geschäftsmodell mit großen Zukunftschancen. Das gilt vor allem für urbane Räume“, so Rosenfeld weiter.

Gerade in der Logistik sehen Schaeffler und Abt Potenzial für die Einführung von Lösungen beim automatisierten und vollautonomen Fahren. Der VW-Konzern hat zudem sein Kompetenzzentrum für das autonome Fahren bei der Nutzfahrzeugtochter in Hannover angesiedelt.

Mehr: Die künftige Auslastung der VW-Fabrik in Dresden ist gesichert. In der früheren Produktionsstätte des Phaeton wird künftig auch der ID.3 gefertigt.

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