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Neue Lkw-Werke Daimler und Traton: Deutsche Truck-Riesen drängen nach China

Nach der VW-Tochter Traton kündigt auch Daimler den Bau eines Lkw-Werks in China an. So wollen die Konzerne endlich im weltgrößten Markt triumphieren.
02.12.2020 - 10:41 Uhr Kommentieren
Daimler will ab 2022 schwere Sattelzugmaschinen in der Volksrepublik fertigen. Quelle: dpa
Daimler-Truck

Daimler will ab 2022 schwere Sattelzugmaschinen in der Volksrepublik fertigen.

(Foto: dpa)

München, Peking Die Ansage war eindeutig: „Ende des Jahrzehnts wollen wir in China mit der Marke Mercedes-Benz Trucks auf den Markt“, erklärte Wolfgang Bernhard vor fast genau vier Jahren. Der damalige Lkw-Vorstand beim Autobauer Daimler kündigte Ende 2016 im Handelsblatt an, den Sattelschlepper Actros in Fernost zu produzieren – „mit Stückzahlen im fünfstelligen Bereich“.

Doch Bernhard schmiss bei Daimler nur wenige Monate nach seinen Aussagen entnervt hin. Um sein Prestigeprojekt in Fernost wurde es anschließend gespenstig ruhig. Mit reichlich Verspätung wird der Bau des Mercedes-Flaggschiffs für Brummifahrer in China jetzt aber wohl tatsächlich Realität. Wie Daimler am Mittwoch bekanntgab, will der Dax-Konzern ab 2022 schwere Sattelzugmaschinen der Marke Mercedes in der Volksrepublik fertigen.

Dafür investieren die Stuttgarter zwei Jahre später als ursprünglich geplant gemeinsam mit ihrem Pekinger Joint-Venture-Partner Foton fast 500 Millionen Euro in den Aufbau eines neuen Lkw-Werks in der chinesischen Hauptstadt. „Wir sind überzeugt, dass wir heute den richtigen strategischen Schritt für den richtigen Markt zum genau richtigen Zeitpunkt ankündigen“, frohlockte Martin Daum, der seit März 2017 als Nachfolger von Bernhard das Truck-Geschäft bei Daimler verantwortet.

Daum will das Potenzial, das im weltgrößten Lastwagenmarkt schlummert, endlich „voll“ ausschöpfen. Sein Ziel: Er plant, im Truck-Geschäft in Fernost eine ähnliche Erfolgsgeschichte zu schreiben wie seine Kollegen im Pkw-Bereich. Im Autosektor konnte Mercedes in der vergangenen Dekade seine Verkäufe auf rund 700.000 Einheiten pro Jahr mehr als vervierfachen. Der Lkw-Absatz von Daimler in China stagniert dagegen.

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    Zwar produzieren und vertreiben die Schwaben seit 2012 im Reich der Mitte unter der Marke Auman gemeinsam mit Foton eigene Trucks. Ein Verkaufsschlager sind die vergleichsweise rustikal anmutenden Lastwagen bisher aber nicht. Meist blieb der Absatz von Auman in den vergangenen Jahren unter 100.000 Einheiten. Hinzu kamen einige wenige importierte Mercedes-Sattelschlepper.

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    Doch der chinesische Lastwagenmarkt wandelt sich. Dank des steigenden Wohlstands und immer besser ausgebauter Straßen sind nicht mehr nur billige Fabrikate gefragt, sondern teils auch höherwertige Lastwagen, versichern die Daimler-Manager. Daher mache es Sinn, in China künftig auch teurere Mercedes-Laster vor Ort zu fertigen.

    Konkret soll eine auf die chinesischen Bedürfnisse angepasste Version des Actros in Peking produziert werden, erklärte Daimler-Truck-Chef Daum. Der Manager rechnet mit „erheblichen Stückzahlen“ in den kommenden zehn Jahren. „China kann eines Tages unser größter Markt für den Actros werden.“

    Traton baut neues Werk in der Nähe von Schanghai

    Eine sehr ähnliche Strategie wie Daimler in China verfolgt der Konkurrent Traton: Die Nutzfahrzeugtochter von Volkswagen kündigte erst vergangene Woche an, in der Nähe von Schanghai ein neues Werk zu bauen, in dem Lastwagen der Premiummarke Scania produziert werden sollen. Auch hier ist der Beginn der Serienproduktion für das Jahr 2022 vorgesehen.

    Scania wolle China nach Schweden und Brasilien zum dritten großen Produktionsstandort machen, sagte Scania-Chef Henrik Henriksson. „Das Ziel ist nicht nur, ein weiteres industrielles Standbein aufzubauen, sondern das Land auch als Basis für weitere asiatische Märkte zu nutzen.“ Das Werk soll in Rugao gebaut werden, 150 Kilometer nordwestlich von Schanghai. Zudem wollen die Schweden ein Entwicklungszentrum errichten, das sich insbesondere mit alternativen Antrieben und den Möglichkeiten des autonomen Fahrens beschäftigen soll.

    In China werden 40 Prozent aller weltweit produzierten Lastwagen verkauft. Doch der Markt wird von lokalen Anbietern wie FAW, Dongfeng, Chang’an, SAIC-GM-Wuling und BAIC dominiert. Die größten fünf Unternehmen machen gemeinsam 85 Prozent aller Verkäufe von Schwerlastfahrzeugen aus. Ausländische Hersteller konnten bisher nur in Nischen punkten und waren bis zu diesem Jahr gezwungen, bei der Fertigung mit einheimischen Herstellern zu kooperieren.

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    Die Zusammenarbeit mit den Chinesen ist oft zäh. Die Traton-Schwester MAN musste beispielsweise schon viel Lehrgeld bezahlen: 2009 haben die Münchener ein Viertel der Anteile des chinesischen Anbieters Sinotruk erworben, unter dem Namen Sitrak ist seit 2018 eine gemeinsame Marke in Arbeit. Auf das 500 Millionen Euro teure Aktienpaket von Sinotruk musste MAN aber schon 2012 fast die Hälfte wieder abschreiben.

    Wachstums- und Innovationstreiber mit Tücken

    Mit dem Wegfall der Joint-Venture-Pflicht und schärferen Abgasvorschriften im Kampf gegen die Luftverschmutzung wird der chinesische Markt nun aber wieder attraktiver. Sowohl Scania als auch Daimler sehen das Reich der Mitte als den vielleicht wichtigsten Wachstums- und Innovationstreiber des kommenden Jahrzehnts. Doch Experten warnen vor zu viel Euphorie. Denn der reine Blick auf die Stückzahlen führt in China in die Irre.

    „In China werden zwar 40 Prozent der weltweiten Trucks verkauft, allerdings beträgt der Anteil am globalen Profit-Pool nur 13 Prozent“, sagt Bernd Heid, Partner bei McKinsey. „Der Grund dafür ist, dass in China das stark umkämpfte Volumensegment überwiegt.“ Trotz der enormen Größe des Reichs der Mitte können die Truckhersteller bis dato im Westen mehr Umsatz und Gewinn erwirtschaften.

    Beispiel Westeuropa: Hier werden zwar jährlich nur etwa 300.000 Lkws verkauft und damit viermal weniger als in China, aber der generierte Umsatz des Sektors fällt mit 35 Milliarden Euro genauso hoch aus wie in der Volksrepublik. Beim Betriebsergebnis wird der Unterschied zwischen Masse und Klasse noch deutlicher: In Westeuropa erzielten die Truckhersteller 2019 laut McKinsey ein gemeinsames Ebit von 3,3 Milliarden Euro – in China waren es dagegen nur 1,7 Milliarden Euro.

    Mit dem Wirtschaftswachstum in China hoffen Daimler und Traton allerdings darauf, dass auch der Bedarf an Premium-Lkws steigt und damit auch die möglichen Umsatzrenditen in die Höhe schnellen. Zudem steigen die Stückzahlen insgesamt weiter an. „Dieses Jahr könnten trotz Corona 1,5 Millionen Trucks in China verkauft werden – 200.000 mehr als im Vorjahr“, glaubt McKinsey-Experte Heid.

    Auch die Ratingagentur Fitch geht davon aus, dass die zahlreichen Infrastrukturmaßnahmen, die China zur Stützung der vom Coronavirus getroffenen Wirtschaft aufgelegt hatte, der Lkw-Branche zu weiterem Wachstum verhelfen werden. „Strengere Vorschriften gegen die Überladung von Baufahrzeugen in städtischen und vorstädtischen Gebieten werden die Nachfrage nach Schwerlastwagen ebenfalls erhöhen“, heißt es in einer aktuellen Analyse von Fitch. Die Nachfrage nach den Fahrzeugen werde robust bleiben.

    Mehr: „China first“: Deutsche Autobauer befinden sich in einer tückischen Abhängigkeit

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