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Neue Partnerschaft Aus MyTaxi wird FreeNow – Daimler und BMW vereinen ihre Mobilitätsdienste

Digitale Angreifer wie Uber und Didi treiben die konkurrierenden Autobauer in neue Partnerschaften. Zusammen stecken BMW und Daimler eine Milliarde Euro in eigene Mobilitätsdienste.
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In einem ehemaligen U-Bahn-Tunnel unter dem Potsdamer Platz in Berlin wurden am Freitag zwei langjährige Rivalen zu Partnern. Quelle: dpa
BMW-Chef Harald Krüger (links) und Daimler-Chef Dieter Zetsche

In einem ehemaligen U-Bahn-Tunnel unter dem Potsdamer Platz in Berlin wurden am Freitag zwei langjährige Rivalen zu Partnern.

(Foto: dpa)

BerlinSeit mehr als hundert Jahren sind Daimler und BMW erbitterte Rivalen. Es gab Zeiten, in denen in Stuttgart nur spöttisch über die Münchener gesprochen wurde und umgekehrt. Teils ist das noch heute so. Aber zumindest die Topmanager der beiden Fahrzeughersteller sitzen sich längst nicht mehr frostig gegenüber. In den vergangenen Monaten aß man öfter mal Weißwürste oder Spätzle zusammen, heißt es.

Die Chemie unter den Führungskräften stimme. Die Folge: Daimler-Chef Dieter Zetsche und BMW-Frontmann Harald Krüger legen den Grundstein für eine neue, womöglich historische Ära in der Autoindustrie.

In einem ehemaligen U-Bahn-Tunnel unter dem Potsdamer Platz in Berlin wurden an diesem Freitag zwei langjährige Rivalen zu Partnern. Im Kerngeschäft, dem Verkauf von Premiumautos, werde man sich zwar weiterhin einen harten Wettbewerb liefern, versprechen beide Unternehmen. Aber bei Mobilitätsdiensten, also dem Hoffnungsgeschäft der Zukunft, machen Daimler und BMW künftig gemeinsame Sache.

„Wir bündeln die Kräfte und das Know-how von 14 erfolgreichen Marken erklärte Daimler-Chef Zetsche. „Wir schaffen einen weltweit führenden Gamechanger“, assistierte BMW-CEO Krüger. Gut eine Milliarde Euro investieren die Konzerne, um ihre bestehenden Dienste wie Car2Go und DriveNow auszubauen und zu verzahnen.

Konkret gründen die Autokonzerne dafür fünf Joint-Ventures in den Bereichen Carsharing, Mitfahrdienste, Parken, Ladestationen für Elektroautos und eine Mobilitätsplattform, die mit einem Klick multimodales Reisen ermöglicht.

So werden unter anderem Car2go und DriveNow langfristig unter dem Namen ShareNow vereint. Aus den Taxidiensten, zu denen unter anderem MyTaxi, Beat und CleverTaxi gehören, wird die Marke FreeNow. Die Mobilitätsplattform Moovel firmiert künftig unter dem Namen ReachNow. Nur die bisherigen BMW-Dienste ChargeNow und ParkNow behalten ihren Namen. In den kommenden Jahren sollen in allen Sparten zusammen weltweit bis zu 1000 neue Jobs entstehen.

Das Ziel des Deals: Daimler und BMW wollen ihren Kunden Lösungen aus einer Hand anbieten und Skaleneffekte heben. Mit einem gemeinsamen Kundenstamm von mehr als 60 Millionen Kunden hoffen die beiden Autohersteller, schnell mehr als hundert Millionen Nutzer zu erreichen, um lästige Konkurrenten aus dem Silicon Valley und aus Fernost in die Schranken weisen zu können.

Zetsche und Krüger haben erkannt, dass sie der Finanzkraft von Digitalangreifern wie Uber, Lyft oder Didi Chuxing nur im Schulterschluss wirkmächtig entgegentreten

Der Markt verspricht immenses Wachstum

Aktuell beziffern die Unternehmen den Umsatz ihrer gemeinsamen Dienste auf etwa drei Milliarden Euro. Das entspricht etwas mehr als einem Prozent der Erlöse, die Daimler und BMW zusammen pro Jahr erzielen. Mit anderen Worten: Noch ist das Zukunftsgeschäft ziemlich klein.

Der Markt verspricht allerdings immenses Wachstum. Beispiel Ride Hailing, wie es etwa Uber und Lyft betreiben: 2018 wurden dem Londoner Analysehaus IHS Markit zufolge bereits 14 Milliarden Fahrten in den Kernregionen China, USA, Europa und Indien vermittelt. Das entspricht einem Wachstum von mehr als 300 Prozent bezogen auf das Jahr 2015.

Der Umsatz, den Ride-Hailing-Anbieter in den vier größten Märkten erwirtschafteten, lag im vergangenen Jahr bei etwa 100 Milliarden Dollar. Bis 2040 könnte dieser Markt auf eine Billion Dollar Umsatz „explodieren“, prognostiziert IHS. Etablierte Autokonzerne wie Daimler und BMW müssen sich daher bewegen. Ihnen droht zunehmend das Kerngeschäft wegzubrechen.

Steht der Verkauf von Autos, Komponenten und Ersatzteilen heute noch für 99 Prozent der Branchengewinne, werden es nach Berechnungen von Boston Consulting 2035 wohl nur noch 60 Prozent sein. Die restlichen 40 Prozent des Ertrags werden die Autobauer demnach mit neuen Mobilitätsdiensten erwirtschaften.

In dieser Welt der Plattformökonomie scheinen Digitalkonzerne mit ihrer Softwarekompetenz im Vorteil. Wie wollen da die Autokonzerne dagegenhalten? „Wir kombinieren Hardware und Software“, sagt BMW-Chef Krüger: „Das ist unsere Kompetenz“. Gemeinsam könne man alle anderen schlagen.

Es stimme zwar, dass die digitale Revolution schon viele Unternehmen in etablierten Branchen obsolet gemacht habe, räumt der scheidende Daimler-Chef Zetsche ein. Aber: „Unser Fall ist anders“. Denn solange Menschen nicht gebeamt werden können, brauche es ein fahrendes oder fliegendes Vehikel, um sie von A nach B zu befördern. „Und mit allem Respekt für die Techkonzerne: Das ist unsere Stärke“.

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