Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Neue Stromquellen Ölkonzerne denken langsam um

Die anhaltend hohen Preise für Erdöl, Erdgas und Strom machen das Geschäft mit Erneuerbaren Energien lukrativ. Auch Mineralölkonzerne bauen ihr Engagement im alternativen Segment aus.
  • Siliva v. der Weiden

DÜSSELDORF. „Wir wollen mindestens eine der erneuerbaren Alternativen wie Wind, Wasserstoff oder fortschrittliche Solartechnik zu einem wesentlichen Geschäft entwickeln“, verkündete kürzlich Jeroen van Veer, Chef der Royal Dutch Shell. Stolz verweist er auf die über eine Milliarde US-Dollar, die der Konzern bisher in den Ausbau der Erneuerbaren Energien gesteckt hat.

Anfang Februar überraschte die Shell Gruppe mit der Nachricht, ihre Aktivitäten im konventionellen Solargeschäft an die Bonner Solarworld zu veräußern. Das Unternehmen begründete den Schritt damit, dass es sich auf die Weiterentwicklung der siliziumfreien Dünnschicht-Technologie konzentrieren wolle. Diese gilt mittelfristig als aussichtsreicher als die unter Rohstoffengpässen leidende Technik mit monokristallinem Silizium. Zulegen soll auch das Windgeschäft. Shell ist an Windparks in Europa und den USA mit insgesamt 350 Megawatt beteiligt, weitere Projekte sind auch in China geplant.

Auch BP hat die Erneuerbaren Energien entdeckt. Das signalisiert der neue Geschäftzweig „Alternative Energy“. Unter dem Dach bündelt der Ölkonzern seit kurzem seine Aktivitäten bei Windkraft, Solarenergie und Wasserstofftechnologien. Acht Milliarden US-Dollar will das Unternehmen laut BP-Vorstandschef Lord John Browne bis 2015 in den Ausbau der Sparte stecken. Bis dahin will der Konzern sechs Milliarden US-Dollar Umsatz pro Jahr mit alternativen Energien machen.

Zahlen, die nicht jeden beeindrucken. Norbert Allnoch, Leiter des Internationalen Wirtschaftsforums Regenerative Energien, kommentiert das Engagement bissig: „Die Ölkonzerne schwimmen im Geld. Auch wenn sie ihr Investment in Erneuerbare Energien nun ausbauen wollen, entsprechen die Summen nur einem Bruchteil ihrer Wirtschaftskraft. Fossile Energieträger bilden nach wie vor das Kerngeschäft der Mineralölwirtschaft“, sagt Allnoch. Allein im vorigen Jahr verbuchte die Shell Gruppe bei einem Gesamtumsatz von 379 Milliarden US-Dollar einen Rekordgewinn von 22,9 Milliarden US-Dollar.

Bei BP belief sich der Gewinn auf 19,3 Milliarden US-Dollar. „Wenn die Konzerne ernsthaft in das Geschäft mit Erneuerbaren Energien einsteigen wollen, müssen sie produktspezifische Aktivitäten entwickeln. Konkrete Angebote an die Kunden fehlen bislang“, sagt Allnoch. Zurückhaltend bewertet auch der Bundesverband Erneuerbare Energien (BEE) das Engagement der Mineralöl-Multis. Enttäuscht zeigt sich der Verband, der die Interessen von rund 5 000 kleinen und mittleren Unternehmen mit einem Gesamtumsatz von 16 Milliarden Euro vertritt, über die vergleichsweise spärlich ausfallenden Investitionen der Konzerne. „Gemessen an dem für 2012 anvisierten 71 Milliarden Euro-Investment unserer Branche, fallen die angekündigten Vorhaben der fossilen Energiewirtschaft doch sehr bescheiden aus“, sagt BEE-Präsident Johannes Lackmann.

Auch die deutsche Stromwirtschaft macht mit Plänen für umweltfreundliche Energieträger von sich Reden. Auf dem Energiegipfel der Bundesregierung Anfang April hatten sich Eon, RWE und Vattenfall die Zusage abringen lassen, zusammen mit der Offshore-Stiftung der Deutschen Wirtschaft ein Testfeld für Windenergie in der Nordsee zu errichten. Um den guten Willen zu signalisieren, brachte RWE wenige Tage vor dem Gipfel zudem Pläne für ein CO2-freies Großkraftwerk ins Gespräch. Dabei soll das bei der Kohleverbrennung entstehende CO2 abgetrennt und in unterirdischen Speichern deponiert werden, damit es im Laufe langer Zeiträume eine feste Verbindung mit dem Gestein eingehen kann.

Neu sind die Pläne indessen nicht. Das Vorhaben liegt seit langem in den Schubladen des Konzerns, war aber bisher immer als zu kostspielig eingestuft worden. Die Abtrennung und Einleitung von CO2 ist ein seit Jahrzehnten erprobtes Verfahren. In Form der „Enhanced Oil Recovery“-Technik steigert es die Ausbeute von Erdöl- und Erdgasfeldern. Auch die EU hat die Technologie seit längerem auf ihrer Agenda und fördert die Weiterentwicklung und die Erforschung der CO2-Deponierung mit Millionensummen.

Dänemark hat bereits Fakten geschaffen: Vor wenigen Wochen hat der dänische Kraftwerksbetreiber Elsam bei Esbjerg die weltweit größte Pilotanlage zur Abscheidung und Speicherung von CO2 in Betrieb genommen.

Startseite
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%