Neue Vorwürfe ADAC-Funktionäre profitieren von Ehrenämtern

Beim ADAC kehrt keine Ruhe ein: Offenbar profitieren viele ehrenamtliche Funktionäre des Clubs finanziell von ihrem Engagement. Ein Autoexperte fordert nun eine Kartellprüfung aller ADAC-Angebote.
Update: 02.02.2014 - 15:45 Uhr Kommentieren
Aktuelle Ausgabe der ADAC-Mitgliederzeitschrift: Der Autoclub steckt tief in der Krise. Jetzt sind neue Vorwürfe laut geworden. Quelle: dpa

Aktuelle Ausgabe der ADAC-Mitgliederzeitschrift: Der Autoclub steckt tief in der Krise. Jetzt sind neue Vorwürfe laut geworden.

(Foto: dpa)

MünchenEs gibt neue Vorwürfe gegen den ADAC: Etliche ehrenamtliche Funktionäre des Autoclubs erhalten nach einem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ lukrative Aufträge. Viele seien beispielsweise als Vertragsjuristen des Clubs tätig, andere als Gutachter oder Geschäftsführer von ADAC-Filialen. Von den Delegierten der Jahreshauptversammlung 2012 profitierten nach Zählung der Zeitung etwa ein Drittel offenbar auch privat vom ADAC. Zudem gerät der Club wegen eines größeren Geschäftes seines Regionalverbandes in Nordrhein-Westfalen unter Druck

Der ADAC in Nordrhein-Westfalen hat 2009 ein größeres Geschäft mit der Firma eines ranghohen Club-Funktionärs abgeschlossen. Eine Sprecherin des ADAC Nordrhein bestätigte am Samstag den Sachverhalt. Das Geschäft sei aber völlig einwandfrei gewesen, versicherte sie. Demnach hatte der von ADAC-Präsident Peter Meyer geleitete Regionalverband dem Unternehmen eines Vorstandskollegen 200.000 Euro „Werbekostenzuschuss“ für ein Fernsehstudio am Nürburgring gezahlt.

Das Unternehmen produziert unter anderem Fernsehbilder von Sportereignissen. Meyers ADAC-Kollege Peter Geishecker saß bei der Muttergesellschaft Wige Media AG damals im Vorstand, er war zudem Großaktionär. Als Gegenleistung wurde für den Autoclub an der Eifelstrecke geworben. Wegen der späteren Pleite der Rennstrecke wurde schließlich die Hälfte der Summe an den ADAC zurückgezahlt.

ADAC-Sprecherin Jacqueline Grünewald betonte, dass es aus Sicht des Clubs ein korrektes Geschäft gewesen sei. „Es war alles klar geregelt und ist durch alle Gremien beim ADAC gegangen“, sagte sie der Nachrichtenagentur dpa. Nach der Insolvenz des Nürburgrings seien nur 100.000 Euro und nicht die ganze Summe zurückgezahlt worden, weil zuvor die vereinbarte Leistung, die Fernsehübertragungen und die Werbung, erbracht worden sei.

Was dem ADAC zur Last gelegt wird
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14. Januar 2014

Seinen Lauf nahm der Skandal um den Automobilclub am 14. Januar, als Vorwürfe laut wurden, dass der ADAC die Abstimmungszahlen des Autopreises "Gelber Engel" manipuliert habe – mutmaßlich direkt durch die Führung der Kommunikationsabteilung.

Laut einem Bericht der „Süddeutsche Zeitung“ sollen nur 3.409 ADAC-Mitglieder bei der Wahl zum „Gelben Engel“ den VW Golf zum Lieblingsauto der Deutschen gewählt haben. Ein ADAC-Papier vom Dezember 2013 habe dagegen als offizielles Ergebnis 34.299 Stimmen genannt. Es sei nicht das erste Mal, dass der ADAC zwar nicht das Ranking selbst, wohl aber die Stimmenzahl manipuliert habe.

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16. Januar 2014

Bei der offiziellen Feier zur Auszeichnung des VW Golf mit dem "Gelben Engel" spricht Karl Obermair, Vorsitzender der ADAC-Geschäftsführung, vor den geladenen Gästen von "Unterstellungen und Unwahrheiten". Die Leser der Kundenzeitschrift "Motorwelt" hatten den Golf nach ADAC-Angaben mehrheitlich gewählt. Zu den Vorwürfen der "Süddeutschen Zeitung" sagte er, er könne nur versichern, dass die vier Buchstaben "ADAC" richtig abgedruckt worden seien. Im übrigen sei nichts älter als die Tageszeitung von gestern: "Mit der packt man den Fisch ein." Wie viele Leser sich tatsächlich an der Abstimmung beteiligt hatten, teilte der ADAC auch anlässlich der Preisverleihung nicht mit.

VW-Chef Martin Winterkorn, der den Preis für das Lieblingsauto in München entgegennahm, wollte sich nicht zu den Manipulationsvorwürfen äußern. "Das sollte die "Süddeutsche Zeitung" mit dem ADAC ausmachen, da halte ich mich raus", sagte er. "Ich glaube nicht, dass hier der Eindruck entstanden ist, dass hier ein Klüngel vorhanden ist."

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17. Januar 2014

Unmittelbar nach Bekanntwerden der ersten Vorwürfe haben ADAC-Geschäftsführung und Präsidium eine lückenlose interne Prüfung angeordnet.

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19. Januar 2014

Der Leiter Öffentlichkeitsarbeit des ADAC und Chefredakteur der Mitgliederzeitschrift "Motorwelt", Michael Ramstetter, räumte die Manipulationen ein und legte sein Amt nieder. Weder Geschäftsführung noch Präsidium seien zuvor "über diese Unregelmäßigkeiten bei der Leserwahl" unterrichtet gewesen. Die anderen Kategorien beim Preis „Gelber Engel“ seien von den Vorgängen nicht betroffen, betonte der Autoclub. Er will Vertrauen zurückgewinnen und kündigte an, bis 2015 für die Abstimmung zum Lieblingsauto ein notariell überwachtes Verfahren zu entwickeln, das über jeden Zweifel erhaben sei.

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19. Januar 2014

Die Manipulationen werfen nach Ansicht des Autoexperten Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen auch ein Schlaglicht auf andere Tests und Statistiken des ADAC. "Auch die Pannen- und Tunnelstatistik müsste man jetzt untersuchen", sagte Dudenhöffer. "Wenn sie beim Gelben Engel lügen, könne man das auch für die anderen Bereiche nicht ausschließen", betonte er. Im ADAC-System laufe grundsätzlich etwas falsch. Der Autoexperte führt dies unter anderem auf das Fehlen von Kontrollmechanismen in dem Verband zurück.

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20. Januar 2014

Die Vorwürfe weiten sich aus: Nach einem Bericht der "Bild"-Zeitung ergaben erste interne Untersuchungen beim ADAC, dass zumindest 2012 und 2013 die Zahl der Stimmen künstlich erhöht wurde. Nach Informationen der Zeitung sollen neben Ramstetter auch leitende Mitarbeiter der "ADAC Motorwelt" in den Betrug eingeweiht gewesen sein. "Wir haben hier ganz klar einen Hauptverantwortlichen", sagte Obermair, alles andere müsse die Prüfung zeigen.

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20. Januar 2014

Die Bundesregierung rief den ADAC zu einer umfassenden Aufklärung der Manipulationen auf. "Es ist jetzt Aufgabe des ADAC, hier alle Karten auf den Tisch zu legen, möglichst transparent die Vorgänge aufzuarbeiten, auch rückblickend für die Jahre zuvor", sagte ein Sprecher des Verkehrsministeriums.

Der bayerische Ministerpräsident Horst Seehofer forderte eine unabhängige Prüfung. "Am besten ist jetzt: alles auf den Tisch, Transparenz, und nach Möglichkeit eine unabhängige, objektive Prüfung", sagte er vor einer CSU-Vorstandssitzung. Die Manipulationen hätten ihn nicht überrascht, denn er habe sich auch über andere Zahlen in der Vergangenheit gewundert. "Im Zusammenhang mit der Maut habe ich mich immer gefragt, wie man zu solchen Schlussfolgerungen kommen kann", sagte Seehofer.

Wige betonte am Sonntag in einer Stellungnahme, dass das Unternehmen wegen der Ausrichtung auf den Motorsport „automatisch“ vielerlei Berührungspunkte zum ADAC habe. Alle Geschäfte mit dem Autoclub unterlägen jedoch „einer genauen Überprüfung auf beiden Seiten“.

Der „Spiegel“ berichtet unterdessen, der ADAC habe wiederholt Versicherte hingehalten, die im Ausland schwer erkrankten und einen Ambulanzflug in die Heimat benötigten. Mitarbeiter der Notrufzentrale des Clubs hätten sich zögerlich gezeigt, berichteten Betroffene.

ADAC-Sprecher Christian Garrels nannte es am Sonntag absurd, anhand von Einzelfällen einen Pauschalverdacht zu erheben. „Ausnahmslos alle Ambulanzflüge werden nach medizinischer Notwendigkeit durchgeführt“, sagte er. Dabei müsse auch geprüft werden, ob der Gesundheitszustand der Patienten Flüge zulasse. Letztlich entschieden Ärzte darüber.

Kürzlich war bereits bekannt geworden, dass der ADAC seine Pannenhelfer offenbar zum Verkauf von Autobatterien anspornt. Der Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer fordert daher, alle Angebote des Autoclubs vom Bundeskartellamt untersuchen zu lassen. Er sagte der Zeitung „Bild am Sonntag“, Kartellamtschef Andreas Mundt sollte „jetzt schnell handeln“. Die Pannenhilfe sei „nichts anderes als eine Versicherung, bei der 19 Millionen Kunden den ADAC in eine Monopolstellung gehoben haben“. Wie bei Monopolen seien Preise wie für Autobatterien und Versicherungen zu hoch.

Der ADAC steht derzeit wegen immer neuer Enthüllungen in der Kritik. Die Debatte begann damit, dass der Club Manipulationen bei der Wahl zum „Lieblingsauto der Deutschen“ einräumen musste. Später bestätigte der ADAC unter anderem auch die Nutzung von vereinseigenen Rettungshubschraubern für Dienstreisen des Präsidiums.

  • dpa
  • afp
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