WLTP-Abgastest

Mit der Belastung durch die Einführung der strengeren Tests für Verbrauch und Abgase steht Volkswagen allein da.

(Foto: dpa)

Neue Zulassungsstandards Die WLTP-Probleme kosten Volkswagen eine Milliarde Euro

Wie kein anderer Autobauer kämpft VW mit den neuen Verbrauchsstandards. Erstmals sagt der Konzern nun konkret, wie teuer das Debakel wird.
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DüsseldorfEs hat etwas gedauert, bis Volkswagen das Problem in seiner Gesamtheit erkannt hat. Zu Jahresbeginn sah alles danach aus, dass sich der Wolfsburger Autohersteller zügig auf die neuen Zulassungsnormen nach WLTP-Standard einstellen würde. Doch von Monat zu Monat verschärfte sich die Lage, vor den Sommerferien war dann von Produktionslücken und Schließtagen in einzelnen Werken die Rede.

In der vergangenen Woche gab sich Finanzvorstand Frank Witter auf der Pressekonferenz zu den Halbjahreszahlen zunächst noch bedeckt. Er wollte nicht sagen, in welcher Höhe sich die Probleme mit den neuen WLTP-Zulassungsstandards in der Konzernbilanz niederschlagen werden. „Es ist ein signifikanter Betrag“, war Witters einzige Aussage.

Wenig später gab der Finanzvorstand seinen Widerstand auf. In einer Telefonkonferenz mit Börsenanalysten nannte Witter eine sehr konkrete Zahl: Der operative Ertrag des Volkswagen-Konzerns werde durch die WLTP-Probleme in diesem Jahr mit einer Milliarde Euro belastet. Zum Vergleich: 2017 hatte Volkswagen einen operativen Überschuss von rund 17 Milliarden Euro erreicht. Eine Gewinnwarnung wird es bei Volkswagen wegen der WLTP-Einführung vorerst nicht geben. Die zusätzlichen Kosten seien in der Bilanz ausreichend abgedeckt.

Mit dieser extremen Belastung durch die WLTP-Einführung, die strengere Tests für Verbrauch und Abgase bedeuten, steht VW allein da. Die anderen deutschen Autohersteller sind bei Weitem nicht in diesem Maß von den neuen Zulassungsstandards betroffen. Daimler hat zwar nie eine konkrete Zahl genannt. Analysten schätzen aber die Belastungen des Konzerns nur auf einen niedrigen dreistelligen Millionenbetrag.

BMW sieht überhaupt keine Probleme durch die Einführung der WLTP-Normen. „Bei uns sind die bis September geplanten Umstellungen von mehreren Hundert Modellen – mit Ausnahme von nur wenigen Varianten – bereits erfolgt“, sagte Konzernchef Harald Krüger in der vergangenen Woche.

Der Wolfsburger Konzern gesteht selbst ein, dass der Rückstand bei der WLTP-Einführung beträchtlich ist. Die eigenen Ingenieure seien durch die Aufarbeitung des Dieselskandals überlastet. Deshalb habe VW die Einführung der WLTP-Normen mit Verspätung aufgenommen. VW-Vorstandschef Herbert Diess verspricht, dass jetzt alles deutlich schneller vorangehen soll. „Wir tun alles, um die Risiken zu begrenzen und die Engpässe schnell zu überwinden“, sagte er in Wolfsburg.

Dem Konzern steht ein schwieriges zweites Halbjahr bevor

„In der Technischen Entwicklung herrscht Ausnahmezustand“, sagt ein Betroffener. Die Ingenieure des Autoherstellers seien völlig überlastet, weil sie immer wieder andere Modelle testen und überprüfen müssten. Dieser extreme Druck werde auch in den nächsten Monaten anhalten, weil die Abgasstandards zum 1. September 2019 ein weiteres Mal verschärft werden. Dann sind auch Straßentests vorgeschrieben (sogenannte „Real Driving Emissions“, RDE).

Volkswagen steht ein schwieriges zweites Halbjahr bevor. Weil noch nicht alle Modelle die neuen WLTP-Zulassungstests durchlaufen haben, wird die Produktion heruntergefahren. Im dritten Quartal werden voraussichtlich etwa 250.000 Fahrzeuge weniger als üblich gefertigt. Der VW-Konzern hofft darauf, dass diese Autos dann im Schlussquartal in Sonderschichten nachträglich produziert werden können. All das verschlingt zusätzliche Kosten.

Kunden müssen sich darauf einstellen, dass sie nicht das gewünschte Auto bekommen. In den kommenden Wochen wird Volkswagen voraussichtlich verstärkt standardisierte Autos fertigen. Die individuellen Wünsche einzelner Kunden bleiben in der Übergangszeit der WLTP-Einführung auf der Strecke. Das drückt abermals auf die Erträge: Käufer werden Nachlässe verlangen, wenn sie VW Fahrzeuge abnehmen, die sie in dieser Form eigentlich nicht bestellt hätten.

Vor wenigen Wochen hatte es bei Volkswagen noch geheißen, dass nach Möglichkeit etwa 75 Prozent aller Modelle nach den WLTP-Standards zum 1. September zertifiziert und für den Straßenverkehr zugelassen sein sollten. Im nächsten Monat sind die Standards zwingend vorgeschrieben. Autos ohne WLTP-Papier dürfen dann nicht verkauft werden. Inzwischen verlautete aus Konzernkreisen: Volkswagen werde die 75- Prozent-Marke zum 1. September wahrscheinlich doch nicht erreichen.

Das Thema WLTP werden die Wolfsburger so schnell nicht abschütteln. „Absehbar ist leider auch, dass uns die WLTP-Probleme über das dritte Quartal hinaus begleiten werden“, hatte Betriebsratschef Bernd Osterloh in einem Brief an die Belegschaft schon vor den Werksferien geschrieben. Inzwischen gibt es schon Stimmen, die von WLTP-Problemen bis ins Jahr 2019 hinein sprechen.

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