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TGV von Alstom und ICE von Siemens

Mit der Fusion kommt nun die Konsolidierung der europäischen Zugindustrie, über die seit Jahrzehnten gesprochen wird, entscheidend voran.

(Foto: dpa)

Neuer Zugriese Siemens und Alstom besiegeln Fusionspläne für Bahnsparte

Siemens und Alstom haben die Fusion ihrer Bahnsparten offiziell besiegelt. So sieht der neue europäische Zugriese aus.
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Paris Siemens und Alstom haben den neuen europäische Zugriesen auf die Schiene gesetzt. Die beiden Unternehmen unterzeichneten am Freitag den Vertrag für die im vergangenen Jahr beschlossene Fusion von Alstom mit der Bahntechnik von Siemens.

Es soll ein neuer europäischer Branchenriese mit etwa 15 Milliarden Euro Umsatz und 62.000 Mitarbeitern entstehen. Die Kartellbehörden und die Aktionäre von Alstom müssen noch zustimmen. Verwaltungsratschef des neuen Konzerns soll Siemens-Technologievorstand Roland Busch werden. Als sein Stellvertreter wurde der französische Industriemanager Yann Delabrière nominiert, der dem Alstom-Verwaltungsrat bereits angehört.

Alstom-Chef Henri Poupart-Lafarge, der den neuen Konzern führen soll, sprach von einem „wichtigen Meilenstein auf dem Weg, einen führenden Anbieter zu schaffen, der Lösungen für die Herausforderungen der Mobilität von Morgen liefert“.

Die Fusion ist in zweierlei Hinsicht von großer strategischer Bedeutung. Zum einen kommt nun die Konsolidierung der europäischen Zugindustrie, über die seit Jahrzehnten gesprochen wird, entscheidend voran. Damit gibt es eine europäische Antwort auf den fusionierten chinesischen Weltmarktführer CRRC, der insgesamt etwa doppelt so groß ist wie Alstom und die Siemens-Bahntechnik zusammen.

Zum anderen wird der neue Zugkonzern, an dem Siemens knapp die Mehrheit halten wird, das dritte Schiff im Flottenverbund von Siemens-Chef Joe Kaeser: Dieser hatte bereits die Windkraft mit dem Konkurrenten Gamesa fusioniert und so an die Börse gebracht. Vor einer Woche folgte der Börsengang der verselbstständigten Medizintechniksparte Healthineers.

Der Start von Siemens Gamesa, der mit der geplanten Konstruktion von Siemens Alstom vergleichbar ist, verlief eher holprig. Gewinnwarnungen und ein Absturz des Aktienkurses sorgten auch in der Siemens-Zentrale in München für Verärgerung. Zwar ist Siemens Gamesa inzwischen besser unterwegs und konnte zuletzt wichtige Großaufträge gewinnen. Doch wird in Unternehmenskreisen eingeräumt, dass Siemens die indirekte Führung über den Aufsichtsrat erst noch lernen müsse.

Mit der geplanten Ernennung Buschs zum Aufsichtsratschef setzt Siemens nun ein klares Zeichen. „Mit Roland Busch ernennen wir den Besten für diese bedeutende Aufgabe“, sagte Kaeser. Er sei „nicht nur ein langjähriger Kenner des globalen Mobility-Geschäfts, sondern hat auch als Mitglied des Aufsichtsrats von Atos wichtige Erfahrungen in der Integration und Steuerung deutsch-französischer Industrieverbindungen gesammelt“.

Busch sagte, Siemens Alstom habe „alle Voraussetzungen für eine europäische Erfolgsgeschichte“. Siemens will inklusive des Vorsitzenden Busch und seinem Stellvertreter Delabrière sechs Mitglieder in den Verwaltungsrat senden.

Das sind die aktuellen Superzüge
China: Fuxing
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Der neue Hochgeschwindigkeitszug Fuxing soll ab September 2017 auf der Strecke Peking - Shanghai eingesetzt werden. Chinas Superzug ist 350 km/h schnell und darf diese Geschwindigkeit jetzt auch wieder fahren, nachdem es über Jahre hinweg ein „Tempolimit“ von 300 km/h auf Chinas Gleisen gab.

(Foto: dpa)
China: Fuxing
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Grund für die Geschwindigkeitsbegrenzung war ein schwerer Unfall im Jahr 2011: Beim Zusammenstoß zweier Schnellzüge starben damals Dutzende Menschen.

(Foto: AP)
Deutschland: ICE
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Ende 2017 soll die vierte Generation des ICE in den Regelbetrieb aufgenommen werden, mit besseren Klimaanlagen, größeren Fenster und Stellplätzen für Fahrräder. Kostenloses WLAN in der 2. Klasse wird es bis dahin schon geben – das verspricht jedenfalls die Bahn.

(Foto: dpa)
Italien: Alstom Pendolino
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In Italien konkurrieren zwei Anbieter von Schnellzügen um die Kunden. Neben der Staatsbahn Trenitalia gibt es seit 2012 auch die privaten Italo-Züge. Italo bedient mit seinen schnellen und modernen Zügen des französischen Konzerns Alstom weniger Strecken als Trenitalia, setzt aber vor allem auf Komfort und Service. So gibt es in der ersten Klasse Essen am Platz, dazu kommen WLAN und die Möglichkeit eines eigenen Unterhaltungsprogramms. (Foto: pr)

Italien: Frecciarossa 1000
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Trenitalia hat vor kurzem seinen neuen Frecciarossa 1000 präsentiert, der bis zu 400 Stundenkilometer schnell fährt. Die Freccia-Züge setzen eher auf gute Verbindungen, hohe Geschwindigkeit und wenige Haltepunkte. In den Schnellzügen beider Anbieter gilt generell eine Reservierungspflicht. (Foto: dpa)

Spanien: AVE
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In Spanien hebt das staatliche Eisenbahnunternehmen Renfe vor allem die Pünktlichkeit der mit Höchstgeschwindigkeiten von bis zu 310 Stundenkilometern fahrenden Schnellzüge hervor. Ab Herbst sollen die Waggons zunächst auf der Strecke zwischen Madrid und Barcelona mit WLAN ausgestattet werden. Der Hochgeschwindigkeitszug AVE hat im Juli 1,84 Millionen Reisende transportiert und damit einen neuen Rekord aufgestellt.

(Foto: AP)
Spanien: AVE auf Jungfernfahrt (1992)
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Mit einem Streckennetz von knapp 3150 Kilometern ist das AVE-System im europäischen Highspeed-Sektor führend. In den kommenden Jahren soll das Netz für rund zwölf Milliarden um weitere 1850 Kilometer erweitert werden. Geplant sind außerdem 30 neue Züge im Wert von 2,65 Milliarden Euro.

Der Fusionsvertrag (Business Combination Agreement) orientiert sich an der Absichtserklärung vom vergangenen Herbst. Details über die künftige Struktur nannten Siemens und Alstom nicht. Verabredet ist aber: Die Zentrale für Schienenfahrzeuge wird in Paris sein, die für Mobilitätslösungen in Berlin. Die Beschäftigten wurden mit einer vierjährigen Job- und Standortgarantie beruhigt. Allerdings verweisen Experten darauf, dass es einige Überlappungen gibt.

Siemens und Alstom wollen vor allem die Offensive des chinesischen Weltmarktführers CRRC kontern. Die beiden Vorgängerunternehmen CNR und CSR hatten sich zunächst auf den heimischen Markt konzentriert.

Dann konzentrierte sich China bei der Ausweitung des Eisenbahngeschäfts auf die Schwellenländer. Inzwischen dringt CRRC mit Macht auf die traditionellen westlichen Märkte. Lag der Auslandsanteil 2015 noch bei 11 Prozent, sollen es 2020 schon 25 Prozent sein.

Laut Expertenberechnungen könnte CRRC dann in Europa einen Umsatz von 2,5 Milliarden Euro anpeilen – und damit zur echten Konkurrenz von Siemens und Alstom auch auf dem Heimatmarkt werden. So erhielt CRRC bereits den Zuschlag für die Lieferung von Zügen an den tschechischen Betreiber Leo Express, die ersten Züge sollen 2018 ausgeliefert werden.

Vor diesem Hintergrund hoffen Siemens und Alstom laut Branchenkreisen, dass die Kartellwächter auch den Weltmarkt zum Maßstab nehmen und nicht nur den europäischen Heimatmarkt. Die beiden Unternehmen wollen die Fusion möglichst noch in diesem Kalenderjahr vollziehen.

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