Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Neurostimulatoren Neue Kooperation: Merck forscht mit Start-up Innervia zu bioelektrischen Therapien

Innovative Neuroelektroden sollen die Therapie von chronischen Erkrankungen verbessern. Im kommenden Jahr sollen die ersten Versuche starten.
08.07.2021 - 09:00 Uhr Kommentieren
Merck bekommt durch die Kooperation Zugang zu einer Technologie, die Neurostimulatoren energieeffizienter macht. Quelle: Max Brugger
Merck-Hauptsitz in Darmstadt

Merck bekommt durch die Kooperation Zugang zu einer Technologie, die Neurostimulatoren energieeffizienter macht.

(Foto: Max Brugger)

Frankfurt Der Darmstädter Pharma- und Life-Science-Konzern Merck weitet sein Engagement im Bereich Bioelektronik aus und schließt eine Kooperation mit dem spanischen Start-up Innervia. Zusammen wollen beide Unternehmen bioelektrische Therapien zur Nervenstimulation entwickeln, um Patienten mit schwerwiegenden Erkrankungen zu behandeln.

Der spanische Kooperationspartner setzt bei seinen Neuroelektroden auf einen ganz besonderen Stoff: Graphen, eine Modifikation von Kohlenstoff. Graphen wurde erst 2004 entdeckt, gilt als der stabilste bekannte Stoff und ist etwa rund 100-mal belastbarer als Stahl. Für den Einsatz bei Geräten, die elektrische Nervenimpulse im Körper beeinflussen sollen, ist Graphen interessant, weil es sehr leistungsfähig ist und eine besondere elektrische und thermische Leitfähigkeit hat.

Merck bekommt durch die Kooperation Zugang zu einer Technologie, die Neurostimulatoren energieeffizienter macht und „damit eine digitalisierte, auf den Patienten zugeschnittene Therapie schwerer und chronischer Erkrankungen wie Entzündungskrankheiten ermöglichen könnte“, sagt Laura Matz, Chief Science and Technology Officer von Merck.

Innervia Bioelectronics ist eine Tochter der Firma Inbrain Neuroelectronics aus Barcelona, die graphenbasierte Gehirn-Computer-Schnittstellen entwickelt und erforscht. Diese Brain-Computer-Interfaces ermöglichen eine direkte Informationsübertragung zwischen dem Gehirn und einem technischen Schaltkreis.

CEO und Mitgründerin der spanischen Firma ist Carolina Aguilar, die unter anderem ein Jahrzehnt beim Medizintechnikkonzern Medtronic im Bereich Tiefe Gehirnstimulation gearbeitet hat. Medtronic hat beispielsweise einen Hirnschrittmacher für Patienten mit Parkinson entwickelt. Durch Stimulation bestimmter Areale im Gehirn werden Krankheitssymptome wie etwa das Zittern abgemildert.

Künstliche Intelligenz zur Unterstützung

Inbrain will mit seinen graphenbasierten Elektrotherapien KI-unterstützte Medizingeräte einer neuen Generation entwickeln, unter anderem zur Behandlung von Parkinson und Epilepsie. 2019 gegründet, konnte Inbrain im Frühjahr dieses Jahres internationale Investoren für diesen Plan gewinnen: In einer Series-A-Finanzierungsrunde, die von Asabys Partners und Alta Life Sciences angeführt wurde, sicherte sich Inbrain knapp 17 Millionen Dollar für die Weiterentwicklung seiner Nervenstimulatoren.

Während sich Inbrain auf das zentrale Nervensystem konzentriert, fokussiert sich Innervia auf das sogenannte periphere Nervensystem außerhalb von Gehirn und Rückenmark. Hier steht für das Unternehmen der Vagusnerv im Mittelpunkt, der an der Funktion fast jedes inneren Organs beteiligt ist. Er verläuft vom Hirnstamm im Kopf über Hals und Brust bis zum Bauchraum und verzweigt sich auf seinem Weg. Bei zahlreichen chronischen Erkrankungen ist die Weiterleitung der Nervensignale gestört oder fehlgesteuert.

Während sich Inbrain auf das zentrale Nervensystem konzentriert, fokussiert sich Innervia auf das sogenannte periphere Nervensystem außerhalb von Gehirn und Rückenmark.
Produktentwicklung bei Inbrain

Während sich Inbrain auf das zentrale Nervensystem konzentriert, fokussiert sich Innervia auf das sogenannte periphere Nervensystem außerhalb von Gehirn und Rückenmark.

Die Kooperationspartner Merck und Innervia hoffen, mit den kleinen implantierbaren Geräten, die elektrische Nervenimpulse geben, ein breites Spektrum an chronischen Erkrankungen behandeln zu können. Zudem geht es ihnen darum, durch die Aufzeichnung von Nervensignalen und deren Kombination mit anderen zugänglichen physiologischen Daten bessere Informationen über die Erkrankung zu gewinnen und personalisierte Therapien zu entwickeln. Bei der Analyse der Daten soll Künstliche Intelligenz unterstützen.

„Unser gemeinsames Ziel ist es, die Therapieergebnisse für diese Patienten zu verbessern, die meist nur wenige Informationen über ihren Erkrankungszustand und geringen Einfluss auf ihren Therapieweg haben“, sagt Carolina Aguilar, die auch CEO der von Merck finanzierten Firma Innervia ist.

Im nächsten Jahr wollen die Partner die ersten Versuche starten und Daten sammeln. „Wir sind überzeugt davon, dass bioelektronische Geräte in der künftigen Therapielandschaft eine wesentliche Rolle spielen werden“, sagt Robert Spoelgen, Leiter Bioelectronics, im Merck Innovation Center.

Für Merck ist die Kooperation mit Innervia die zweite mit einem Start-up im Bereich Bioelektronik. Ende Juni gaben die Darmstädter die Partnerschaft mit dem Freiburger Unternehmen Neuroloop bekannt, das ebenfalls Neurostimulatoren entwickelt. Für Merck ist dieser Bereich auch deshalb interessant, weil das Unternehmen stark im Bereich Multiple Sklerose aktiv ist, einer Erkrankung, die für bioelektrische Therapien infrage kommt.

Mehr: Digitalisierung im Kopf: Was Gehirnchips wie der von Musks Neuralink leisten und was nicht

Startseite
Mehr zu: Neurostimulatoren - Neue Kooperation: Merck forscht mit Start-up Innervia zu bioelektrischen Therapien
0 Kommentare zu "Neurostimulatoren: Neue Kooperation: Merck forscht mit Start-up Innervia zu bioelektrischen Therapien"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%