Mitarbeiterin im Novartis-Labor

Firmenchef Vasant Narasimhan will bis 2020 die Kosten um eine Milliarde Dollar senken.

(Foto: AP)

Novartis, Eli Lilly, Merck Die Pharmabranche geht auf Sparkurs

Arzneihersteller leiden unten dem Preisdruck und bauen ihre Organisationen um. Tausende Arbeitsplätze werden gestrichen – wie jetzt bei Novartis.
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DüsseldorfDie Pharmabranche gilt seit jeher als eine der bestverdienenden Industrien: Gewinnspannen von 25 bis 30 Prozent sind bei den Arzneiherstellern durchaus üblich. Doch die Gewinnentwicklung zeigt in großen Teilen der Branche seit einigen Monaten nach unten. Sinkende Verkaufspreise und teure Forschungsprojekte setzen den Firmen zu.

Darauf reagieren viele Anbieter mit verschärften Sparprogrammen. Jüngstes Beispiel ist die Schweizer Novartis, Weltmarktführer bei rezeptpflichtigen Medikamenten. Firmenchef Vasant Narasimhan will bis 2020 die Kosten um eine Milliarde Dollar senken. Dass dies nicht ohne einen massiven Stellenabbau zu erreichen ist, war seit der Verkündung der Pläne im Konzern jedem klar.

Am Dienstag kündigte Novartis nun den Abbau von weiteren 2500 Stellen an, nachdem bereits in den USA und Japan hunderte Stellen gestrichen wurden. Das entspricht zwar nur rund fünf Prozent der globalen Mitarbeiterzahl. Doch operiert Narasimhan diesmal am Herz von Novartis: In der Schweizer Heimat soll jede sechste Stelle wegfallen, rund 2150 an der Zahl.

Allein am Konzernsitz in Basel sind 1000 Arbeitsplätze betroffen, der Rest entfällt auf die Standorte Schweizerhalle, Stein und Locarno. Weitere 400 Stellen gehen an den britischen Standorten von Novartis verloren. Der Abbau trifft die Verwaltung, etwa die zentralen Dienstleistungen, aber vor allem die Produktion. Dort hat das Management Überkapazitäten ausgemacht.

Mit dem Sparprogramm stemmt sich Novartis gegen die Folgen des Preisrückgangs im wichtigen US-Markt. Dort sind die Verkaufspreise für Medikamente in den vergangenen zwölf Monaten netto um bis zu zwei Prozent gefallen. Das trifft die Firmen spürbar, denn in den USA werden mehr als die Hälfte der Gewinne der Pharmaindustrie eingefahren.

Trump macht Druck auf die US-Arzneimittelpreise

Lange Zeit konnten die Pharmahersteller in den USA relativ einfach Preiserhöhungen durchsetzen. Doch das ist in weiten Teilen heute nicht mehr möglich – im Gegenteil: Amerikanische Versicherer und ihre Abrechnungsdienstleister setzen die Hersteller unter Druck, vor allem, wenn es um etablierte Medikamente geht, die noch Patentschutz haben.

Viele Manager erwarten, dass dieser Druck noch zunehmen wird. US-Präsident Donald Trump hat in seiner üblichen Art mehrfach öffentlich die hohen Arzneipreise angeprangert. Was er genau an Schritten im US-Gesundheitsmarkt plant, ist noch unklar.

Trump wird sicherlich nicht die Innovationskraft der in den USA starken Branche schmälern wollen. Er steht aber bei seinen Anhängern in der Pflicht, etwas gegen teure Medizin zu unternehmen. Die Pharmabranche ist deswegen nervös: „Wir bereiten uns darauf vor, dass sich mittelfristig im US-Preissystem etwas tun wird, das Auswirkungen auf die gesamte Pharmabranche hat“, sagte jüngst Novartis-Verwaltungsratschef Jörg Reinhardt.

Zahlreiche andere Pharmafirmen stecken bereits mitten in umfangreichen Sparprogrammen. Beim US-Konzern Eli Lilly werden weltweit 3500 Stellen abgebaut, beim Konkurrenten Merck & Co sind es 1800. Auch hier zeigen sich ähnliche Motive wie bei Novartis: Die Produktion wird angepasst, dazu werden Vertriebs- und Forschungsteams umgebaut. Der Stellenabbau ist auch den Forschungsausgaben geschuldet, die seit Jahren stetig steigen.

Analysten gehen davon aus, dass auch der Schweizer Roche-Konzern in seinem Produktionsnetz noch einmal aufräumen wird. Laut dem Unternehmen gibt es derzeit aber keine Beschlüsse für größeren Umstrukturierungen.

Bei den großen deutschen Herstellern sind bisher nur vergleichsweise kleine Sparprogramme zu sehen. So plant die Darmstädter Merck KGaA eine Verlagerung von Dienstleistungen an Standorte in Polen und auf den Philippinen. Betroffen sind nach Angaben der Gewerkschaft IG BCE aktuell 117 Mitarbeiter bei der Merck Accounting Solutions & Services Europe. Laut Arbeitnehmervertretern könnten bei den Darmstädtern erstmals betriebsbedingte Kündigungen möglich sein.

Unruhe ist derzeit auch bei den Mitarbeitern der Pharmasparte von Bayer zu spüren. Dort hat das Management bereits im vergangenen Jahr ein Effizienzprogramm beschlossen, dass den Namen „Super Bowl“ trägt. Ziel ist es, die Prozesse in der Forschung zu verbessern und dadurch schneller neue Produkte zu entwickeln.

Bayers Pharmamanager Jörg Möller ist seit Ende 2017 für Forschung und Entwicklung zugleich verantwortlich und arbeitet derzeit mit seinem neuen Führungsteam das Effizienzprogramm aus. Ob es in diesem Zuge zu Stellenstreichungen kommt, ist offen. Gerüchte, nach denen bis zu 1000 Stellen bei Bayers Pharmadivision in Gefahr seien, weist der Konzern als „pure Spekulation“ zurück.

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