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Novum im Dax So plant Bayer die erste virtuelle Hauptversammlung

Am 28. April wird das „Treffen“ der Bayer-Aktionäre nur virtuell stattfinden. Die Anteilseigner müssen sich auf einige Änderungen einstellen.
29.03.2020 - 12:00 Uhr Kommentieren
Der Pharmariese verlegt die Aktionärsversammlung ins Netz. Quelle: AFP
Bayer-Chef Werner Baumann

Der Pharmariese verlegt die Aktionärsversammlung ins Netz.

(Foto: AFP)

Düsseldorf Der Pharmariese Bayer wird das erste Unternehmen im Dax sein, das eine rein virtuelle Hauptversammlung abhalten wird. Am 28. April 2020 um 10 Uhr soll das „Treffen“ stattfinden – nicht wie geplant im Bonner World Conference Center, sondern auf der Internetseite des Konzerns.

Bayer nutzt damit die am Freitag vom Bundesrat verabschiedete neue gesetzliche Möglichkeit. Bisher war im Aktienrecht verankert, dass eine Hauptversammlung zwingend eine Veranstaltung mit physischer Präsenz sein muss. Da dies mitten in der Corona-Pandemie nicht möglich ist, hat der Gesetzgeber die Vorschriften weitgehend gelockert.

Der Leverkusener Konzern macht als erstes davon Gebrauch. Die meisten anderen Dax-Konzerne haben ihre Hauptversammlung (HV) bisher lediglich verschoben – etwa BASF, Covestro, Henkel, Merck und RWE. Auch sie dürften nun intensiv prüfen, auf ein virtuelles Aktionärstreffen umzustellen.

Denn die Terminlage ist angesichts von Corona äußerst ungewiss – viele der Veranstaltungen würden womöglich geballt im Spätsommer kommen. Die Versicherer Munich Re und Allianz haben ihre für Ende April und Anfang Mai geplanten Termine noch nicht abgesagt, sie werden möglicherweise von der Möglichkeit der Internet-HV Gebrauch machen.

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    Bayer begründete die Entscheidung damit, dass Aktionäre nicht monatelang auf ihre Dividende warten sollten. Die Leverkusener wollen auf jeden Fall an der Ausschüttung von 2,80 Euro pro Aktie festhalten. Andere Konzerne, die wirtschaftlich von der Pandemie schwer getroffen sind, haben die Zahlung ihrer Dividende für 2019 ausgesetzt, beispielsweise die Lufthansa. Sie wollen möglichst viel Liquidität im Unternehmen halten.

    Debatte um Monsanto geht weiter

    Aktionärsschützer lobten die Entscheidung, die Ausschüttung nicht zu streichen. „Dass Bayer - anders als viele andere - an der Dividende für 2019 festhält, goutieren wir ausdrücklich positiv“, sagte Marc Tüngler, Hauptgeschäftsführer der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW), dem Handelsblatt. „Wir fordern auch andere Gesellschaften, die aufgrund ihres Geschäftsmodells oder ihrer Liquiditätslage nicht in Not sind oder geraten werden, auf, für Klarheit beim Thema Dividenden zu sorgen.“

    Bayer dürfte als Hersteller von Medikamenten und Agrarrohstoffen weitaus weniger von Corona negativ betroffen sein als etwa die Lufthansa. Die Leverkusener wollen zudem bei den Investoren mit der pünktlichen Dividenden-Zahlung punkten: „Denn Verlässlichkeit für unsere Anteilseigner ist uns insbesondere in der Krise sehr wichtig“, sagte Bayer-Chef Werner Baumann.

    Der Konzern steht seit der Übernahme des US-Saatgutherstellers Monsanto stark in der Kritik – insbesondere wegen der erworbenen rechtlichen Risiken. Bayer ist in den USA einer riesigen Klagewelle wegen einer möglichen Krebswirkung des Unkrautvernichters Glyphosat ausgesetzt. Nach jüngsten Zahlen liegen 48.600 Klagen vor.

    Bayer hat drei Prozesse verloren und wurde in erster Instanz zu hohem Schadenersatz verurteilt. Das hat den Konzern mehr als ein Drittel des Börsenwertes gekostet, was der Grund für den Ärger der Aktionäre ist. Zwar geht Bayer dagegen in zweiter Instanz vor – die Revision läuft derzeit.

    Doch stehen die Leverkusener vor einem außergerichtlichen Vergleich mit der Klägeranwälten. Bayer könnte die Klagewelle zum großen Teil so auf einen Schlag abschütteln. Dier wird viel Geld kosten, im Raum steht eine Vergleichszahlung von zehn Milliarden Dollar.

    Ihren Unmut haben die Bayer-Aktionäre im April vergangenen Jahres deutlich gemacht: Sie verweigerten auf der damaligen Hauptversammlung dem Vorstand die Entlastung – das war ein einmaliger Vorgang in der Geschichte der Dax-Konzerne.

    Einschränkungen für Aktionäre

    Viele Investoren gehen davon aus, dass Bayer zur nun anstehenden Hauptversammlung eine Lösung in der Glyphosat-Frage präsentieren wird, um Klarheit auch für die Aktionäre zu schaffen. Ob bis dahin aber ein unterschriebener außergerichtlicher Vergleich vorliegen wird, ist offen.

    Baumann unterstrich zuletzt, er folge dabei keinem Zeitplan, sondern es gehe ausschließlich darum, die beste Lösung für das Unternehmen zu finden. Möglicherweise wird die finale Phase der Gespräche derzeit auch durch die Corona-Pandemie blockiert, die in den USA große Ausmaße angenommen hat.

    Über die Entlastung des Vorstandes und des Aufsichtsrates wird auch bei der anstehenden virtuellen Hauptversammlung von Bayer abgestimmt. Allerdings wird das „Treffen“ ganz anders ablaufen also sonst. Für die Aktionäre bringt eine digitale HV Einschränkungen.

    Bayer startet am 28. April um 10 Uhr einen Webcast über die Internetseite der Firma. Übertragen wird wohl aus einem Raum in der Leverkusener Zentrale, in dem CEO Baumann und der Aufsichtsratsvorsitzende Werner Wenning sitzen werden. Absehbar ist, dass nicht der gesamte Vorstand und Aufsichtsrat dort präsent sein werden, das wird schon aus Gründen der Reisebeschränkungen nicht gehen.

    Nach den Redebeiträge von Wenning und Baumann werden die Fragen der Aktionäre beantwortet. Wichtig dabei: Die Fragen müssen spätestens am 25. April 2020 bei Bayer vorliegen, sonst werden sie nicht beachtet. Das anschließende Stimmrecht können die Aktionäre nach fristgerechter Anmeldung wie gewohnt vorab per Briefwahl oder per Vollmacht an die Stimmrechtsvertreter der Gesellschaft ausüben.

    Die Stimmabgabe und auch die Übertragung an einen Vertreter werden auch während der Veranstaltung noch möglich sein, unterstreicht der Konzern. Dazu gibt es bereits technische Möglichkeiten, die Bayer einsetzen wird.

    Keine Redebeiträge der Anteilseigner

    Die Veranstaltung wird aber nicht interaktiv sein, das heißt, es können keine Fragen während der Hauptversammlung nachgereicht oder gestellt werden. Der Gesetzgeber räumt den Unternehmen auch die Möglichkeit ein, die Fragen „im Ermessen des Vorstands“ zu beantworten. Das heißt: Es kann dies begrenzen, wenn es etwa die Zeit erfordert.

    Klar ist: Es wird keinerlei Redebeiträge von Anteilseignern geben, was gerade im Fall Bayer ein interessanter Punkt ist. Denn die Reden der Aktionäre auf den Hauptversammlungen der vergangenen Jahre glichen einer permanenten Anklage. Im vorigen Jahr dauerte die Veranstaltung mehr als zwölf Stunden.

    Nach den Fondsmanagern und den Vertretern der Aktionärsvereinigungen kommen bei Bayer-Aktionärstreffen traditionell Kritiker ans Mikrofon: Imker, die den Konzern für das Sterben der Bienen verantwortlich machen, Umweltaktivisten, die den Einsatz von Pestiziden beklagen und Bayer als Grund für die Verarmung von Kleinbauern sehen, oder Ärzte, die angebliche Nebenwirkungen von Medikamenten brandmarken.

    Dieses stundenlange Wortgewitter werden Vorstand und Aufsichtsrat in diesem Jahr nicht aushalten müssen – ebenso werden die Proteste vor dem Hauptversammlungsgebäude fehlen, wo Kritiker schonmal Kartoffeldampfer auffuhren und die ankommenden Aktionäre mit Nebelschwaden einhüllten.

    Man werde aber alle Fragen weitestgehend beantworten, heißt es im Bayer-Konzern. Das fordern auch die Aktionärsschützer. „Wichtig ist, dass sich die Aktionärsrechte bei der Online-HV so nah wie möglich an einer Präsenzveranstaltung orientieren“, sagte DSW-Chef Tüngler. „Dazu gehört auch, dass Fragen gestellt werden können, Antworten umfänglich gegeben werden und auch die Abstimmung bis in die Hauptversammlung hinein möglich ist.“

    Mehr: Virtuelle Hauptversammlungen müssen eine Ausnahme bleiben. Ein Kommentar.

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