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Nutzfahrzeuge Daimler-Betriebsräte fürchten „Kahlschlag“ in der Lastwagensparte

Bei Daimler Trucks könnten einem Szenario zufolge bis 2035 die Hälfte der 30.000 Stellen in Deutschland wegfallen. Die Arbeitnehmer wollen kämpfen.
18.11.2020 - 17:21 Uhr 2 Kommentare
Die Betriebsräte sehen im Extremfall 15.000 Stellen in Deutschland bedroht. Quelle: Daimler AG
Lkw im Daimler-Werk Wörth

Die Betriebsräte sehen im Extremfall 15.000 Stellen in Deutschland bedroht.

(Foto: Daimler AG)

München Bei Daimler hängt der Haussegen schief. Der Wandel weg vom Verbrennungsmotor hin zu elektrischen Antrieben sorgt insbesondere an den beiden Standorten in Stuttgart-Untertürkheim und Berlin-Marienfeld für großen Unmut. Schließlich stehen allein hier mehr als 5000 Jobs zur Disposition.

Dass der Autobauer sich nun entschlossen hat, ab 2024 mit Großaktionär Geely im großen Stil Mercedes-Motoren in China zu fertigen und nur in kleinen Stückzahlen in Deutschland, macht die Arbeitnehmervertreter „fassungslos“. Aber nicht nur in der Pkw-Sparte rumort es, auch das Lkw-Geschäft steht vor einem radikalen Umbau.

In einem vierseitigen Flugblatt schlagen die Betriebsräte von Daimler Trucks Alarm: „Das Unternehmen rechnet/plant mit einem drastischen Personalabbau an unseren Standorten“, heißt es in dem Schreiben aus der vergangenen Woche, das dem Handelsblatt vorliegt. Hintergrund sind kürzlich gestartete Gespräche über die langfristige Perspektive der heimischen Lkw-Werke.

In den sogenannten Zielbild-Verhandlungen geht es um die Frage, wie die einzelnen Truck-Standorte in zehn oder 15 Jahren aussehen werden. Welche Antriebstechnologien spielen dann angesichts verschärfter Umweltvorgaben überhaupt noch eine Rolle? Und wie viel Personal wird noch benötigt, um die Elektrotrucks sowie die verbleibenden Diesel-Lkw zu produzieren?

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    Das Management habe mehrere Varianten im Auftaktgespräch der Verhandlungen vorgestellt, schreiben die Betriebsräte: „Ein Beschäftigungsszenario sieht gar eine Halbierung unserer heutigen Mannschaft vor“, warnen sie.

    Demnach sind bis 2035 bei Daimler Trucks im Extremfall 15.000 Stellen in Deutschland bedroht. Denn in Stuttgart, Wörth, Mannheim, Kassel und Gaggenau arbeiten aktuell rund 30.000 Beschäftigte für den weltgrößten Nutzfahrzeughersteller. Daimler wollte sich zu Firmeninterna nicht äußern.

    Die Truck-Betriebsräte betonen zwar, dass es unwahrscheinlich ist, dass dieses Szenario tatsächlich eintritt, weil Daimler in diesem Fall in der kommenden Dekade de facto gar nichts mehr in die deutschen Standorte investieren würde. „Aber es macht deutlich, dass dringendes Handeln notwendig ist“, konstatieren die Arbeitnehmervertreter und warnen unabhängig vom Szenario vor einem beschäftigungspolitischen „Kahlschlag“.

    Grafik

    Daimler Trucks will seine Flotte bis Ende 2039 in Europa, Japan und Nordamerika komplett klimaneutral stellen. Um das zu bewerkstelligen, entwickelt der Konzern für kürzere Distanzen Batterie-Lastwagen. Für den Fernverkehr schwört Daimler dagegen auf den Brennstoffzellenantrieb. Die Stuttgarter stellen ab Mitte der Dekade Wasserstoff-Sattelschlepper mit einer Reichweite von 1000 Kilometern in Aussicht.

    Das Problem dabei: Elektrotrucks benötigen deutlich weniger Personal in der Entwicklung und Herstellung als die heute dominanten Diesel-Lastwagen. Die Betriebsräte warnen freilich davor, den Selbstzünder frühzeitig zu verteufeln und kritisieren, dass Daimler sich weigere, in die bestehenden Fertigungen zu investieren und verstärkt Komponenten von Dritten beziehen wolle.

    „Wir sind keine Bittsteller“

    Zwar sei das Management bereit, als Ausgleich über neue Produkte bei alternativen Antrieben zu diskutieren. „Diese würden aber aus heutiger Sicht nur einen kleinen Teil des Beschäftigungsrückgangs auffangen“, schreiben die Betriebsräte. Sie fordern, geplante Fremdvergaben zu stoppen und in eine umfassende Fertigungstiefe bei neuen Antrieben zu investieren.

    „Wir werden für unsere Forderungen streiten“, betonen die Arbeiterführer: „Wir sind keine Bittsteller, die auf Almosen des Unternehmens angewiesen sind. Wir haben Daimler zu dem gemacht, was es heute ist“.

    Mehr: Geheimprojekt „Horus“: Chinesen bauen künftig im großen Stil Mercedes-Motoren

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    2 Kommentare zu "Nutzfahrzeuge: Daimler-Betriebsräte fürchten „Kahlschlag“ in der Lastwagensparte"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Daimler reagiert einfach auf die politisch-motivierten Klimaschutzvorgaben von EU und Bundesregierung.
      Das sind die Auswirkungen einer schlankeren Produktion der einseitig geförderten Elektro-Mobilität.

      Wenn der Vorstand darauf nicht reagieren würde machten sie ihren Job nicht professionell. Dafür werden sie aber gut bezahlt.
      Diese Ergebnisse und Auswirklungen sind doch nicht neu.
      Die Reduzierung der Gesamtbelegschaft kommt der Demografischen Zukunftsperspektive entgegen, es wird also nicht so schlimm.

    • Folgt nun der Daimler "Kahlschlag" in denNutzfahrzeugwerke?

      Der Daimler Kurs steigt, der DAX fällt heute nachmittag. Also muss was dran sein, was SWR 3 heute
      berichtet. Es droht ein harter Personalabbau in den Truck-Werken Wörth + Gaggenau laut einem
      Positionspapier, das dort vorliegt und dem Handelsblatt wahrscheinlich gestern schon vorgelegen ist.

      Ola Källenius schockt mit einer Hammer-Aussage: "Daimler soll kleiner werden" (echo 24) bereits am 17.11., die F.A.Z schockt die Unterürkheimer Betriebssräte mit der Meldung: "Gemeinsam mit Geely:
      Mercedes entwickelt einen kleinen Weltmotor und leitet dann über im Bericht "Dicke Luft in Stuttgart-
      Untertürkheim; ein wahres Verwirrspiel des Daimler Managements mit den Betriebsräten der

      Truck und Pkw-Werke unter der "musikalischen Leitung" von Michael Brecht,dem Gesamtbetriebsratsvor-
      sitzenden und AR-Vize. Seine Kolleginnen und Kollegen scheinen tagtäglich "in April" geschickt zu werden;
      sie können einem leid tun: Sie rennen wie der Hase gegen den Igel vergeblich an, die Mitarbeiter zu be-
      ruhigen.

      Ihnen werden die großen Potentiale China's um die Ohren gehauen gemixt mit Skaleneffekte und diese wie zu Edzard Reuter's und Jürgen Schrempps Zeiten- gepaart mit Innovationen, Effizienzen und leeren Ver-
      sprechungen...doch dieses Mal geht es darum, den Konzern nun mit "Cash-Flow-Daten" in
      bessere Zeiten der Elektromobilität zu führen; damals den Konzern nahezu an die Wand zu fahren mit der
      Hochzeit im Himmel, die bald in die Brüche ging.

      Ja, wie wird alles enden? Der Präsident desk RKI, Prof.Dr.Lothar H.Wieler heute zur Pandemielage
      in Deutschland: : "Die Lage ist ernst in Deutschland!"." Dies paßt deckungsgleich auch auf die deutsche
      Automobilindustrie mit den Leuchttürmen VW + Daimler. Beide sind froh, dass China "alles im Griff hat"
      und besonders die Dynamik in der Entwickklung der chinesischen Autoindustrie fasziniert sie

      "Der Mohr hat seine Schuldigkeit getan" , gilt für viele Mitarbeiter auch von Daimler

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