Ölheizung und Ölpreisverfall Das Comeback des Schmuddelkinds

Totgesagte leben länger – auch im Heizungskeller: Die Deutschen lassen sich wieder öfter eine Ölheizung einbauen. Für eine sprunghaft steigende Nachfrage sorgt der fallende Ölpreis. Auch am Morgen ging es wieder abwärts.
Update: 15.02.2016 - 17:27 Uhr 19 Kommentare
Der niedrige Ölpreis ermöglicht das Comeback des lange verschmähten Energieträgers. Quelle: imago stock&people
Ölheizungen kehren zurück

Der niedrige Ölpreis ermöglicht das Comeback des lange verschmähten Energieträgers.

(Foto: imago stock&people)

DüsseldorfSie galt jahrzehntelang als Schmuddelkind im Heizungskeller: Nach dem Hoch in den 1960er- und Anfang der 70er-Jahre des vorigen Jahrhunderts rümpften Hausbesitzer über ihre Ölheizung verächtlich die Nase. Im Keller roch es schon mal unangenehm, und mancher ärgerte sich schwarz über die Jahr für Jahr steigenden Rechnungen, die er an seinen Brennstoff-Händler überweisen musste. Eine moderne Gasheizung mit Brennwerttechnik galt dagegen als letzter Chic, gern kombiniert mit ökologisch einwandfreien neuen Energieträgern wie Biomassekessel, Wärmepumpe oder Solarthermie.

Doch Totgesagte leben manchmal länger – auch im Heizungskeller. Nach bislang noch nicht veröffentlichten Zahlen des Bundesverbandes der deutschen Heizungsindustrie haben Ölheizungen in den vergangenen Monaten quasi eine Wiedergeburt erlebt. Die Zahl der verbauten Anlagen legte im vergangenen Jahr um immerhin 30 Prozent auf rund 60.000 Stück zu. Das sind bei knapp 700.000 Heizungsanlagen neu verbauten in Deutschland, die für warmes Wasser und Wärme im Haus sorgen, zwar nur knapp zehn Prozent, markiert aber eine eindeutige Trendwende.

„Jahrelang ist der Bestand an Ölheizungen immer weiter geschrumpft“, heißt es beim Verband. „Der Energieträger Öl war in Misskredit geraten.“ Aber mit dem Verfall der Ölpreise änderte sich plötzlich auch die Sichtweise der Käufer: Ab dem dritten Quartal 2014 stieg die Nachfrage sprunghaft an. So haben sich die Kosten für 100 Liter Heizöl seit Anfang 2014 bis heute auf unter 40 Euro mehr als halbiert – für manchen Hausbesitzer ein schlagkräftiges Argument. Vor allem, wenn er mit spitzem Bleistift rechnen muss. Auch an diesem Morgen ist Rohöl wieder etwas billiger geworden: In New York fiel der Preis für das Fass (159 Liter) um 0,5 Prozent, in London um 0,2 Prozent. Das Barrel Rohöl kostet jetzt rund 30 US-Dollar.

Dass die deutschen Heizungskäufer im Zweifel doch lieber ihrem Portemonnaie als dem ökologischen Gewissen folgen, zeigt auch eine andere Entwicklung: So geht der Einsatz Erneuerbarer Energien in der Haustechnik seit ihrem Höhepunkt im Jahr 2008 kontinuierlich zurück. Wurden damals noch 45 Prozent aller Heizungsanlagen mit Wärmepumpen, Solarthermie oder Biomasse wie Holzpellets und Hackschnitzel ausgerüstet, waren es 2015 nur knapp 20 Prozent.

Pellets kaum noch gefragt
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19 Kommentare zu "Ölheizung und Ölpreisverfall: Das Comeback des Schmuddelkinds"

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  • Ich persönlich finde das viel zu viel geheizt wird.
    Eine kühlere Wohnung ist doch viel besser. Da ist man nicht müde und der Kühlschrank verbraucht auch nicht so viel Strom.

  • Heizöl/Gas war und ist eine ökologische Heizung, wenn mit bester Technik verbaut wird.
    Das wenige erzeugte CO2 wird von den Wäldern benötigt als Lebenselexier.
    Holz (Wald) zu verheizen, ist m.E. ökologischer Schwachsinn. Die Ausreden 0 kg CO2 Erzeugung ist ein Trugschluß inclusive "mehr Wald wächst nach", als verheizt wird!
    Der Raubbau an den Wäldern ist mittlerweile auf der ganzen Welt sichtbar z.B. Rumänien, Österreich u.s.w.
    Wenn der letzte Baum verheizt ist, dann werden wohl einige aufwachen.
    Fernwärme aus Holz, wie vielfach in Österreich (neu in Klagenfurt) vorhanden, ist Umweltvernichtung in höchstem Maße.
    Dazu kommt, das mit Öl und Gas ein komfortables Heizsystem genutzt wird, wo die Ausfälle fast nicht vorhanden sind im Gegensatz zu den Holzheizungen.
    Meine Lösung war schon vor 10 Jahren Niedertemperaturkessel/ Solar-WW: 200m² WF mit ca. 1200l incl. WW pro Jahr.
    Kosten zwischen 600 und 1200€/Jahr je nach aktuellem Ölpreis.

  • @Herr Dürre

    Ich frage mich allen Ernstes, wann man endlich begreifen wird, dass ein "Börsenkurs" (!!) unaussagekräftig ist, der dadurch entsteht, dass das gehandelte Gut vorher mit dem zehnfachen Betrag zwangsweise vom deutschen Stromkunden bezahlt wurde. Und das die ins System gepressten "erneuerbaren" KWh aus Wind und Sonne genauso wenig eine Obergrenze kennen, wie die Neubürgerpolitik von Merkel.

  • Öl kostet also 3,82 Cent pro Kilowattstunde.
    Zum Vergleich: Fertiger Strom an der Strombörse EEX wird heute für 2017 mit 2,125 Cent pro Kilowattstunde (+MwSt.) gehandelt aber die hohen Umlagen und Belastungen für Privatkunden liegen auf dem Strom, so dass die Dinosauriersuppe weiter importiert werden muss.

  • Wenn TTIP erst durch ist, befinden sich wohl etliche deutsche Wasserwerke eher in privater US-Hand.

  • Wasserwerke sind zumeist in öffentlicher Hand. Ein Eingriff seitens des Staates also unerwünscht.

  • Dann sollte sich die EU damit beeilen, damit sie ein schlagendes Argument für deren Fortbestand in der tasche hat (Systemrelevanz).Der Vorgang zeigt nur, wie abgehoben und volksfern diese nutzlosen Bürokraten in Brüssel agieren. Die Briten werden sich bestimmt auf die Vorgaben von Juncker freuen und dies in ihrem Volksentscheid berücksichtigen.

  • Ich denke das ab einem bestimmten Preis "Biodiesel" zum Einsatz kommt. Eigentlich passen sich die Energiepreise ziemlich aneinander an. Viele Grossbauten sind mit mindestens 2 Heizsystemen ausgerüstet und wirken dadurch preisregulierend.

  • Auch hier wird m.E. in erster Linie Lobbypolitik betrieben. Anfällige Geräte müssen öfter gewartet werden. Das bringt zwar der Umwelt nicht viel, den Betrieben aber Folgeaufträge.

    Ein anderes besispiel. Bei einem Mietobjekt von mir, mussten bereits im vorletzten Jahr die Wasserzähler von Ringkolben-Zählern auf Flügelradwasserzähler umgerüstet werden. Obwohl sich an der Miterstruktur und dem Verbrauch des Hauses seit jahren nicht viel getan hat, ist der Verbrauch auf einmal um mehr als 10% gestiegen (und die Mwst. darauf auch).

    Das Problem mit der Messungenauigkeit der Flügelradzähler ist bekannt, wird aber von der Politik ignoriert-

  • Das kann ich voll bestätigen. In meinem Fall braucht die Heizung für ein Haus in einem Mittelgebirge sogar gut 10% mehr, gegenüber einer Heizung von 1983! Der Hintergrund ist die sehr geringe Vorlauftemperatur. Hierdurch entfällt die behagliche Wärmestrahlung und es verbleibt die Konvektion. Hierdurch musste die Raumtemperatur erhöht werden und der Verbrauch stieg an.
    Die Wartung ist wirklich unangenehm bei den Brennwertkesseln. Am Anfang hatte ich mehrere Ausfälle. Der Hersteller (Wolf) war ratlos und recht unfreundlich. Der Installateur wusste gar nichts, da er sein Geld schon bekommen hatte. Also habe ich mich selbst an die Fehlersuche gemacht. Es wurden billige Steckverbinder und Zündkerzenstecker verbaut. Diese gasten aus und hinterliessen einen Film der Kriechströme verursachte. Alles perfekt gereinigt und zusammengesetzt, jetzt läuft sie.
    Insgesamt ein enttäuschendes Ergebnis.

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