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Ola Källenius

Zetsches Nachfolger muss die Elektrooffensive zum Erfolg führen.

(Foto: AFP)

Ola Källenius übernimmt 2019 Was Zetsches Nachfolger gelingen muss, damit Daimler nicht zurückfällt

Unter Dieter Zetsche ist Daimler wieder Weltmarktführer geworden. Doch auf seinen Nachfolger warten im kommenden Jahr zahlreiche Herausforderungen.
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Frankfurt, Düsseldorf, MünchenDieter Zetsche hat sich über seine weitere Karriere schon früh Gedanken gemacht. Bereits im Frühjahr 2014 hat er zusammen mit Daimler-Aufsichtsratschef Manfred Bischoff seine Nachfolge an der Spitze des Autokonzerns besprochen – und zugleich versucht, seine eigene Zukunft zu klären.

Die Wunschvorstellung: Ola Källenius, der damals aufstrebende Mercedes-Vertriebschef, solle rasch in den Vorstand aufrücken und zum Zetsche-Nachfolger aufgebaut werden. Anschließend könne Zetsche Manfred Bischoff als Chefkontrolleur ablösen.

Am Mittwoch setzte der Aufsichtsrat den Masterplan um. Zur Hauptversammlung 2019 soll der heutige Entwicklungsvorstand Källenius Zetsche beerben, sechs Monate früher als bislang gedacht. Källenius wird wie Zetsche die volle Machtfülle erhalten und sowohl Chef der Autotochter Mercedes als auch des gesamten Daimler-Konzerns. Für Zetsche selbst steht 2021, nach der gesetzlich vorgeschriebenen Wartezeit, der Weg in den Aufsichtsrat offen. Dort könnte er bis mindestens 2026 Chefkontrolleur bleiben.

Schon der Beginn von Zetsches Arbeitswoche hatte gezeigt, wie sehr sich die Großwetterlage für Deutschlands Vorzeigebranche gewandelt hat. Bereits für Sonntagnachmittag war der Daimler-Chef mit seinen Vorstandskollegen von BMW und Volkswagen bei Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) zu einem Dieselgipfel einbestellt. Dort präsentierte Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) den Autobossen seine Pläne für eine Bereinigung der Abgaskrise.

Für Zetsche und die Chefs von VW und BMW bedeutet der Scheuer-Plan zusätzliche Ausgaben für Rückkäufe älterer Diesel und Nachrüstungen. Die dürften sich im Milliardenbereich bewegen.

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Der Abgasskandal und der millionenfache Rückruf von Dieselfahrzeugen haben das Image der Branche ramponiert. Wegen der Rückrufe und eines schwächer werdenden Wachstums in China hatte BMW zum Wochenauftakt seine Prognose für 2018 gesenkt.

Die Dieselkrise belastet auch Zetsches Bilanz. Hinzu kommen der Handelsstreit mit den USA und Probleme bei der Umstellung auf das neue Zulassungsverfahren WLTP. Und so musste Zetsche im Juni zum ersten Mal nach 63 Monaten einen Rückgang beim Mercedes-Absatz verkünden. Eine Erholung dürfte es frühestens im Oktober geben.

Nachfolgeplanung wurde im Frühjahr 2014 getroffen

So gesehen stand das Treffen der Aufsichtsräte am Mittwoch unter keinem guten Stern. Daimler kann sich der Krise nicht entziehen – dennoch sollten die 20 Kontrolleure unter Leitung von Manfred Bischoff die Weichen für die Zukunft stellen. Das Votum des Gremiums für Källenius sei einstimmig gewesen, hieß es in Konzernkreisen. In den Reihen des Managements wird die Entscheidung als Schlappe für Finanzvorstand Bodo Uebber gewertet. Der soll selbst Hoffnungen auf den Vorstandsvorsitz gehegt haben.

Der vorzeitige Wechsel an der Spitze an sich ist nicht verwunderlich. Källenius stach schon 2014 unter den Nachfolgekandidaten heraus, wie Zetsche im kleinen Kreis von Vertrauten gesagt hatte. Der Schwede arbeitet seit Jahrzehnten bei Daimler – und er wurde gezielt auf die Leitung des größten Herstellers von Premiumautos vorbereitet.

Nachdem er die Tuning-Tochter AMG geleitet hatte, machte ihn Zetsche erst zum Vertriebsvorstand und vertraute ihm dann das wichtige Entwicklungsressort an. Källenius bringe zudem eine wertvolle internationale Perspektive in das Unternehmen ein, erklärte Zetsche nach der Aufsichtsratssitzung.

Källenius machte Karriere und mit ihm Markus Schäfer, ebenfalls eines der von Zetsche und Bischoff auserkorenen Talente. Der Bereichsvorstand der Marke Mercedes erbt Källenius’ Posten als Entwicklungsvorstand für den Gesamtkonzern.

Die Arbeitnehmer unterstützen den Personalumbau: „Wir stellen einerseits den Vorstand der Daimler AG jünger auf und geben damit neue Impulse“, sagte Betriebsratschef Michael Brecht. Andererseits werde mit der Empfehlung für die Wahl von Zetsche in den Aufsichtsrat die Zusammenarbeit mit ihm fortgesetzt.

Die Rückendeckung ist nicht selbstverständlich. Noch im Frühjahr des Jahres 2015 hatte der Betriebsrat eine Ablösung von Zetsche als Daimler-Chef betrieben. Nur dank der Rückendeckung von Bischoff konnte er auf dem Posten verbleiben – allerdings mit der Einschränkung, dass sein Vertrag nur um drei und nicht um fünf Jahre verlängert wurde.

Die Krise ist zurück bei Daimler

Neben seinem etwas ruppigen Umgang mit dem Betriebsrat stießen sich die Arbeitnehmervertreter am Kurs des Unternehmens. Daimler war im Frühjahr 2013 kein strahlender Stern. Die Edelmarke lag beim Absatz abgeschlagen hinter BMW und Audi; das Selbstbewusstsein der Schwaben war arg lädiert. Seit der Vertragsverlängerung ging es mit den Verkäufen nur noch nach oben. Dank einer runderneuerten Modellpalette überholte Daimler erst die VW-Tochter Audi und dann BMW.

Der Schwede arbeitet bereits seit Jahrzehnten bei Daimler und wurde gezielt für die Leitung des Herstellers vorbereitet. Quelle: AFP
Ola Källenius

Der Schwede arbeitet bereits seit Jahrzehnten bei Daimler und wurde gezielt für die Leitung des Herstellers vorbereitet.

(Foto: AFP)

Zetsche hatte es seinen Kritikern einmal mehr gezeigt. Daimler ist nun unangefochten an der Weltmarktspitze; der Stern strahlt. Zumindest bis zum Sommer dieses Jahres. Seitdem ist die Krise im Hause Daimler zurück.

Im Juni schockte der Konzern seine Anleger mit der ersten Gewinnwarnung seit sechs Jahren. Daimler begründete das mit dem Handelsstreit zwischen den USA und China. Für die sportlichen Geländewagen, die der Mercedes-Hersteller im US-Bundesstaat Alabama produziert und zu Zehntausenden jährlich ins Reich der Mitte verschifft, werden neuerdings Einfuhrzölle von fast 40 Prozent fällig. Für Zetsche ein „Schlamassel“, muss doch er einen Teil der Kosten in seine Bilanz nehmen.

Es sind aber nicht nur externe Faktoren, die den Stuttgartern zusetzen. Die Umstellung auf den neuen, strengeren Zulassungsstandard WLTP hat der Konzern unterschätzt. Nicht zuletzt deswegen kämpft der Konzern seit drei Monaten mit seiner Kernmarke im Pkw-Segment mit Absatzproblemen.

Und mit dem Geely-Eigentümer Li Shufu hat Daimler seit Februar einen Großaktionär, der womöglich auch strategischen Einfluss nehmen will. Am Tag vor der Aufsichtsratssitzung hatte ein Geely-Vertreter in Frankfurt beteuert, dass der Großinvestor das Management von Daimler auch künftig unterstützen werde.

Källenius übernimmt den Konzern in einer unruhigen Phase. Angesichts der Schwierigkeiten in Europa und eines schwächeren Wachstums in China hält Jürgen Pieper, Analyst beim Bankhaus Metzler, eine weitere Gewinnwarnung für denkbar.

Die Lage könnte sich 2019 – dem Jahr des Wechsels – noch einmal verschärfen. Denn die Elektrooffensive von Daimler kommt nicht richtig in Fahrt. Zwar verkündete Daimler-Chef Zetsche jüngst den Aufbruch in eine neue Ära. Nach 132 Jahren feierte Daimler in Stockholm die Weltpremiere des ersten vollelektrischen SUVs der Marke Mercedes.

Mit dem Modell „EQC“ will Daimler den US-Angreifer Tesla deklassieren. Kaufen können die Kunden den Stromer aber erst ab Mitte kommenden Jahres, vielleicht auch erst zum Jahresende. Daimler kämpft mit Engpässen bei Batteriezellen. BMW und auch Audi werden nun an Daimler vorbeiziehen.

Dass dies möglich ist, dafür tragen auch Zetsche und sein Entwicklungsvorstand Källenius die Verantwortung. Zu spät hat sich das Führungsgespann auf die neue Zeit vorbereitet. Wenn Källenius nun den Ernst der Lage zu spüren bekommt, dann kann er nicht die Schuld seinem Vorgänger zuschieben.

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