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Olivenölherstellung „Wie im Kokainhandel“

Panschen, Mischen, Täuschen - in vielen Olivenölen steckt nicht das, was dem Verbraucher versprochen wird. Viele Öle können sogar gesundheitsschädigend sein. Wie es dazu kommen konnte und wie man gutes Olivenöl findet.
42 Kommentare
Wegen seiner Vielfältigkeit manchmal mit Wein verglichen: 150 Olivensorten sind bekannt. Quelle: gms

Wegen seiner Vielfältigkeit manchmal mit Wein verglichen: 150 Olivensorten sind bekannt.

(Foto: gms)

Düsseldorf31 Flaschen natives Olivenöl extra - ein laut EU-Verordnung besonders hochwertiges Olivenöl - hat Andreas März gekauft und untersuchen lassen. Der selbstständige Hersteller wollte wissen, was den Verbrauchern wirklich vorgesetzt wird. Die Befürchtungen des in Italien lebenden Deutschen wurden weit übertroffen: Nur eine der von unabhängigen Experten untersuchten Flaschen enthielt tatsächlich natives Öl extra. Neun der 31 untersuchten Öle – darunter auch Marken wie Bertolli, Carapelli oder Rubino – wurden gar als Lampantöl klassifiziert und waren damit nach der Gesetzeslage für den menschlichen Verzehr ungeeignet. Die Stichprobe entspricht der Schätzung von anderen Experten, die davon ausgehen, dass 98 Prozent des verkauften Olivenöls mit dem Prädikat „nativ extra“ in Wirklichkeit kein erstklassiges Produkt ist.

Der renommierte Journalist Tom Mueller hat nach jahrelangen, intensiven Recherchen aufgedeckt, wie es zu diesen Zuständen in einer Branche kommen kann. Mueller schreibt für Top-Zeitungen in seiner Heimat USA, lebt aber seit zwei Jahrzehnten in der Mittelmeerregion und hat nun sein Buch „Extra Vergine – die erhabene und skandalöse Welt des Olivenöls“ veröffentlicht. Seine Emotionen kann der erfahrene Journalist dabei gut verheimlichen. Das und die enorme Vielfalt der Quellen machen das Buch glaubwürdig.

Die Leidtragenden der Entwicklung hin zu qualitativ immer schlechter, aber eben auch billiger werdenden Ölen sind unter anderem kleine Premiumanbieter wie Andreas März. Der kann von seinem Abverkauf kaum mehr leben. Doch die Lobby rund um das Olivenöl hat laut Thomas Mueller kein Interesse daran, die Entwicklung zu ändern. „Die Manager der Industrie wissen, was eine Differenzierung des Ölangebotes für sie bedeuten würde. Wenn man dem Verbraucher die freie Wahl zwischen Masse und Klasse ermöglicht, könnte das eine Bedrohung für die Umsätze darstellen“, schreibt Mueller in dem zurückhaltenden Stil, der das gesamte Buch durchzieht. Und so versuchen die Unternehmen, ihre Kritiker einzuschüchtern. Die Fachleute, die die 31 Flaschen Olivenöl untersucht haben, wurden mit Straf- und Zivilprozessen überzogen. Natürlich, möchte man sagen, bekamen sie recht. Aber dennoch schreckt so eine juristische Tortur massiv ab.

Die wesentlichen Verbrechen der Industrie
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42 Kommentare zu "Olivenölherstellung : „Wie im Kokainhandel“"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • Die Firma Fratelli Carli kenne ich nicht nur, ich bin überzeugter Kunde. Das "Extra Virgin Olive Oil Delicato" ist ein Olivenöl der unteren Mittelklasse. Natürlich kann man es nicht mit einem Öl von Frantoi Cutrera vergleichen, aber dafür liegt der Literpreis auch mit gut 13 Euro deutlich günstiger als bei den Spitzenprodukten, die kaum für weniger als 25 Euro pro Liter zu erhalten sind. Qualitätsmäßig schlagen die Olivenöle von Fratelli Carli die beim Discounter angebotenen "Olivenöle" aber um Längen. Die meisten Kunden in Deutschland achten leider bei Lebensmitteln mehr auf den Preis als auf die Qualität. Beim Ölwechsel für das Auto zahlt man dann schon eher mal den Mehrpreis für qualitativ hochwertige Öle. Ein halbwegs akzeptables Olivenöl ist aber nun mal nicht für 5 Euro pro Liter, dass dürften etwa die Discounterpreise sein, herzustellen. Ob die Zertifikate selbst hergestellt sind, ist für mich zweitrangig. Entscheidend ist der Geschmack und die Bekömmlichkeit der Produkte. Und da finde ich bietet Fratelli Carli ein gutes Preis/ Leistungsverhältnis.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

  • Was für ein Artikel.
    Es wohl eher auf den amerikansichen Markt zugeschnitten, denn was soll man mit Kaufadressen in Pasadena und aufdem sonstigen amerikanischen Kontinent hier anfangen?!

    Auch die Zertifizerungsstellen sind alle aus den USA oderAustralien. Gibt es in Europe denn niemanden, der dies Öl qualitativ prüft?

  • @gutmenschensucks: Ja, das mit dem eigenen Gärtchen ist wahr und ein super Tipp. Seit diesem Jahr haben wir endlich auch eins. Die in den Medien viel gescholtenen Griechen sind uns da übrigens voraus. Bedingt durch die Krise ziehen Sie wieder in Ihre Heimatdörfer (Stadtflucht). Da gibts ein Dach über dem Kopf und ein Stück Land auf dem man Gemüse anbauen und Hühnchen halten kann. Und die Menschen, die das machen und den Bezug zur Natur haben, sind erstaunlich glücklich. So wie die inzwischen 85jährige Eleni, über die ich in einem Blogbeitrag geschrieben habe: http://www.lakonikos.de/blog/erhaben-wie-ein-olivenbaum-eleni/
    Beste Grüße
    Joachim Trott

  • Auch ich war überrascht, den die Inhalte waren im Zeitraum 2005 - 2007 für mich ein wesentlicher Antrieb die Vision eines griechischen Bauern und Freundes mit ihm gemeinsam umzusetzen: Ein Online-Shop, der wahrhaft-natives Olivenöl extra direkt von der besten Ölmühle in Griechenland in die Küchen der Verbraucher bringt. Seit 2008 ist diese Vision unter http://www.lakonikos.de nun Wirklichkeit.
    Auch wenn die Daten und Fakten schon länger existieren. Sie sind so aktuell wie damals. Von daher begrüße ich den Artikel ausdrücklich und bedanke mich bei Herrn Giersch für die Veröffentlichung.
    Was mich verwundert ist die Tatsache, dass unter "Wahl anderer Anbieter" amerikanische Online-Shops genannt werden. Warum keine deutschen Online-Shops, bei denen mit DHL das Olivenöl auch morgen an der Haustür ist?

  • Korrektur zum vorletzten Kommentar: ist nicht als "Leserbetrug" sondern "als Antiquitätenschändung" zu bewerten.
    Scusi ...

  • Tom Mueller verweist auf seiner Webseite auf diesen Artikel hinsichtlich des letzten Skandals (Ende August 2012) in Italien
    http://www.teatronaturale.com/article/3727.html

  • Dieser Artikel ist fast schon als Leserbetrug zu bewerten. Denn es bezieht sich auf einen Test von 31 Ölen (aus deutschen Supermärkten ?), der von Andreas März im Jahr 2004 (ich wiederhole: ZweitausendundVIER!!!) veranlasst wurde.
    Mag Tom Müllers Buch auch jünger sein,es ist immer noch ein Buch das auch seine (und Herrn März's) Interessen vertritt ...
    Zumal Tom Müller nicht umhin kann als zuzugeben, dass es auch in Supermarket-Ketten es erstklassige Olivenöle gibt, zumindest in den USA.
    Dass es sich mit dem Öl genau so verhält wie mit Wein oder Lederschuhe, müsste jedem seit langem bekannt sein: billiger als der Rohstoff und die Herstellungskosten können sie nicht zum Verkauf angeboten werden. Kosten ein "extra vergine" 2,99 oder die Schuhe 19,90 dann erwarte ich weder Jungfreulichkeit, noch Leder ...

  • "Daß fast alle Olivenöle minderwertig sind, weiß man schon seit Jahren."

    Gerade die griechischen machen da eine Ausnahme. Das weiss man auch :-)

  • Vor über zehn Jahren machte ich Urlaub auf einer schönen griechischen Insel. Seither beziehe ich mein Öl einer dortigen Genossenschaft meist direkt, manchmal über griechische Zwischenhändler hier in Deutschland. Die Qualität ist hervorragend, und das Geld geht im Wesentlichen an die, die die Arbeit machen!
    Dieser Weg steht allen offen, man findet im Netz so manches! Preislich muß es beim direkten Weg nicht teuer sein, wenn gleich 4€ nicht zu machen sind.

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