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Oliver Zipse Ein Gentleman und Konterrevolutionär: Das ist der neue BMW-Chef

Oliver Zipse wird neuer Chef des Autobauers. Der Produktionsvorstand ist bereits eine Art Außenminister von BMW. Auf ihn warten gewaltige Aufgaben.
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Oliver Zipse: Das ist der neue BMW-Chef Quelle: Bloomberg
Oliver Zipse

Der 55-Jährige war seit Wochen der Favorit für den Chefposten bei BMW.

(Foto: Bloomberg)

München Die Sonne Mexikos brennt, doch Oliver Zipse bleibt cool. Als der Produktionsvorstand im Juni im fernen San Luis Potosi das 30. Werk des Münchener Autobauers eröffnet, da poltert wieder einmal Donald Trump. Saftige Zölle würden fällig, wenn BMW aus Mexiko Autos in die USA liefern wolle.

Viel Eindruck macht der US-Präsident damit bei Zipse nicht. Es sei ja fast schon Normalität, mit Handelsrestriktionen umzugehen, lässt er die mitgereisten Journalisten wissen. Fast alle Länder der Welt erheben „irgendwelche Importzölle“, sagt Zipse, und „trotzdem verkaufen wir 2,5 Millionen Autos im Jahr“.

Auftritte wie diese sind typisch für Oliver Zipse. Der Produktionsvorstand ist seit Monaten eine Art Außenminister für den Münchener Autokonzern, polyglott, weltgewandt und souverän im Auftritt. Seit Donnerstagabend ist er nun ganz offiziell das neue Gesicht von BMW.

In seiner Sitzung im Werk Spartanburg hat der Aufsichtsrat Zipse zum Nachfolger von Harald Krüger ernannt. Dieser hatte Anfang Juli erklärt, seinen im Mai 2020 auslaufenden Vertrag nicht verlängern zu wollen. Zipse soll Krügers Job bereits zum 16. August antreten.

Der 55-Jährige war seit Wochen der Favorit für den Chefposten bei BMW. Alternativ hatten die Aufseher um Aufsichtsratschef Norbert Reithofer auch die Berufung von Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich erwogen – sich aber doch für den moderateren Kandidaten entschieden. Sowohl Arbeitnehmer als auch die Großaktionäre der Familie Quandt haben sich für Zipse ausgesprochen, hieß es im Umfeld des Aufsichtsrats.

Tatsächlich passt der Diplom-Ingenieur perfekt in das Anforderungsbild der Quandts. Oliver Zipse hat das Auftreten eines Gentlemans: Das blonde Haar ist stets akkurat gescheitelt, die Krawatte perfekt geknotet. In Freizeitkleidung oder gar Turnschuhen hat man ihn bislang nicht gesehen.

Im Gegensatz zu seinem Vorgänger Harald Krüger liebt er die Bühne, spricht akzentfrei Englisch. Ebenso wie sein ein Jahr älterer Bruder studierte er Anfang der 1980er-Jahre an der University of Utah. Auch Hendrik Zipse hat es weit gebracht: Als Professor für physikalisch organische Chemie an der LMU München genießt er höchste akademische Weihen.

Heikle Kehrtwende

Oliver Zipse studierte Mathematik und Informatik, legte anschließend ein Diplom im Maschinenbau nach. Fast zeitgleich mit seinem Vorgänger Harald Krüger trat er 1991 als Trainee in den BMW-Konzern ein und machte in der technischen Planung Karriere. Er knüpft Bande in das mächtigste Netzwerk des Unternehmens, den Zirkel der Produktionsplaner rund um Joachim Milberg und den aufstrebenden Star Norbert Reithofer.

Zipse übernimmt eine Führungsfunktion in der BMW-Fabrik in Südafrika und leitet die Mini-Produktion in Oxford. Doch während der jüngere Rivale Krüger bereits 2008 als Personalvorstand in die oberste Führungsebene aufsteigt, muss sich Zipse vorerst mit der Konzernplanung und Produktstrategie begnügen. Erst 2015, mit dem Wechsel Krügers auf den Chefposten, übernimmt er das Produktionsressort.

Dort stehen die Weichen zunächst auf Wachstum: Angefeuert von den starken Verkäufen in Übersee bauen Krüger und Zipse die Werke in den USA und China kräftig aus. Doch gleichzeitig muss er eine heikle Kehrtwende einleiten, die vom heutigen Aufsichtsratschef Norbert Reithofer ausgerufene „Revolution im Autobau“.

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Denn das seit 2013 im Werk Leipzig aus Kohlefaser gefertigte Elektroauto „i3“ erweist sich als teures Abenteuer für BMW. Stückzahlen und Kosten kommen nicht ins Lot, das Werk hat kaum Synergien mit den restlichen Standorten. „Der i3 mit seiner eigenen Produktionsstruktur war zu seiner Zeit die richtige Entscheidung“, erläuterte Zipse im Frühjahr 2018.

Die Führungsriege um Krüger entwickelt einen Alternativplan: Statt weiter Kohlefaser-Autos zu entwickeln, sollen ab 2021 alle BMW-Modelle mit allen Antrieben ausgestattet werden: Verbrenner, Hybrid, Elektro. Zipse bekommt den Auftrag, alle großen Produktionswerke in Europa, den USA und China auf die flexible Produktion auszurichten.

„Wenn man das intelligent macht, dann braucht man keine separaten Strukturen“, erläutert Zipse auf dem Handelsblatt Autogipfel im Dezember. Es ist die vornehme Umschreibung der Konterrevolution.

Doch Reithofer nimmt seinem Produktionsvorstand die Kehrtwende nicht übel. Dafür gerät Vorstandschef Harald Krüger immer mehr in die Kritik. Die Modelloffensive kommt nicht recht in Gang, die Margen erodieren, Tesla stellt die Münchener mit dem Model 3 bloß.

Zipse geht gemeinsam mit Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich auf Distanz zu Krüger – um den es Anfang 2019 immer einsamer wird. Seit dem Abgang von Einkaufschef Markus Duesmann vor exakt einem Jahr wusste er um seine Favoritenrolle, sollte Krüger straucheln.

Zipse werde schnell die Zügel in die Hand nehmen, heißt es im Unternehmen. Er soll nun gemeinsam mit Fröhlich die Neuausrichtung von BMW vornehmen. Schon zur IAA im September werde er als Vorstandschef auf der Bühne stehen, Ende September mit dem Aufsichtsrat über eine neue Strategie beraten. Eine Schonfrist gibt es nicht.

Mehr: Konzernchef Harald Krüger geht erhobenen Hauptes. Der Umbau, den der Manager BMW verordnet hat, ist in weiten Teilen noch Stückwerk, kommentiert Markus Fasse.

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