Oliver Zipse im Interview „Wir befinden uns in einer Produktoffensive“ – BMW-Vorstand erklärt den Deal mit Brillance

Der Produktionsvorstand erklärt, warum die Mehrheit am Joint-Venture so wichtig ist und warum er sich nicht vor Cyberangriffen in China fürchtet.
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BMW-Vorstand Zipse: „Wir befinden uns in einer Produktoffensive“ Quelle: Pressefoto
Oliver Zipse

Der Produktionsvorstand bei BMW sieht großes Potenzial für den Autobauer auf dem chinesischen Markt.

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ShenyangOliver Zipse lächelt breit. Der 54-jährige BMW-Vorstandsmitglied weiß, dass es sich um einen historischen Tag handelt. Zur Feier sind nicht nur Manager und lokale VIPs erschienen, sondern auch hochrangige Vertreter der chinesischen Zentralregierung. Kanzlerin Angela Merkel ließ persönlich ihre besten Wünsche ausrichten.

Wer ist auf wen zugegangen, um die Beteiligungsverteilung neu zu diskutieren?
Das war gar nicht ausschlaggebend. Am Ende der Verhandlungen war die Entscheidung einstimmig. Uns war dabei Planungssicherheit sehr wichtig, denn wir brauchen für unsere Produktstrategie einen langfristigen Planungshorizont über das Jahr 2028 hinaus. Im Fokus des Joint Ventures stand ja immer die Marke BMW. Insofern ist das wohl auch eine Anpassung an die Gegebenheiten. Im Ergebnis der gemeinsamen Arbeit haben wir ein deutliches Wachstum erreicht. Unsere Mitarbeiter in China haben dabei durch ihre Kompetenz eine entscheidende Rolle gespielt.

Wie kommt es, dass BMW als erster ausländischer Autobauer eine künftige Mehrheitsbeteiligung verkünden kann?
Zum einen haben die BMW-Werke im Nordosten Chinas sicherlich positiv zur wirtschaftlichen Entwicklung der Region beigetragen. Zum anderen hat sich BMW hier den Namen erarbeitet, ein Unternehmen zu sein, das sein Wort hält – sowohl, was die Beschäftigung als auch die Lokalisierung von Produkten angeht. Und dann ist da auch sicherlich das Glück des Tüchtigen im Spiel. Da haben verschiedene Dinge gut zusammengepasst.

Warum wird dieser Schritt schon jetzt verkündet, wenn er doch erst 2022 in Kraft tritt?
Unsere Industrie denkt in langen Zeiträumen. Wenn man jetzt Entscheidungen trifft, die die Nachfolgegeneration eines Fahrzeugs betreffen, dann muss man auch Sicherheit haben, dass das Joint Venture eine entsprechend langfristige Ausrichtung hat.

Auf der Feier waren viele Vertreter der chinesischen Zentralregierung, Bundeskanzlerin Angela Merkel und Ministerpräsident Li Keqiang sendeten persönliche Glückwünsche. Ist das nicht außergewöhnlich?
Das ist tatsächlich bemerkenswert und spiegelt sicherlich die 15 Jahre lang währende gute und vertrauensvolle Kooperation zwischen BMW und Brilliance wider.

Will BMW mit der Werkserweiterung ein Zeichen im Handelskrieg setzen? Von chinesischer Seite wird es ja als Beweis präsentiert, dass man die Marktöffnung weiter vorantreibt.
Diese Entscheidung ist lange vor den aktuellen Diskussionen gefallen. China ist ein Wachstumsmarkt und wir befinden uns in einer Produktoffensive. Dafür brauchen wir marktnahe Produktionskapazitäten. Wir bauen diese Kapazitäten dort auf, wo die Nachfrage ist. In China sind wir schon jetzt fast ausgelastet und müssen deshalb rechtzeitig unsere Strukturen erweitern. Unser global ausgerichtetes Produktionsnetzwerk hilft uns, lokale Marktschwankungen auszugleichen. Und die BMW Group ist natürlich ein Vertreter des globalen Freihandels.

Was genau soll im erweiterten Werk hergestellt werden?
Flexibilität ist in der jetzigen Phase der Entwicklung der Elektromobilität ein ausschlaggebender Faktor. Je nachdem, wie schnell sie sich entwickelt, müssen wir reagieren können. Mit unserem neuen hochflexiblen Produktionssystem können wir schnell auf die Marktnachfrage reagieren und wären in der Lage, bis zu 100 Prozent elektrische Fahrzeuge zu produzieren.

Das Werk soll auch ein Beispiel für die Industrie 4.0 darstellen. Was ist damit gemeint?
Für uns bedeutet es, dass wir digitale Lösungen in der Produktion konsequent umsetzen. Die Daten sind hochvernetzt und für alle verwendbar. Das führt dazu, dass wir über Cloud-Lösungen eine nahezu komplette Datentransparenz über die Produktion haben.

Apropos komplette Datentransparenz. Wie können Sie dabei den Schutz des intellektuellen Eigentums gewährleisten und unfreiwilligen Technologietransfer verhindern?
Gegen auswärtige Attacken haben wir uns durch Firewalls und entsprechende Sicherheitssysteme geschützt. Und sowohl beim Auto als auch in der Produktion ist es nicht möglich, dass jemand von außen Zugriff auf die Steuerungsebene erlangen kann. Darüber hinaus ist es meiner Ansicht nach auch nicht möglich, ein komplettes Produktionssystem oder gar ein Fahrzeug zu kopieren. Crash-Sicherheit, Fahrverhalten, Akustik, Knartzfreiheit, Oberflächentechnik, Antrieb, Fahrwerk… das alles im Systemzusammenhang zu beherrschen ist eine große Herausforderung. Und selbst wenn jemand etwas kopiert, braucht er immer noch drei bis vier Jahre, um das Produkt auf den Markt zu bringen. Bis dahin sind wir schon weiter.

Werden Sie den X5 künftig in China fertigen lassen? Der SUV ist in China sehr beliebt, wird aber derzeit in den USA hergestellt und kostet deswegen in China – wohl auch wegen 40 Prozent Einfuhrabgaben – fast das Doppelte.
Eine Entscheidung dazu ist nicht gefallen. Wir können nur sagen, dass alle Fahrzeuge der X-Serie sich einer großen Nachfrage hier in China erfreuen.

Und die Ausweitung der Produktionskapazitäten folgen ja der Nachfrage…
(Lacht) Genau, so wie Sie es gesagt haben.

Wie wird sich künftig das Verhältnis zu Brilliance ändern?
Wir haben immer zusammen stärkenbasiert agiert. BMW baut gute Autos, Brilliance war immer ein guter Fürsprecher in der Region. Das wird sich sicherlich weiterhin so fortsetzen.

Herr Zipse, danke für das Interview.

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