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OmniaMed Umstrittenes Geschäftsmodell: Anbieter von Fortbildungen für Ärzte gibt auf

Der Anbieter ärztlicher Fortbildungsseminare OmniaMed gibt in Deutschland auf. Offenbar war die Nähe zu Sponsoren aus der Pharmaindustrie zu groß.
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FSA: Konzerne wollen kontrollieren Zuwendungen für Ärzte kaum Quelle: dpa
Ärzte

Fortbildungen für Fachärzte sind vorgeschrieben – doch die Angebote sind nicht immer unabhängig von der Pharmaindustrie.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Noch immer wirbt die Firma OmniaMed GmbH mit dem Slogan „The world of medical education“ wirbt auf ihrer Homepage. Dabei ist diese Welt seit kurzem ein wenig auseinandergefallen. Ein wichtiges Land gehört nicht mehr dazu: „Die OmniaMed Gruppe wird sich aus dem deutschen Markt für medizinische Fortbildung zurückziehen und sich künftig voll auf ihre internationalen Aktivitäten konzentrieren“, heißt es gleich unterhalb des Slogans. Man bedauere, dass man nun 18 Mitarbeiter entlassen müsse. „Wir werden unsere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter aktiv dabei unterstützen, einen neuen Arbeitsplatz zu finden.“

Hinter der Sorge um die Arbeitnehmer dürfte allerdings ein hausgemachtes Problem stecken – das mit dem Geschäftsmodell des Unternehmens zusammenhängt. Mitte verrgangenen Jahres hatte das Handelsblatt über die fragwürdigen Praktiken bei der Ärztefortbildung am Beispiel der Firma OmniaMed berichtet.

Ein-Tages-Seminare, die zum Teil mit mehr als 200.000 Euro von der Pharmaindustrie gesponsert wurden, dazu Referenten, deren Themen eine auffällige Nähe zu den Medikamenten der Sponsoren aufwiesen: die Ärztekammern versagten den Veranstaltungen zunehmend die wichtige Zertifizierung als anerkannte Fortbildung. Zuletzt wurden drei Veranstaltungen in Münster nicht genehmigt – wegen „mangelnder Produktneutralität“, wie es bei der Kammer heißt.

Dass dies am Ende den Ausschlag für den Rückzug ab, bestreitet OmniaMed auf Anfrage. Grund sei vielmehr ein schwieriges Marktumfeld. Sponsoring von Fortbildungsveranstaltungen sei im vergangenen Jahr stark in die Kritik geraten, so das Unternehmen. „Zugleich hat sich die Akzeptanz spürbar verringert.“

Erstaunlich ist der Rückzug gleichwohl. Denn das Unternehmen, das zuletzt einen Umsatz von 8,5 Millionen Euro auswies, war nach eigenen Angaben führend auf einem Markt, der als sehr lukrativ gilt. Das liegt vor allem daran, dass sich die rund 390.000 Mediziner in Deutschland verpflichtend fortbilden müssen. Wer als Facharzt nach fünf Jahren nicht 250 Fortbildungspunkte, so genannte CME-Punkte, nachweisen kann, dem droht der Verlust seiner Zulassung.

Die wichtigen CME-Punkte lassen sich jedoch nur bei Veranstaltungen erwerben, die von den Ärztekammern zertifiziert werden. Und hier war OmniaMed offenbar in Schwierigkeiten geraten. Sowohl die Ärztekammer in Stuttgart, als auch die in Dresden und Münster versagten die Zertifizierung.

Zwar schweigen manche Kammern „aus Datenschutzerwägungen“ zu den Gründen. Hinter vorgehaltener Hand ist jedoch zu hören, dass sie zunehmend Probleme mit dem Geschäftsmodell der pharmafinanzierten Fortbildung haben. „Unsere Ärzteschaft wird zu Recht immer kritischer“, so ein Funktionär.

Viele dieser Ärzte-Seminare hierzulande stehen im Verdacht, indirekt Einfluss ausüben zu wollen auf die Entscheidung der Mediziner. Seit Jahren zeigt sich immer wieder, dass die Pharmakonzerne viel Geld ausgeben, um in diesem Sektor Landschaftspflege zu betreiben. Die Zuwendungen reichen von kostenlosem Essen bis hin zur Übernahme von Flug- und Hotelkosten. Teilweise fließen in einzelne Kongresse mehr als zwei Millionen Euro.

Praktiken seit langem sehr umstritten

Nach eigenen Angaben geben Pharmakonzerne insgesamt jährlich mehr als 200 Millionen Euro für Referentenhonorare und Sponsoring aus. Dabei bedienen sich die Konzerne gern Firmen wie OmniaMed, Medupdate, Forum für medizinische Fortbildung oder Medical Tribune, indem sie mit ihren Geldern die Veranstaltungen finanziell mittragen – und den Ausrichter meist mitfinanzieren. Für die Ärzte fallen dadurch auf der anderen Seite keine oder nur geringere Teilnahmegebühren an.

Mit rund 500 Referenten gehörte die OmniaMed GmbH dabei nicht nur zu den größeren Veranstaltern auf diesem unübersichtlichen, aber reichen Markt. Die Praktiken von OmniaMed waren auch sehr umstritten. So hatte die unabhängige Ärzteorganisation Mezis („mein Essen zahle ich selbst“) Mitte letzten Jahres eine Untersuchung vorgelegt, aus der eine ungute Nähe von Referenten und Sponsoren hervorgeht. Auf diversen Seminaren hielten etwa Mediziner Vorträge zu Erkrankungen, für deren Heilung die Sponsoren Medikamente herstellten.

OmniaMed und die jeweiligen Referenten haben bisher jedoch jegliche Einflussnahme weit von sich gewiesen. Man „werde allen Anforderungen zur Bewältigung von Interessenkonflikten gerecht“, so das Unternehmen. Die Referenten würden neutral informieren und, wie von den Ärztekammern gefordert, ihre Interessenkonflikte vor Beginn einer Veranstaltung offenlegen. Die Ablehnung einer Veranstaltung in Stuttgart habe auf „einer fehlerhaften Auslegung der Regularien“ beruht.

Umso erstaunlicher, dass OmniaMed die Entscheidung über den eingelegten Widerspruch offenbar nicht einmal mehr abwartete und auch nicht gegen die Ablehnungen in Münster vorging, wie es bei der dortigen Kammer heißt. Ob auch Sponsoren aus der Pharmaindustrie abgesprungen sind und konkret welcher Konzern, wollte das Unternehmen nicht sagen.

Die unabhängigen Ärzte von Mezis sind über den Rückzug jedenfalls erfreut. Seit Jahren setzt sich die Organisation für pharmafreie Fortbildung ein. Der Ausstieg von OmniaMed könnte nun den wenigen unabhängigen Anbietern, die nicht den Vorteil von Geldern der Pharmaindustrie genießen, auf die Sprünge helfen, hofft die Organisation. „Nun bekommen zehntausende von CME-Punkten die Chance, interessenkonfliktfrei erworben zu werden“, betont Mezis-Vorstand Niklas Schurig.

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