Opelaner nach PSA-Deal „Müssen wir jetzt alle französisch lernen?“

Konzernübernahmen führen bei Mitarbeitern selten zu Freudentänzen. Zu oft drohen Standortschließungen und Jobverluste. Auch bei Opel nach dem Verkauf an PSA? Ein Stimmungsbericht vom Hauptsitz in Rüsselsheim.
Update: 07.03.2017 - 08:14 Uhr Kommentieren
Die Konzerngrößen beim Townhall Meeting in Rüsselsheim. Quelle: Opel
Opel-Chef Karl-Thomas Neumann, GM-Chefin Mary Barra und PSA-Chef Carlos Tavares

Die Konzerngrößen beim Townhall Meeting in Rüsselsheim.

RüsselsheimAls die Chefin des US-Mutterkonzerns General Motors (GM) Mitte Februar überraschend im Opel-Stammsitz im hessischen Rüsselsheim erschien, ahnten viele, dass die Gerüchte um einen Verkauf stimmen und das Ende einer 88-jährigen Geschäftsbeziehung bevorstehen könnte.

Rund drei Wochen später ist die Scheidung des deutschen Autobauers von GM amtlich. Am Montagvormittag verkündete Carlos Tavares, der portugiesische Chef der französischen PSA-Gruppe, in Paris die Übernahme des deutschen Autobauers für 1,3 Milliarden Euro.

Obwohl Unternehmensverkäufe bei Mitarbeitern selten Freudentänze auslösen, ist die Stimmung in der Opel-Konzernzentrale am Nachmittag weniger düster als der Himmel über Rüsselsheim. Schwere Wolken hängen über der Zentrale. Immer wieder fallen Regentropfen in den grünen Teich vor dem Haupteingang, in dem sich das Opel-Logo spiegelt.

„Müssen wir jetzt alle französisch lernen?“

Zum ersten Mal werden Karl-Thomas Neumann, der Vorstandsvorsitzende der Opel-Gruppe, die GM-Chefin Mary Barra und Carlos Tavares dort gemeinsam vor die Belegschaft treten. Gegen 15:00 Uhr füllt sich das Foyer im Adam-Opel-Haus.

In den vergangenen Wochen habe der Verkauf die Gespräche unter den Kollegen zwar immer wieder dominiert, berichtet der 25-jährige Jörg Finger, der bei Opel ein Vertriebspraktikum absolviert. „Müssen wir jetzt alle französisch lernen“, hätten sich manche gefragt. Doch die Atmosphäre sei grundsätzlich optimistisch.

Auch ein Mitarbeiter, der seinen Namen nicht in der Zeitung lesen will, sagt, er habe ein gutes Gefühl. Verkauf hin oder her. Wer jetzt jammere, solle bedenken, dass unter der Führung von GM einiges nicht rosig gewesen sei. All die Spardiktate. Nach acht Jahren bei Opel erschrecke ihn daher so schnell nichts mehr.

Diese Manager saßen bei Opel am Steuer
Michael Lohscheller
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Der bisherige Finanzchef Michael Lohscheller ist neuer Chef von Opel. Er gehört seit September 2012 dem Opel-Vorstand an und ist seit dem 1. Juli 2014 Finanzvorstand und Geschäftsführer Finanzen der Opel Group. Der Diplom-Kaufmann sammelte schon vor seiner Zeit bei Opel über viele Jahre Erfahrungen in der Automobilbranche: Lohscheller arbeitete bei Daimler, Mitsubishi und Volkswagen. Der 48-Jährige ist verheiratet und hat zwei Kinder.

Karl-Thomas Neumann
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Lohscheller folgt auf Neumann, der überraschend zurückgetreten war. Der gebürtige Niedersachse (Jahrgang 1961) studierte Elektrotechnik in Dortmund und Duisburg. Zunächst arbeitete er bei Motorola, 1999 wechselte er dann zu VW. Von 2004 bis 2009 war er für den Automobilzulieferer Continental tätig. Danach ging Neumann 2009 zurück zu Volkswagen. Seit März 2013 war er Opel-Chef.

Neumann nimmt Abschied
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Im Juni 2017 trat Neumann ist von seinem Amt als Sprecher der Geschäftsführung zurück. Jetzt wird erneut über ein Comeback bei VW spekuliert.

Thomas Sedran
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Neumanns Vorgänger an der Opel-Spitze hieß Thomas Sedran. Er war von Juli 2012 bis Februar 2013 übergangsweise Opel-Chef. Später stand er der dem Mutterkonzern General Motors in Europa vor. 2015 verließ er GM. Im Zuge der VW-Abgasaffäre wurde er als neuer Chefstratege in Wolfsburg engagiert.

Karl-Friedrich Stracke
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Der Ingenieur war zunächst für die Opel-Werke in Bochum und Rüsselsheim zuständig. Ab 2004 leitete er den Europa-Bereich von General Motors. Von April 2011 bis Juli 2012 war er dann Opel-Vorstandsvorsitzender. Nachdem er den Autokonzern nicht zurück in die Gewinnzone führen konnte, trat er 2012 zurück.

„Nick“ Reilly
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David Nicholas „Nick“ Reilly heuerte 1975 bei General Motors an. Zum Jahreswechsel 2001/02 wurde er als Sanierer Vorsitzender des Übergangsvorstand bei Daewoo, das nach der Übernahme als GM Daewoo firmierte. Von 2006 bis 2009 war er Vizepräsident der GM-Gruppe und Präsident der General Motors Asia-Pacific-Group. Zwischen Januar 2010 und April 2011 übernahm er den Opel-Vorstandsvorsitz.

Hans Demant
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Der Maschinenbauer begann Mitte der 1970er-Jahre seine Karriere bei Opel. Zunächst war er in der Produktentwicklung tätig, 2001 wurde er Vize-Vorstandsvorsitzender bei General Motors in Europa. Von Juni 2004 bis zu seinem Rücktritt im Januar 2010 firmierte er als Opel-Chef. Seit Oktober 2010 verantwortet er die Koordination internationaler Projekte bei VW.

Zwei andere Opelaner sitzen im riesigen Opel-Foyer und blicken auf die Bühne. Dort wird die geballte Konzernprominenz bald Einigkeit und Hoffnung verbreiten. „Ich bin sehr gespannt“, sagt eine Frau im rosa Blazer. Ihr Kollege gibt sich gelassen: „Bis Maßnahmen greifen, vergehen ohnehin noch Jahre“. Sie nickt und sagt: „Trotzdem. Das war eine sehr lange Ehe, so etwas zerbricht eigentlich nicht mehr“.

Doch die Trennung ist längst beschlossene Sache. Opel-Chef Neumann wird sie nun auch in Rüsselsheim verkünden. Unter warmen Applaus betritt er die Bühne und lächelt dabei friedlich. Neumann wirkt wie einer, dem viele Paartherapien die Erkenntnis brachten, dass eine Scheidung der beste Weg für alle ist. Statt gemeinsamer Kinder begrüßt er mehrere hundert Opel-Mitarbeiter, die sich im Foyer zusammendrängen.

Andere hängen wie reife Trauben an den Geländern der Freiluft-Etagen, sie wollen einen guten Blick auf das Schauspiel unten haben. „Heute ist ein wahrlich historischer Tag für Opel und Vauxhall. Und es ist ein sehr emotionaler Tag für uns alle“, sagt Neumann. „Er bietet die Chance, einen echten europäischen Champion zu schaffen".

Es folgen ein paar Floskeln, dann die Verneigung vor dem langjährigen Partner General Motors. Es habe in der Beziehung „ups and downs" gegeben, dennoch wolle er sich bei GM für die „große Unterstützung in den vergangenen Jahren bedanken". Er bittet die Ex-Partnerin Marry Barra – sie ist ganz in schwarz – ans Mikrofon. Sie haben unter anderem Großkaliber wie Dan Ammann, Chef des Opel-Aufsichtsrats und Präsident von General Motors(GM), sowie Chuck Stevens, CFO bei GM, nach Rüsselsheim begleitet.

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