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Opioid-Epidemie Oxycontin-Hersteller Purdue steht vor milliardenschwerer Einigung

Der Deal sieht vor, dass das Unternehmen in die Insolvenz geht. Eine Nachfolge-Gesellschaft soll aus den Verkäufen des Schmerzmittels Oxycontin die Opfer bedienen.
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Die Kläger werfen Purdue vor, das Schmerzmittel Oxycontin zu aggressiv vermarktet und die Suchtgefahr heruntergespielt zu haben. Quelle: AP
Oxycontin

Die Kläger werfen Purdue vor, das Schmerzmittel Oxycontin zu aggressiv vermarktet und die Suchtgefahr heruntergespielt zu haben.

(Foto: AP)

New York Der Opioid-Hersteller Purdue will sich laut Medienberichten mit 23 Bundesstaaten und Tausenden lokalen Regierungen einigen. Der Deal sieht vor, dass das Unternehmen insolvent geht und eine Nachfolge-Gesellschaft aus den Verkäufen des Schmerzmittels Oxycontin die Opfer bedient.

Purdue und dessen aggressives Marketing für das Opioid-haltige Mittel Oxycontin werden dafür verantwortlich gemacht, dass so viele Menschen in den USA erst abhängig von Schmerzmitteln und Drogen geworden sind. Allein im vergangenen Jahr sind in den Vereinigten Staaten 68.000 Menschen an einer Überdosis gestorben.

Hinter Purdue steckt die Sackler-Familie, die sich gerne als noble Förderer der Künste und der Forschung gibt. Nach ihr ist sogar ein Flügel im Metropolitan Museum of Art benannt. Im Jahr 2015 hatte es die Familie Sackler mit einem Vermögen von 14 Milliarden Dollar unter die Top 20 der „Forbes“-Liste der reichsten US-Familien geschafft.

Derzeit laufen insgesamt 2500 Klagen gegen Purdue und die Familie. Dabei klagen sämtliche Bundesstaaten ebenso wie Städte, Gemeinden und Indianer-Stämme, die mit den gesundheitlichen, sozialen und wirtschaftlichen Folgen der Epidemie zu kämpfen haben. Sie alle werfen Purdue vor, das Schmerzmittel Oxycontin zu aggressiv vermarktet und die Suchtgefahr heruntergespielt zu haben.

Nach dem angestrebten Abkommen würden die Sacklers aus dem Unternehmen aussteigen und es nach einer Insolvenz Treuhändern überlassen. Diese würden dann aus dem Verkauf von Oxycontin die Opfer bedienen. Die Sacklers würden zudem über mehrere Jahre drei Milliarden Dollar zahlen und zusätzlich noch eine Summe von bis zu 1,5 Milliarden Dollar – je nachdem wieviel der Verkauf eines weiteren Unternehmens Mundipharma einbringt.

Bisher haben mit 23 weniger als die Hälfte der klagenden Bundesstaaten dem Deal zugestimmt. Purdue will das Abkommen abschließen, bevor es vielleicht schon am Sonntag Insolvenz beantragt.

Letitia James, die Generalstaatsanwältin des Bundesstaats New York, nannte den vorgeschlagenen Deal eine „Beleidigung“. Die Sacklers „versuchen, sich der Verantwortung zu entziehen und die Millionen Opfer der Opioid -Krise billig abzuservieren“.

Wie das Wall Street Journal berichtet, schätzt Purdue, dass den Opfern mit dem Abkommen zehn bis zwölf Milliarden Dollar zugute käme. Doch der Großteil dieses Geldes käme aus zukünftigen Verkäufen von Oxycontin. Da das Mittel aber derzeit stark in der Kritik steht, könnten die Umsätze dort bald drastisch sinken.

Die Sackler-Familie hat 1952 das Unternehmen Purdue übernommen. Unter Führung des verstorbenen Raymond Sackler und seiner Brüder Arthur und Mortimer – alle studierte Psychiater – entwickelte Purdue in den 90ern das Schmerzmittel Oxycontin. Anschließend hat Purdue unter der Führung von Richard Sackler das Schmerzmittel auch mit gefälschten Studien aggressiv vermarktet und deren Suchtpotential verharmlost.

Die New Yorker Staatsanwälte haben die Sacklers im Frühjahr auch persönlich verklagt. Die Familie Sackler stehe hinter einem kriminellen Plan, der „von Leiden und Tod von New Yorkern und anderen in den USA profitiert“ habe, sagte die Justizministerin des Bundesstaats New York, Letitia James.

„Während die Sackler-Familie immer reicher wurde, ging es mit der Gesundheit der New Yorker abwärts, und unser Bundesstaat blieb auf der Rechnung sitzen“, sagte James. Mitglieder der Sackler-Familie sollen auch Gelder von Purdue illegal auf ihre eigenen Konten geschafft haben.

Mehr: Erst die Glyphosat-Prozesse gegen Bayer, nun die halbe Milliarde Strafe gegen Johnson & Johnson: In den USA wird das Klima für Pharmakonzerne rauer.

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