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Osterloh-Vergütung Staatsanwälte ermitteln gegen VW-Vorstände

Staatsanwälte ermitteln erneut gegen Volkswagen: Topmanager wie Personalvorstand Karlheinz Blessing sind wegen des Verdachts auf Untreue im Visier. Im Fokus steht die Vergütung von Betriebsratschef Bernd Osterloh.
Update: 12.05.2017 - 17:57 Uhr 3 Kommentare
Gegen den VW-Personalvorstand wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt. Quelle: dpa
Karlheinz Blessing

Gegen den VW-Personalvorstand wird wegen des Verdachts der Untreue ermittelt.

(Foto: dpa)

Düsseldorf, FrankfurtDie Staatsanwaltschaft Braunschweig hat ein weiteres Ermittlungsverfahren gegen Vorstände von Volkswagen eingeleitet. Gegen vier Top-Manager, darunter Personalvorstand Karlheinz Blessing und sein Vorgänger Horst Neumann, ermittelt die Behörde wegen des Verdachts auf Untreue, wie eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft dem Handelsblatt bestätigte. Die Beamten prüfen, ob die Manager Betriebsräten finanzielle Vorteile gewährt haben, die strafrechtlich als Veruntreuung von Unternehmensvermögen zu sehen sein könnten.

Im Fokus steht besonders die Vergütung von Betriebsratschef Bernd Osterloh, gegen den sich Ermittlungen nicht richten. Der oberste VW-Arbeitnehmervertreter erhält dem Vernehmen nach eine Grundvergütung von rund 200.000 Euro pro Jahr. Hinzu kommen noch Bonuszahlungen, die sich in guten Geschäftsjahren auf über eine halbe Millionen Euro summiert haben sollen. Dass auch Betriebsräte Boni erhalten, wird intern damit begründet, dass sich die Verträge für die Gewerkschafter an dem Vergütungssystem für Führungskräfte orientieren.

Betriebsratschef Bernd Osterloh sieht sich selbst durch die Ermittlungen gegen VW-Manager wegen angeblich zu hoher Zahlungen an ihn nicht unter Druck. Der „Braunschweiger Zeitung“ sagte er: „Ich bin da mit mir im Reinen.“ VW habe „klare interne Regelungen zur Betriebsratsvergütung“, die – im Einklang mit dem Betriebsverfassungsgesetz – auch bei ihm angewandt worden seien.

Die Entlohnung der Betriebsräte wird über das Betriebsverfassungsgesetz geregelt. Demnach sollen die Arbeitnehmervertreter eine Bezahlung gemäß ihrer Aufstiegschancen erhalten. Bernd Osterloh hatte in den vergangenen Jahren immer wieder Angebote, in das Management von VW zu wechseln. Zuletzt lehnte er den Posten des Personalvorstandes ab. Er hätte als solcher rund fünf Millionen Euro pro Jahr ausbezahlt bekommen.

Osterloh wollte nach eigenem Bekunden Betriebsratschef bleiben, um in der aktuellen Krise die Interessen der Belegschaft vertreten zu können. Das Unternehmen leidet unter den Milliardenstrafen, die für die Fälschung von Abgaswerten bei Dieselautos fällig werden, sowie den ausufernden Kosten bei seiner Kernmarke VW. Dort sollen über 20.000 Stellen abgebaut werden.

So viel kassierten die VW-Bosse 2016
Platz 9: Frank Witter
1 von 9

Frank Witter ist seit 1992 bei VW. Seit Oktober 2015 ist er für den Geschäftsbereich „Finanzen und Controlling“ zuständig. Sein Gehalt stieg – auch aufgrund des neuen Postens – von 940.000 Euro auf gut 3 Millionen Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

(Foto: dpa)
Platz 8: Rupert Stadler
2 von 9

Das Aufsichtsratsmitglied vom FC Bayern München Rupert Stadler ist seit 2010 Mitglied des Vorstands der Volkswagen AG. Zudem ist der Manager Vorstandsvorsitzender der Audi AG. Seine Vergütung sank 2016 um mehr als eine Million Euro.
Gehalt: 1,1 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

(Foto: dpa)
Platz 7: Jochem Heizmann
3 von 9

Wirtschaftsingenieur Jochem Heizmann ist seit 1991 bei Volkswagen. Seit 2012 ist er für den Geschäftsbereich „China“ zuständig. Im vergangenen Jahr ging seine Vergütung um gut eine Million Euro zurück.
Gehalt: 1,2 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

(Foto: dpa)
Platz 6: Francisco Javier Garcia Sanz
4 von 9

Der Spanier Francisco Javier Garcia Sanz arbeitet seit 1993 für VW. 1996 wurde er Mitglied des Vorstands der Marke „Volkswagen Pkw“ und 2001 der Volkswagen AG. Dort ist er zuständig für den Bereich „Beschaffung“. Auch bei ihm sanken 2016 die Bezüge um rund eine Million Euro.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

(Foto: Reuters)
Platz 5: Andreas Renschler
5 von 9

Andreas Renschler war bis 2014 Mitglied des Vorstandes der Daimler AG. Im Februar 2015 wechselte der Stuttgarter zu VW und ist dort für den Geschäftsbereich Nutzfahrzeuge verantwortlich. 2015 hatte er durch eine Kompensation aufgrund seines Arbeitgeberwechsels noch 15,6 Millionen Euro kassiert.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

(Foto: dpa)
Platz 4: Herbert Diess
6 von 9

Der österreichische Manager arbeitet seit 2015 für die Volkswagen AG und ist Vorsitzender des Markenvorstands Volkswagen-Pkw. Auch er wurde 2015 für den Arbeitgeberwechsel entschädigt und erhielt 7,2 Millionen Euro. Im abgelaufenen Jahr waren es fast vier Millionen Euro weniger.
Gehalt: 1,3 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

(Foto: Reuters)
Platz 3: Karlheinz Blessing
7 von 9

Der Manager ist seit Januar 2016 für den Bereich Personal und Organisation verantwortlich. In dieser Funktion muss der 59-Jährige derzeit den geplanten Stellenabbau im Rahmen des Zukunftspaktes umsetzen. Ein Vergleichsgehalt für 2015 liegt nicht vor.

Gehalt: 1,4 Millionen Euro
Bonus: 1,9 Millionen Euro

(Foto: dpa)

VW wies wie der Betriebsrat die Vorwürfe zurück: „Volkswagen hält sich bei der Vergütung von Betriebsratsmitgliedern an die Vorgaben des Betriebsverfassungsgesetzes“, sagte ein Konzernsprecher. Vor dem Hintergrund der laufenden Ermittlungen der Staatsanwaltschaft Braunschweig sei die Entgeltfindung des Unternehmens für Osterloh auch durch einen externen juristischen Sachverständigen überprüft worden. Dieses Gutachten komme zu dem Schluss, dass die Eingruppierung von Osterloh den Vorgaben des Betriebsverfassungsgesetzes entspreche.

„Vor diesem Hintergrund geht das Unternehmen davon aus, im Rahmen des von der Staatsanwaltschaft Braunschweig aufgrund einer Anzeige eingeleiteten Ermittlungsverfahrens alle diesbezüglichen Fragen ausräumen zu können“, sagte der Sprecher. Über die Ermittlungen hatte zuerst der Branchendienst Juve berichtet.

Mit Material von dpa.

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3 Kommentare zu "Osterloh-Vergütung: Staatsanwälte ermitteln gegen VW-Vorstände"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

  • @Herr Stefan Nold, 12.05.2017, 15:43 Uhr

    "Der Verbraucher ist ein schlafender Riese. Wenn nur für 1% der Käufer das ethische Verhalten des Managements ein Kaufkriterium ist, wird auch ein großer Konzern wie VW ganz schnell handeln."

    Aber hallo. Und genau deshalb braucht es mehr Transparenz -
    und gleichermaßen interessiertere wie besser informierte Verbraucher.

  • Jahres-Gehalt für Christine Hohmann-Dennhardt: 10 Millionen Euro.
    Ziemlich viel Geld für das bisschen Ethik.
    Volkswagen verdient pro PKW 395 € (Quelle: Focus 2016).
    Das heißt: Volkswagen muss rund 10 Mio/ 400 € = 25.000 Fahrzeuge verkaufen, bis es die Kohle nur für dieses eine Vorstandsmitglied wieder in der Tasche hat.
    Ich fahre seit über 30 Jahre Volkswagen. Aber mein nächstes Auto wird kein VW. Welches Auto ich kaufe, werde ich davon abhängig machen, was die Firmen ihren Spitzenmanagern zahlen. Was sie denen zahlen, müssen sie entweder bei der Qualität, bei den Zulieferern oder bei irgendwelchen Leiharbeitern einsparen. Da die Autos ja Qualitätsmäßig alle ähnlich geworden sind, ist das für mich jetzt wirklich ein Kaufkriterium. Beim Bier mache ich das schon lange. Wer sein Bier für viel Geld im Fernsehen bewirbt, dem kaufe ich nichts ab und kaufe ausschließlich von der kleinen Privatbrauerei um die Ecke. Ist auch viel ökologischer. Der Verbraucher ist ein schlafender Riese. Wenn nur für 1% der Käufer das ethische Verhalten des Managements ein Kaufkriterium ist, wird auch ein großer Konzern wie VW ganz schnell handeln.

  • Werde ja nie Topmanager sondern erfolgreicher Fußballer !