Outsourcing beendet Philips holt Produktion aus China in die Niederlande zurück

Ist Outsourcing in Zeiten der Krise out? Die vermeintliche Kostenersparnis rechnet sich für den Elektroartikelhersteller Philips nicht mehr. Das Unternehmen zieht seine Rasiererproduktion aus China ab.
Update: 19.01.2012 - 03:05 Uhr 8 Kommentare
Philips setzt auf Holland: CEO Frans van Houten (l.) vor Rembrands „Nachtwache“. Quelle: dapd

Philips setzt auf Holland: CEO Frans van Houten (l.) vor Rembrands „Nachtwache“.

(Foto: dapd)

Die Mitarbeiter im niederländischen Philips-Werk in Drachten rechneten mit dem Schlimmsten. Sie waren auf Entlassungen gefasst. Doch der Werksleiter überraschte sie mit der Nachricht, das Unternehmen wolle in das mit 2.000 Mitarbeitern besetzte Werk in Drachten investieren - und die Produktion seiner im obersten Preissegment angesiedelten elektrischen Rasierer aus China abziehen und nach Hause holen.

Rob Karsmakers ist seit 2009 für das Werk verantwortlich. Zuvor hatte er vier Jahre lang für Philips in Asien gearbeitet. Der Nachrichtenagentur Bloomberg zufolge sagte er: „Ein Produktingenieur ist in Shanghai inzwischen genauso teuer wie in Drachten. Aber in China ist die Personalfluktuation höher. Das ist nicht tragfähig.“

Insgesamt 14.000 Menschen beschäftigt Philips in den Niederlanden. Das Land mit der fünftgrößten Wirtschaft der Eurozone hat seine Bemühungen verstärkt, sich neben Deutschland als Industriemacht zu positionieren.

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8 Kommentare zu "Outsourcing beendet: Philips holt Produktion aus China in die Niederlande zurück"

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  • Man sollte wirklich zwischen Informationen für das
    dumme Stimmvieh (ARD, ZDF;.. BILD-Spiegel) und den Daten unterscheiden, die Grundlage für wirtschaftliche Entscheidungen sind.

    Die Entscheidung von Phillips ist weder mutig noch etwas Besonderes.
    Wenn die Fertigung in den Hoch-Lohnländern unter dem Strich günstiger ist, als in (ehemaligen-) Low-Cost Ländern, wird verlagert. Berücksichtigt wird hierbei einfach nur die Vollkosten-Berechnung.

    So einfach ist das.

  • Mit "mutig" meine ich, dass es oft nicht einfach ist, die Entscheidungsträger davon zu überzeugen, das es wirtschaftlicher ist, die Fertigung aus China wieder zurückzuverlagern. Es wurde viele Jahre ja gebetsmühlenartig gepredigt, dass es für deutsche Unternehmen unerlässlich ist, die Vorteile der Billiglohnländer zu nutzen. Es haben schon viele mit großem Trara ihre Fertigung nach China verlagert und sind irgendwann still und leise wieder zurückgekehrt. Wer in 2010 Platinen in Deutschland eingekauft hat, weiß, dass einige große deutsche Unternehmen nun wieder "zuhause" bei fähigen Lieferanten ihre Aufträge platziert haben. Von wegen China, das gelobte Einkäuferland. Schönen Gruß an all die Einkaufsmanager und Seminar-Gurus...

  • Stimmt:

    - D ist sehr gut, wenn es um unternehmerische- und Ingenieur-Leistungen geht
    - CN ist arbeitsam und willig als Untergebener (der Betrieb ist meine Welt)
    - RUS verfügt über viel Rohstoffe

    Zusammen ergibt sich schon ein netter Schuh daraus.

    Wozu brauchen wir dann noch die Angelsachsen?

  • endlich das richtige Signal !
    sehr gute Entscheidung, werde auch Philips kaufen auch wenns bißchen teuerer wird - weniger ist halt oft mehr.

    Für China sind die deutschen Industriekunden meist nicht mehr als ein "Geldbeutel" mit KnowHow und Produkten zum kopieren!

  • Was Phillips da gemacht hat, ist alles andere, als die Ausnahme. Das alles hat aber nix mit Mut zu tun, sondern beruht auf einfachen wirtschaftlichen Berechnungen.

    Wie man ja in Mittel- / Osteuropa gesehen hat, kochen weltweit alle nur mit Wasser. Zaubern kann keiner und die low-cost Länder von gestern sind inzwischen erwachsen geworden und somit steigen auch die Lohnkosten.

    Oft haben diese Low-cost Länder aber vollkommen andere Vorstellungen von Qualität und Wartung der Maschinen und so schneiden die Hoch-Lohnbereiche immer besser ab, je mehr die Firma automatisiert. Vollautomatisierung ist daher ein Segen für die Hochkostländer. Also ganz anders als uns die sogenannten Arbeitnehmer-Vertreter immer erzählt haben.

    Allerdings steigen damit auch die Qualifikationsanforderungen an die Arbeitnehmer und ohne eine nachhaltige schulische- und fachliche Ausbildung läuft da nichts.

  • Dies ist eine sehr positive Entwicklung nicht nur fuer die europaeischen Arbeitnehmer sondern fuer die die Weltwirtschaft allgemein. Der Wohlstand in China steigt, die Ungleichgewichte im Welthandel nehmen ab und es gibt weniger Risiken fuer internationale Krisen.

  • Bravo Philips. Werde umgehend Produkte dieser Fa. kaufen. Es sollte wieder was wert sein, das sog. Made in EU. Ich ärgere mich zu Tode, wenn ich Bekeidung einkaufe (z. B. Outdoorjacke, die mich 500 Euro kostet und Made in China ist) Dann lasse ich es mal lieber bleiben. Vom anderen Billigschrott ganz zu schweigen. Versuche soviel wie möglich "patriotisch" zu sein, doch leider ist das zusehends schwierig.

  • Gute und mutige Entscheidung! Wer schon mal in einem Unternehmen gearbeitet hat, dass Ware aus China bezieht, weiß was das (inzwischen) bedeutet. Die Löhne steigen permanent (die Chinesen sollen ja konsumieren und dafür braucht es bekanntlich Geld), die Nebenkosten wie Fracht und Verzollung ebenso, die Qualität kann nur durch aufwendigste Mehrfachkontrollen gewährleistet werden, ohne prozessüberwachende europäische Kollegen vor Ort ist eine problemlose Fertigung nur über kurze Zeiträume möglich und Probleme zu beheben kann sehr zeit-, personal- und damit kostenintensiv sein. Zudem ist es dem Kunden schwer zu vermitteln, dass ein Hochpreisprodukt in einem "Billig"-Lohnland gefertigt wird.

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