Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Oxycontin Pharmakonzern Purdue beantragt Insolvenz wegen Opiod-Klagen

Gegen das US-Unternehmen sind mehr als 2000 Klagen wegen eines süchtig machenden Schmerzmittels anhängig. Mit einem Insolvenzverfahren will Purdue die Klagen beilegen.
16.09.2019 Update: 16.09.2019 - 16:27 Uhr Kommentieren
Die Firma soll in eine Stiftung der öffentlichen Hand überführt werden. Quelle: AFP
Purdue-Logo

Die Firma soll in eine Stiftung der öffentlichen Hand überführt werden.

(Foto: AFP)

New York Der Pharmakonzern Purdue und dessen Schmerzmittel Oxycontin stehen wie kein anderes Unternehmen für die verheerende Opioid-Epidemie in den USA. Nun hat das Familienunternehmen in der Nacht von Sonntag auf Montag Insolvenzschutz beantragt.

Die Opfer will Purdue vor allem aus den zukünftigen Umsätzen des Schmerzmittels bedienen. Einem entsprechenden Abkommen hat knapp die Hälfte der US-Bundesstaaten zugestimmt. Doch die Mehrheit wehrt sich.

Mit dem Antrag auf Gläubigerschutz findet der jahrzehntelange Aufstieg der Sackler-Familie sein wenig rühmliches Ende. Die Purdue-Besitzer, die sich gerne als noble Förderer der Künste gaben, hatten es im Jahr 2015 laut Forbes mit einem Vermögen von 14 Milliarden Dollar unter die Top 20 der reichsten US-Familien geschafft.

Doch ihr Geld haben sie vor allem mit dem stark abhängig machenden Opioid Oxycontin verdient. Das Schmerzmittel hat Purdue auch mit gefälschten Studien aggressiv vermarktet und dessen Suchtpotenzial verharmlost.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    In den USA bekamen Patienten oft schon nach einem Zahnarztbesuch oder einer kleinen Operation das schwere Mittel mit nach Hause und wurden abhängig. Allein im vergangenen Jahr sind in den Vereinigten Staaten 68.000 Menschen an einer Überdosis gestorben.

    Heute klagen nicht nur sämtliche 50 US-Bundesstaaten gegen Purdue. Auch 2600 Städte, Gemeinden, Indianerstämme und Krankenhäuser wollen für die Kosten entschädigt werden, die ihnen durch die Drogen-Epidemie entstanden sind. Außerdem hat das Justizministerium zivil- und strafrechtliche Ermittlungen gegen das Unternehmen eingeleitet.

    Mit dem Antrag auf Gläubigerschutz schützt sich Purdue zumindest vorübergehend vor Klagen. Außerdem hofft das Unternehmen, möglichst viele Bundesstaaten und Gemeinden zu überzeugen, seinem Abkommen zuzustimmen. Es soll insgesamt zehn Milliarden Dollar bringen, um die Sucht zu bekämpfen und Opfer zu entschädigen.

    Der Deal sieht vor, dass nach der Insolvenz eine Nachfolge-Gesellschaft das Schmerzmittel Oxycontin weiter herstellt und aus den Umsätzen die Staaten, Gemeinden und Opfer bedient. Die Familie Sackler will drei Milliarden Dollar von den insgesamt zehn Milliarden Dollar beisteuern und eventuell noch bis zu 1,5 Milliarden Dollar – je nachdem wie viel der Verkauf eines weiteren Unternehmens Mundipharma einbringt.
    Milliarden ins Ausland geschafft

    Mehr als die Hälfte der Bundesstaaten lehnt die Einigung jedoch bisher ab. Letitia James, die Generalstaatsanwältin des Bundesstaats New York, nannte den vorgeschlagenen Deal eine „Beleidigung“. Die Sacklers „versuchen, sich der Verantwortung zu entziehen und die Millionen Opfer der Opioid-Krise billig abzuservieren“.

    Die New Yorker Staatsanwälte haben die Sacklers im Frühjahr auch persönlich verklagt. Sie werfen den Sacklers unter anderem vor, mindestens eine Milliarde Dollar in die Schweiz überwiesen zu haben. Laut der Gerichtsunterlagen habe die Familie mit Schweizer Konten Millionen-Überweisungen vom Konzern in die private Kasse verschleiert.

    Allein eine Bank habe Geldtransfers in Höhe von einer Milliarde Dollar von den Sacklers erhalten. Insgesamt hatte James im August 30 Finanzinstitute um Informationen über den Geldfluss der Familie gebeten. Noch hätten nicht alle die angeforderten Dokumente eingereicht.

    Auch der Generalstaatsanwalt von Illinois Kwame Raoul stellte klar: „Mein Büro ist bereit, die Sacklers zur Verantwortung zu ziehen, egal ob Purdue Insolvenz beantragt“.

    Mehr: Erst die Glyphosat-Prozesse gegen Bayer, nun die halbe Milliarde Strafe gegen Johnson & Johnson: In den USA wird das Klima für Pharmakonzerne rauer.

    Startseite
    0 Kommentare zu "Oxycontin: Pharmakonzern Purdue beantragt Insolvenz wegen Opiod-Klagen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    Zur Startseite
    -0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%