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Pendlerservice Ford gibt seine Ridesharing-Plattform auf – Volkswagen investiert weiter

Wegen des wirtschaftlichen Misserfolgs löst der US-Autokonzern seine Ridesharing-Tochter Chariot auf. Volkswagen hingegen fährt seine Tochter Moia erst richtig hoch.
Update: 23.01.2019 - 16:02 Uhr Kommentieren
Ford verabschiedet sich von Chariot - VW investiert in Moia Quelle: dpa
Ford

Ford verabschiedet sich von Chariot.

(Foto: dpa)

DüsseldorfKlarer könnte der Abschied auf der Homepage nicht sein: „Der 25. Januar wird der letzte Tag sein, an dem wir unseren Pendlerservice in Großbritannien anbieten. In den Vereinigten Staaten ist der letzte Tag der 1. Februar.“ Der US-Autokonzern Ford zieht sich aus einem wichtigen Zukunftsfeld zurück: In wenigen Tagen stellt der Ridesharing-Dienst des Autoherstellers seinen Service wegen Erfolglosigkeit komplett ein – nach fünf Jahren wird die Ford-Tochter Chariot Geschichte sein.

Chariot gehört seit Ende 2016 zum Ford-Konzern, damals gekauft vom heutigen Vorstandsvorsitzenden Jim Hackett, der zu diesem Zeitpunkt noch die neue „Ford Smart Mobility“-Tochter leitete. Der US-Konzern hatte sich damit den großen Einstieg in neue Mobilitätsdienste erhofft.

Ridesharing gilt auch als wichtige Vorstufe für das Autonome Fahren: Die kleinen Sammeltaxis könnten den Beweis liefern, dass autonom eingesetzte Fahrzeuge tatsächlich profitabel werden – wenn der Fahrer durch Elektronik ersetzt wird und damit ein massiver Kostenblock wegfällt.

Die Volkswagen-Tochter Moia beginnt gerade erst in Hamburg und in Hannover mit großangelegten Ridesharing-Versuchen, um eben diesen Beweis der Wirtschaftlichkeit zu liefern. Doch die Ford-Führung hat bei Chariot jede Geduld verloren.

Der zweitgrößte US-Autohersteller war damit in den wichtigsten amerikanischen Städten wie New York, Chicago, Los Angeles und San Francisco sowie der britischen Hauptstadt London vertreten. Der wirtschaftliche Erfolg ist ausgeblieben, die Verluste zu hoch. Insgesamt drei Millionen Einzelfahrten liegen hinter den Chariot-Kleinbussen.

Der gesamte Ford-Konzern kann sich kostspielige Experimente derzeit nicht mehr erlauben, weil die Verluste in Europa, Südamerika und Asien die Gewinne auf dem nordamerikanischen Heimatmarkt zu einem großen Teil aufzehren. Erst Mitte dieses Monats hatte der Konzern für das europäische Geschäft einen einschneidenden Sparkurs mit dem Abbau tausender Stellen angekündigt.

Ford-Chef Hackett rechtfertigte sich vor wenigen Tagen dafür, dass der US-Konzern den vermeintlichen Hoffnungsträger Chariot einstellt. Der regulatorische Rahmen für einen solchen Service sei noch überhaupt nicht fertig, Ford habe Chariot deshalb nicht fortsetzen können. „Wir sind der Politik voraus“, meinte er auf der Detroit Motor Show.

Nach den Worten Hacketts sei Chariot für den Ford-Konzern trotzdem ein Erfolg gewesen. Mit der Ridesharing-Tochter habe der Autohersteller wichtige Erfahrungen sammeln können – auch Erkenntnisse darüber, wie sich dieses Geschäft insgesamt weiter entwickeln werde.

Chariot habe für den Ford-Konzern eine Basis geschaffen, auf der sich in Zukunft aufbauen lasse. Weitere Details nannte der Vorstandschef nicht. Etwa dazu, ob Chariot-Erkenntnisse in die Entwicklung des Autonomen Fahrens eingeflossen sind.

Moia ist das Gegenstück zur Ford-Tocher

Die Volkswagen-Tochter Moia hat die jüngsten Entwicklungen bei Ford aufmerksam verfolgt. Zumal der deutsche und der amerikanische Autohersteller erst in der vergangenen Woche eine umfassende Zusammenarbeit im Rahmen einer globalen Allianz verkündet hatten.

Es gibt dabei auch Gespräche über ein Zusammengehen beider Seiten bei der Entwicklung selbstständig fahrender Fahrzeuge. Volkswagen ist interessiert an einer Beteiligung an Argo – der Tochter, in der Ford seine Aktivitäten in Sachen Autonomes Fahren gebündelt hat.

Moia gibt es erst seit gut zwei Jahren im Volkswagen-Konzern. Die Berliner Tochter soll neue Mobilitätsdienste für den Wolfsburger Autohersteller entwickeln, allen voran bei den Ridesharing-Angeboten mit Sammeltaxen und Kleinbussen. Moia ist so etwas wie das Gegenstück zur Ford-Tochter Chariot, die jetzt kurz vor ihrem Ende steht.

Bei Moia kann allerdings im Unterschied zu den Amerikanern von Ende und Einstellung keine Rede sein. Die Volkswagen-Tochter fährt ihre Ridesharing-Testversuche gerade erst massiv hoch – mit neuen großangelegten Kleinbus- und Shuttle-Projekten in den beiden Städten Hamburg und Hannover. Mit beiden Testläufen will Volkswagen seine eigenen Erfahrungen sammeln, um Ridesharing zu einem erfolgreichen Geschäft zu machen und um es eines Tages auch in anderen Teilen der Welt anbieten zu können.

Die negativen Erfahrungen von Chariot könnten keinesfalls auf die beiden Moia-Projekte in Hannover und Hamburg übertragen werden, heißt es dazu in der Berliner Zentrale der Volkswagen-Tochter. Moia verfolge einen ganz anderen Weg, Chariot biete deshalb keinen angemessenen Vergleichsmaßstab.

„Wir glauben daran, dass wir in Hamburg und in Hannover erfolgreich sein können“, betonte ein Moia-Sprecher. Zudem werde die VW-Tochter deutlich mehr Kleinbusse auf die Straßen bringen als das Ford etwa in den USA getan habe. In Hamburg startet der Shuttle-Dienst im Frühjahr, dort sollen bis zum endgültigen Ausbau nach zwei Jahren insgesamt 1000 Moia-Busse unterwegs sein. In Hannover hat der Testlauf bereits begonnen, dort ist am Ende ein Einsatz von 250 Fahrzeugen geplant.

Chariot hat einen Fehler begangen

Mit dieser Zahl an Fahrzeugen werde Moia es schaffen können, sich zu einer wichtigen Marke in Hannover und in Hamburg zu entwickeln. Die Kleinbusse würden im Straßenverkehr präsent und leicht zu erkennen sein. Diese Busse sollen zudem im gesamten Stadtgebiet unterwegs sein, also auch in Randlagen. Das dann auch zu Randzeiten wie etwa dem Wochenende und abends. Damit würden die nötigen Voraussetzungen geschaffen, dass die Bevölkerung in beiden Städten die Moia-Dienste als verlässliches Mobilitätsangebot annehme.

Ford hat vor allem einen Fehler begangen: Der US-Konzern war in den amerikanischen Metropolen mit seinen Kleinbussen auf einem fixen Routenplan unterwegs – also wie ein gewöhnlicher Linienbus. Damit hat sich das gesamte Chariot-System vom bestehenden öffentlichen Nahverkehr nicht besonders abheben können.

Die Moia-Kleinbusse in Hannover und Hamburg sollen nicht auf festgelegten Routen unterwegs sein. Nach den eingehenden Bestellungen berechnen Algorithmen vielmehr immer wieder neue und für die jeweiligen Fahrgäste optimierte Routen.

Die Verantwortlichen von Moia glauben, dass ihr Angebot mit Kleinbussen damit den bestehenden Nahverkehr gut ergänzen kann, wie das auch die Städte wünschen. Dieser neue und zusätzliche Dienst sowie die vergleichsweise hohe Zahl an Fahrzeugen sollen dann für einen dauerhaften wirtschaftlichen Erfolg sorgen.

Volkswagen lässt sich allerdings nicht in die Karten sehen, wie lange und in welchem Umfang Moia Verluste machen darf – und wann schwarze Zahlen erwartet werden. Der Aufbau der neuen Mobilitätsdienste wird auf jeden Fall Jahre dauern und dürfte große Beträge verschlingen.

Das Investmenthaus Evercore ISI hält bei Moia eine Bewertung von zwei Milliarden Euro für möglich. Dazu müsste allerdings wirklich ein wirtschaftlicher Erfolg eintreten – und Moia nicht dasselbe Schicksal blühen wie Chariot im Ford-Konzern.  

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