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Personalabbau Opel schrumpft weiter – 1100 Mitarbeiter sollen gehen

Die Automarke mit dem Blitz reduziert abermals Personal in Deutschland. Bis 2023 will Neueigentümer PSA damit insgesamt jede dritte Stelle abbauen.
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PSA: Opel schrumpft – 1.100 weitere Mitarbeiter sollen gehen Quelle: dpa
Opel in Eisenach

200 Beschäftigte sollen hier auf freiwilliger Basis ausscheiden.

(Foto: dpa)

Düsseldorf Tausende Opel-Mitarbeiter entfliehen ab der kommenden Woche ihren Alltagsstrapazen. Bei dem Autohersteller stehen die sommerlichen Werksferien in der Produktion bevor. In den deutschen Fabriken am Stammsitz in Rüsselsheim und später auch an den Zweigstellen in Kaiserslautern und Eisenach wird dann ein wenig Ruhe einkehren. Und anders als in den vergangenen Monaten dürfte die Stimmung in der Belegschaft auch nach der dreiwöchigen Pause an den einzelnen Standortorten vergleichsweise entspannt bleiben.

Der Grund: Ende Juni haben sich Geschäftsführung, Werksleitung und Betriebsrat darauf geeinigt, wie die heimischen Fabriken abgesichert werden sollen. Opel-Chef Michael Lohscheller gab lang ersehnte Investitionen frei. So wird in Rüsselsheim ab 2021 neben der Limousine Insignia wieder das Kompaktmodell Astra vom Band laufen.

In Kaiserslautern wird eine Anlage zur Warmumformung von Stahl gebaut, zudem könnte in der Westpfalz mit Fördermitteln bald eine Batteriezellfabrik entstehen. Im thüringischen Eisenach läuft darüber hinaus in den nächsten Wochen die Fertigung des SUV Grandland X an.

Die Investitionsoffensive bei Opel hat allerdings einen Haken: Sie geht mit einem weiteren massiven Personalabbau einher. Über Abfindungen, Altersteilzeit und Vorruhestand werden in Rüsselsheim 600 Mitarbeiter gehen, in Kaiserslautern sollen nach Handelsblatt-Informationen aus Konzernkreisen 300 und in Eisenach 200 Beschäftigte auf freiwilliger Basis aus dem Unternehmen ausscheiden.

In den beiden Zweigstellen werden die Altersteilzeit- und Vorruhestandsregelungen auf die Jahrgänge bis einschließlich 1961 geöffnet. In Summe will Opel so rund 1100 Mitarbeiter zusätzlich bis 2023 abbauen. Ein Konzernsprecher bestätigte die Zahlen. Die Marke mit dem Blitz schrumpft damit weiter.

Ein Drittel der deutschen Belegschaft muss gehen

Seit Opel im Sommer 2017 vom französischen Fahrzeughersteller PSA (Peugeot, Citroën, DS) übernommen wurde, besiegelte das Management um Markenchef Lohscheller den Abbau von zusammengerechnet 6.800 Stellen alleine in Deutschland. Das entspricht mehr als einem Drittel der heimischen Belegschaft, die vor zwei Jahren noch aus mehr als 19.300 Mitarbeitern bestand.

Seit der Übernahme durch PSA ist die Opel-Belegschaft deutlich geschrumpft. Quelle: dpa
Opel-Chef Michael Lohscheller

Seit der Übernahme durch PSA ist die Opel-Belegschaft deutlich geschrumpft.

(Foto: dpa)

Immerhin: Den drastischen Einschnitten steht die Zusage entgegen, dass Opel ab 2020 pro Jahr 169 Auszubildende verteilt über die einzelnen Werke übernehmen will, bis 2023 wären das 507 Personen. Man wolle eine „gesunde Altersstruktur“ erhalten, heißt es dazu in bestem Managerdeutsch. „Die Alten sollen raus, die Jungen rein“, verlautet es nüchtern aus Konzernkreisen. Netto bleibt der Verlust von rund 6.300 Stellen hierzulande.

Weltweit betrachtet ist der Personalabbau noch signifikanter. Beschäftigte Opel vor zwei Jahren noch rund 38.000 Mitarbeiter rund um den Globus, waren es Ende 2018 kaum mehr als 30.000. Hintergrund der Rosskur sind die nach wie vor im Branchenvergleich sehr hohen Kostenstrukturen bei Opel. Die hessische Traditionsfirma hat zwei Jahrzehnte lang Verluste geschrieben.

Im vergangenen Jahr konnte erstmals wieder ein Betriebsgewinn von 283 Millionen Euro erzielt werden. Die Umsatzrendite lag bei 1,5 Prozent. Bereinigt man das Ergebnis um Sondereffekte klettert die Marge zwar auf 4,7 Prozent. In der Autoindustrie gilt aber eine Rendite von sechs Prozent als notwendig, um den eigenen Fortbestand dauerhaft absichern und in die Zukunft investieren zu können. Davon sind die Hessen noch weit entfernt.

Für die nachhaltige Sanierung von Opel ist Wachstum vonnöten. Beim Absatz, also der klassischen Währung der Autoindustrie, fallen die Hessen aber weiter zurück. Von Anfang Januar bis Ende Mai verkaufte die Marke mit dem Blitz nur noch rund 393.000 Pkw in Europa. Das ist ein Minus von fast drei Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Seit der Übernahme durch PSA ist der Marktanteil von Opel in Europa von 6,3 auf 5,7 Prozent geschrumpft. Zuletzt konnte Opel zwar ein weiteres Absacken der Pkw-Marktanteile verhindern, aber Mengenwachstum ist nach wie vor nicht in Sicht.

Immerhin: In einem Nischensegment kann Opel neuerdings punkten. Bei leichten Nutzfahrzeugen, also etwa Transportern für Handwerker, steht seit Jahresbeginn ein Absatzplus. Opel verkaufte in den ersten fünf Monaten dieses Jahr fast 44.000 leichte Nutzfahrzeuge in Europa. Das ist ein Zuwachs von rund 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Beim Gesamtabsatz, also Pkw und leichte Nutzfahrzeuge zusammengerechnet, liegt Opel in diesem Jahr aber nach wie vor mit gut einem Prozent im Minus.

Mehr: Opel startet eine Offensive bei den E-Autos. Das erste Modell ist der elektrische Corsa. Der Autobauer versucht damit die Wende zu bekommen.

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