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Personalvorständin Janina Kugel Bewährungsprobe für den Siemens-Popstar

Janina Kugel hat bei Siemens eine steile Karriere hingelegt. Nun muss sie ihre bislang schwerste Aufgabe bewältigen: Tausende von Stellen sollen abgebaut und Werke geschlossen werden. Dabei hat sie im Konzern viele Fans.
16.11.2017 - 19:34 Uhr Kommentieren
Das Vorstandsmitglied von Siemens hat viel Erfahrung mit Sanierungen. Quelle: picture alliance/dpa
Janina Kugel

Das Vorstandsmitglied von Siemens hat viel Erfahrung mit Sanierungen.

(Foto: picture alliance/dpa)

Als Janina Kugel ihre Karriere bei Siemens 2001 startete, nahm sie in ihren ersten Tagen an einer Besprechung teil. Als der letzte Teilnehmer den Raum betrat, sagte der zu ihr: „Ich hätte meinen Kaffee gern mit Milch.“ Als junge Frau war sie damals eine Ausnahme in der traditionellen Herrenrunde.

Heute würde wohl niemand mehr die Topmanagerin mit einer Assistentin verwechseln. Kugel hat eine steile Karriere hingelegt. Nun hat sie ihre bislang schwerste Aufgabe zu bewältigen: Sie muss Tausende von Stellen abbauen und Werke schließen, ohne das Verhältnis mit den Arbeitnehmervertretern endgültig zu zerrütten.

Die waren bislang mit der Zusammenarbeit eher zufrieden. Sie sei in der Regel eine faire Verhandlungspartnerin gewesen, heißt es. Doch der Streit um die Standortgarantien belastet das Verhältnis nun schwer. „Wir werden diese Maßnahmen sorgfältig, umsichtig und langfristig anlegen“, verspricht sie.

Siemens-Chef Joe Kaeser traut ihr die Aufgabe zu, schließlich habe sie ja Ähnliches schon einmal als Personalleiterin von Siemens in Italien bewältigt. „Wer es in Italien kann, kann es überall.“ Ganz spannungsfrei soll das Verhältnis zwischen Kugel und dem Siemens-Chef laut Insidern nicht sein. „Die beiden kommen miteinander klar, doch sie rauschen auch schon mal aneinander“, sagt ein Kenner des Konzerns.

Kaeser sei eine dominante Persönlichkeit, die Arbeitsdirektorin ebenfalls selbstbewusst und unabhängig. Sie wird zwar gebraucht für die schwierige Anpassung der Kapazitäten. Gleichzeitig würde die gut vernetzte Managerin bei ihren Qualifikationen problemlos auch andere attraktive Angebote bekommen, ist ein Personalberater überzeugt.

Nach dem Volkswirtschaftsstudium in Mainz und Verona und einem ersten Job bei einer Unternehmensberatung fing sie 2001 bei Siemens an und stieg in den Strategie- und Personalabteilungen rasch auf. Nach der Zeit in Italien machte sie Station bei Osram und hatte auch dort eine Sanierung mit der Streichung von vielen Arbeitsplätzen zu bewältigen. Bald danach folgte sie Kaesers Ruf zurück zu Siemens.

Bei Siemens ist Kugel so was wie ein Popstar. Sie hat viele Fans. In dieser Woche trat sie in Jeans und schwarzer Lederjacke bei einer internen Veranstaltung auf und löste Begeisterung aus. Sie hat viele Talente um sich geschart, Männer wie Frauen, die teilweise von der Zusammenarbeit schwärmen. Der Umgangston ist locker, die Dienstwege sind kurz. Konservativeren Geistern sind ihre vielen Auftritte und Aktionen – etwa ein Siemens-Truck am Christopher Street Day – eher suspekt.

Kugel bediene genau die modernen Themen, für die Siemens laut Kaeser stehen solle, sagt ein Personalberater. Doch sei der Unterbau der Personalabteilung nach vielen Wechseln relativ schwach. „Das ist jetzt ihr Lackmustest. Das kann für sie auch gefährlich werden.“

Diversität ist eines von Kugels Themen. Sie will den Talentpool von Siemens noch besser nutzen. Über ihr Privatleben spricht sie allenfalls, wenn es für ihre Themen wichtig ist – wie zum Beispiel in Sachen Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Als ihre Zwillinge kleiner waren, sei sie in der Regel zum Abendessen daheim gewesen, berichtete sie einmal. Schliefen die Kinder, ging die Arbeit weiter.

Auch wenn es um ihre Herkunft geht, ist die Managerin verschlossen. Ihre Kindheit war aber wegen ihrer Hautfarbe nicht immer einfach. Einmal sei sie mit fünf Jahren vom Kindergarten nach Hause gegangen, und Kinder riefen der gebürtigen Deutschen „Negerlein“ hinterher. „Das hat wehgetan.“

Doch sie habe auch gelernt: Anders zu sein bedeute nicht, dass man ein Opfer ist. Am Anfang sei man zwar oft ein Außenseiter und müsse härter arbeiten. Doch sehe man Dinge, die andere nicht sehen.

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