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Krebsforschung im Labor

Europäische Forschungsinstitutionen sind laut einer Studie im Bereich der Onkologie weniger produktiv als die Konkurrenz im Westen und Osten.

(Foto: mauritius images / Cultura)

Pfizer-Studie China und die USA drohen Europa bei der Krebsforschung abzuhängen

In der Onkologie fällt Europa laut einer Studie gegenüber Amerika und China zurück. Demnach ist der Rückstand besonders groß im Bereich der Zelltherapien.
07.01.2020 - 16:31 Uhr 1 Kommentar

Frankfurt Die Forschung in Deutschland und Europa ist stark, doch bei der Kommerzialisierung liegt einiges im Argen. So lautet ein gängiger Befund, wenn es um die Biotechnologie und Pharmaforschung in den EU-Staaten geht.

Aber womöglich ist selbst diese Sicht der Dinge noch zu optimistisch. Auch in der Arzneimittelforschung droht Europa immer stärker gegenüber den USA zurückzufallen – und mittlerweile auch noch gegenüber China.

Das jedenfalls legt eine Analyse nahe, die das Wiener Forschungsinstitut FAS im Auftrag des Pharmariesen Pfizer mit Blick auf die Situation in der Krebsforschung erstellt hat. Europäische Forschungsinstitutionen sind danach weniger produktiv als die Konkurrenz im Westen und Osten.

Sie sind zudem zu wenig untereinander vernetzt und zu einseitig auf den Austausch mit den USA ausgerichtet, so das Ergebnis. „Tendenziell droht damit ein einseitiger Abfluss von Wissen und Ideen, die dann in den USA ökonomisch verwertet werden“, sagt Harald Katzmair, der FAS Research leitet und die Studie maßgeblich mit betreute. Die Globalisierung der Onkologieforschung, glaubt Katzmair, läuft damit zusehends auf ein Duopol aus den USA und China hinaus, gegenüber dem sich Europa zur „Semiperipherie“ entwickelt.

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    Der FAS-Chef vermutet, dass dieser Trend über die Onkologie hinaus auch für andere Bereiche gilt, auch wenn das in der Analyse nicht explizit untersucht wurde. Die bisherigen Anstrengungen, ein kohärentes Ökosystem für Forschung und Vermarktung aufzubauen, seien nicht ausreichend.

    Ähnlich kritisch sieht man es bei Pfizer. Andreas Penk, der das europäische Onkologiegeschäft des US-Konzerns verantwortet, fordert: „Europa muss dringend die medizinische Forschung, die Translation und die Wertschöpfung aus Wissen stärken, will es nicht zwischen den großen Akteuren aus den USA und Asien zum Importeur medizinischer Innovationen werden.“

    Im Prinzip werde in Europa zwar nach wie vor sehr gute Forschung gemacht. Aber man sei nicht in der Lage, daraus entsprechenden Nutzen für Europa zu generieren. „Wir laufen Gefahr, dass wir die Grundlagenforschung abgeben und sie dann später wieder als fertig entwickelte, teure Medikamente einkaufen.“
    Auch andere Branchenvertreter warnen vor einem wachsenden Rückstand Europas in der Pharmaforschung. „Wir haben auf der akademischen Seite sehr starke Player und auch positive Beispiele im Biotechbereich“, sagt etwa Merck-Chef Stefan Oschmann: „Aber wir sehen auch, dass in der Masse in USA und China deutlich mehr passiert.“ Der Darmstädter Konzern zählt dabei selbst zu jenen Pharmafirmen, die ihre Krebsforschung mit Erfolg intensivierten. Für zwei seiner Wirkstoffkandidaten vereinbarte er große Allianzen mit den Pharmariesen GSK und Pfizer.

    Zu wenig Erfolgsbeispiele

    Als Indikator für das Erfolgspotenzial der europäischen Forschung gilt auch die Mainzer Biotechfirma Biontech, die eine Palette neuartiger Krebsimmuntherapien in klinischen Tests prüft und seit dem IPO an der amerikanischen Technologiebörse Nasdaq kräftige Kurssteigerungen verbuchte. Doch die Zahl solcher Erfolgsbeispiele ist nach Einschätzung von Fachleuten zu gering.

    Biotech-Investor Thomas Strüngmann, bisher Hauptfinanzier und Mehrheitseigner von Biontech, kritisierte daher jüngst im Handelsblatt-Interview vor allem die ungünstigen finanziellen Rahmenbedingungen für Biotech-Start-ups in Deutschland und Europa. Das finanzielle Ungleichgewicht trägt aus seiner Sicht mit dazu bei, dass Wertschöpfungspotenzial der europäischen Forschung tendenziell abwandert.

    Grafik

    Das FAS-Institut hat seine Untersuchung vor allem auf die Analyse von Netzwerkstrukturen im Bereich der Pharmaforschung konzentriert. Für die Studie analysierte es nach eigenen Angaben unter anderem 185.000 wissenschaftliche Publikationen von 1,5 Millionen Autoren, Patentdatenbanken, fast 100.000 klinische Studien und die Daten von rund 1500 Biotechfirmen rund um den Globus über den Zeitraum von 2013 bis 2018.

    Mehrere Indikatoren deuten nach dieser Analyse auf Schwächen der europäischen Forschungslandschaft im Bereich der Onkologie hin. So sind laut FAS unter den weltweit 30 führenden Krebsforschungszentren – jeweils gemessen an der Zahl der klinischen Studien und Publikationen – lediglich zwei europäische Institutionen vertreten, das schwedische Karolinska-Institut auf Position 24 und das Deutsche Krebsforschungszentrum (DKFZ) in Heidelberg auf Position 28. Auf den vorderen Plätzen finden sich dagegen fast ausschließlich amerikanische und chinesische Zentren.

    Die Idee, dass sich in den USA die Forschung auf wenige Topzentren wie MD Anderson und Harvard konzentriere, ist nach Meinung von Katzmaiers ein Mythos. „Sie haben zusätzlich zu den Topzentren auch in der Breite sehr starke wissenschaftliche Aktivitäten entwickelt. Es gibt kaum eine Stadt in den USA, wo nicht Geld in ein Krebszentrum investiert wird. Das heißt, sie bauen die Forschungslandschaft nicht nur von oben auf, sondern auch von unten. Dasselbe machen die Chinesen.“

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    Rückstand bei Zelltherapien
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    1 Kommentar zu "Pfizer-Studie: China und die USA drohen Europa bei der Krebsforschung abzuhängen"

    Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

    • Die Liste ist kuerzer, wenn man sich fragt, in welchen Bereichen Deutschland von China und USA noch nicht abgehaengt ist. Betonung auch 'noch'. Da das auch jeder weiss oder zumindest spuert, fluechten sich auch viele in die Wahnvorstellungen Deutschland koenne zumindest das Weltklima retten oder Fluechtlingskrisen loesen, Da Deutschland in den meisten Bereichen nicht mehr mit den USA, China und anderen Staaten konkurieren kann, muss eine welt-rettende Ideologie her, damit man sich nicht ganz nutzlos vorkommt.

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