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Pflanzensaatgut Bayer will zukaufen

Bei Bayer ist derzeit so richtig viel in Bewegung: Der Konzern will im Geschäft mit Pflanzensaatgut und Biotechnologie zu den US-Branchengrößen Monsanto und Dupont aufschließen. Derweil droht großer Ärger von der US-Gesundheitsbehörde.
Bayer will mit Cropscience wachsen. Quelle: dpa

Bayer will mit Cropscience wachsen.

(Foto: dpa)

HB MONHEIM. Dazu hat die Tochter Cropscience des Leverkusener Konzerns in den kommenden Jahren auch Zukäufe im Visier, wie Spartenchef Friedrich Berschauer und sein Strategievorstand Rüdiger Scheitza sagten. Die Geschäfte mit Pflanzenschutzmitteln und Gentechnik-Saatgut sollen künftig enger zusammenrücken, wie die Manager betonten.

„Wir sind felsenfest davon überzeugt, dass man Pflanzenschutz, Saatgut und Biotechnologie kombinieren muss“, sagte Cropscience-Chef Berschauer. Im klassischen Agrarchemiegeschäft mit Mitteln gegen Unkraut, Pilz- und Insektenbefall streitet sich Bayer schon seit Jahren mit dem Schweizer Syngenta-Konzern um die Spitzenposition. Im Saatgutgeschäft belegen Monsanto und DuPont weltweit die ersten beiden Plätze, Bayer ist hier Nummer Sechs. „Wir haben das mutige Ziel, in zehn Jahren die Nummer Drei oder Nummer Vier im Weltsaatgutgeschäft zu werden“, sagte Strategievorstand Scheitza. Ohne Zukäufe werde das nicht gehen. Dies seien allerdings keine Milliardenübernahmen, da im Saatgut-Geschäft eher kleinere Firmen unterwegs seien.

Bis 2018 soll der Biotech- und Saatgutumsatz auf 1,4 Mrd. Euro mehr als verdreifacht werden. Im vergangenen Jahr waren es noch 452 Mio. Euro, dieses Jahr könnte Berschauer zufolge die Umsatzschwelle von 500 Mio. Euro geknackt werden. Um das Umsatzziel zu erreichen, will die Bayer-Tochter bis 2018 rund 3,5 Mrd. Euro für Forschung und Infrastruktur im Saatgut- und Biotechnologiegeschäft investieren. Bayer traut dem Weltmarkt für Saatgut und Pflanzenbiotechnologie in den kommenden Jahren ein Wachstum von im Schnitt sechs Prozent zu. Aktuell hat der Markt ein Volumen von rund 18 Mrd. Euro.

Für den klassischen Agrarchemiemarkt lägen die Wachstumsraten dagegen voraussichtlich nur zwischen ein und zwei Prozent. Dies liegt Berschauer zufolge auch daran, dass immer mehr Generika, etwa aus China, auf den Markt kommen. Zudem würden Biotech-Pflanzen zum Teil Pestizide ersetzen können.

Für das aktuelle Geschäft ist Bayer Cropscience verhalten optimistisch gestimmt, obgleich kein Boomjahr erwartet wird wie noch 2008. Das für 2009 ausgegebene Margenziel einer operativen Rendite vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen und Sondereinflüssen (Ebitda-Marge) von 25 Prozent bezeichnete Berschauer als ambitioniert. „Es wäre falsch zu sagen, wir können das nicht schaffen, aber wir müssen auch sagen, das wird kein Spaziergang“, sagte Berschauer.

Für das zweite Halbjahr, in dem das Geschäft in der Südhalbkugel in den Vordergrund rückt, rechnet er im wichtigen Lateinamerika-Markt mit eher stabilen Preisen und einer positiven Volumenentwicklung. Bayer Cropscience erzielt traditionell den Löwenanteil seines Ergebnisses im ersten Halbjahr, wenn das Geschäft vor allem in der Nordhalbkugel stattfindet. Zuletzt erzielte Bayer Cropscience drei Viertel seines operativen Jahresergebnisses (Ebitda) vor Sondereinflüssen in den ersten sechs Monaten.

Derweil droht Bayer Unheil aus Übersee: Die US-Gesundheitsbehörde FDA hat Bayer zur Verbesserung von Tests eines wichtigen Wirkstoffes ermahnt. In einem Schreiben vom 5. August, das am Dienstagabend auf der Internetseite der FDA veröffentlicht wurde, bemängelt die US-Behörde ein Problem mit dem Wirkstoff Drospirenon im Bayer-Werk Bergkamen. Drospirenon ist ein maßgeblicher Bestandteil der Verhütungsmittel Yaz und Yasmin. Mit der Produktfamilie um die Antibabypille Yasmin hatte Bayer im vergangenen Jahr weltweit rund eine Milliarde Euro Umsatz erzielt.

Zwei Mitarbeiter der FDA, Jose Cruz und Miguel Martinez, hatten sich Anfang März eine gute Woche lang im Bayer-Werk in Bergkamen umgesehen. Dabei seien sie auf eine Testmethode gestoßen, die von dem US-Standard abweicht, heißt es in dem Schreiben. Laut FDA stützt sich Bayer bei der Qualitätsprüfung von Drospirenon nicht auf individuelle Ergebnisse, sondern auf einen von mehreren Proben gewonnenen Durchschnittswert. „Alle von der FDA beanstandenden Punkte haben nach unserem derzeitigen Kenntnisstand keinen Einfluss auf die Wirksamkeit und Sicherheit der Produkte“, sagte eine Bayer-Sprecherin auf Anfrage.

Die amerikanische Zulassungsbehörde kündigte nach Angaben des Nachrichtensenders CNN an, den Import zu bremsen, sollte Bayer sich nicht um eine Korrektur des Problems bemühen.

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