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Pharma-Branche Pfizer sagt Astra-Zeneca-Übernahme ab – vorerst

Die größte Fusion in der Geschichte der Pharma-Branche ist vorerst gescheitert. Pfizer will keine neue Offerte für den britischen Rivalen Astra-Zeneca vorlegen. Völlig vom Tisch ist eine Fusion allerdings nicht.
Update: 26.05.2014 - 18:27 Uhr Kommentieren
Astra-Zeneca bleibt vorerst eigenständig. Quelle: Reuters

Astra-Zeneca bleibt vorerst eigenständig.

(Foto: Reuters)

London/New York Der Viagra-Hersteller Pfizer gibt sich im milliardenschweren Übernahmepoker um den britischen Rivalen Astra-Zeneca vorerst geschlagen. Wie erwartet teilte der US-Konzern am Montag mit, dass man nach der Absage der Briten an die jüngste Offerte in Höhe von rund 118 Milliarden Dollar keine weiteren Schritte unternehmen werde. Völlig vom Tisch ist eine mögliche Fusion damit allerdings nicht.

Pfizer hatte nur bis Montag Zeit, eine weitere Offerte abzugeben. Die Amerikaner hatten zuletzt eine feindliche Übernahme ausgeschlossen. Der Viagra-Hersteller wäre zusammen mit Astra-Zeneca zum weltgrößten Pharma-Konzern aufgestiegen und hätte damit den Schweizer Konkurrenten Novartis vom Thron gestoßen.

Zwar muss Pfizer nach britischem Recht nun mindestens sechs Monate lang die Füße stillhalten – allerdings könnte Astra-Zeneca schon Ende August die Verhandlungen neu beleben. In diese Richtung sollen einige Großaktionäre das Management bereits gedrängt haben. Die „Financial Times“ hatte vergangene Woche berichtet, dass unter anderem der Vermögensverwalter Blackrock als größter Investor bei Astra-Zeneca eine Rückkehr an den Verhandlungstisch forciert.

Astra-Zeneca begrüßte den Rückzug der Amerikaner. Das Unternehmen werde auch ohne eine Fusion den Umsatz in den nächsten Jahren deutlich steigern können, bekräftigte der Astra-Zeneca-Verwaltungsratsvorsitzende Leif Johansson. Außerdem habe der Konzern genüg potenzielle Kassenschlager in der Pipeline. Pfizer hatte sich von dem Zukauf vor allem Steuervorteile und signifikante Kostensenkungen versprochen. Astra-Zeneca hat auch vielversprechende Krebsmittel in der Entwicklung.

Pfizer hatte zuletzt 69,4 Milliarden Pfund (85,2 Milliarden Euro) oder 55 Pfund je Aktie geboten. Trotz eines bereits kräftigen Aufschlags auf den vorherigen Aktienpreis forderten die Briten 59 Pfund und lehnten ab. Das soll nicht allen Investoren gepasst haben, für einige wäre das Angebot eine gute Gelegenheit zum Ausstieg gewesen. Beide Pharmariesen stehen unter Druck, weil demnächst ihr Patentschutz für wichtige Medikamente abläuft.

Die größten Deals in der Pharma-Branche
Platz 9 – Roche für Genentech – 47 Milliarden Dollar (2008)
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Das Schweizer Pharmaunternehmen Hoffmann-La Roche sicherte sich 2008 für 46,7 Milliarden Dollar die amerikanische Biotech-Firma Genentech. Die Übernahme gilt als Glückgriff, da Roche als weltweit führender Produzent von Krebsmedikamenten von der Genforschung Genentechs profitiert. Roches bekanntes Vogelgrippe-Medikament Tamiflu (hier im Bild) hingegen stand mehrfach in der Kritik. Der Schweizer Konzern soll Studien zur Wirksamkeit des Medikaments manipuliert haben.

(Foto: Reuters)
Platz 8 – Pfizer für Pharmacia – 61 Milliarden Dollar (2002)
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Pfizer zum Ersten: 60,7 Milliarden Dollar in Aktien ließ sich der US-Pharmakonzern im Jahr 2002 die Übernahme des schwedischen Unternehmens Pharmacia kosten. Da nach der Fusion das Haarwuchsmittel Rogaine und die Potenzpille Viagra von einem Unternehmen hergestellt wurden, scherzte der damalige Pfizer-Chef Hank McKinnell (l.): „Rogaine und Viagra zusammen, was kann sich ein Mann mehr wünschen“.

(Foto: ap)
Platz 7 – Pfizer für Wyeth – 65 Milliarden Euro (2009)
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Pfizer zum Zweiten: Rund 64,5 Milliarden Dollar bezahlten die New Yorker für Wyeth, das zum Zeitpunkt des Kaufs ebenfalls zu den zehn größten Pharmaunternehmen der Welt zählte. Mit der Übernahme baute Pfizer sein Portfolio aus, vor allem in Richtung Impfstoffe und Biotechnologie.

(Foto: AFP)
Platz 6 – Sanofi für Aventis – 65,6 Milliarden Dollar (2004)
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Nur auf dem Papier eine Fusion unter Gleichen: Für gut 65,6 Milliarden Dollar übernimmt der französische Pharmakonzern Sanofi-Synthélabo das deutsch-französische Unternehmen Aventis. Es entsteht Sanofi-Aventis, der größte Medizinhersteller Europas. Die Fusion gilt als kurios, da Sanofi-Synthélabo vor der Übernahme deutlich kleiner als Aventis war. Später legte der Konzern mit Sitz in Paris den Beinamen Aventis wieder ab. Sanofi ist heute Weltmarktführer für Impfstoffe.

(Foto: ap)
Platz 5 – Actavis für Allergan – 66 Milliarden Dollar (2014)
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Lange hatte sich der Botox-Hersteller Allergan gegen eine Übernahme durch den kanadischen Wettbewerber Valeant gewehrt. Dann schlug die Stunde von Actavis: Der amerikanische Branchenriese und Allergan einigten sich auf den Deal. Allergan wehrte dadurch die feindliche Übernahme durch Valeant ab. Für Actavis war der Zukauf ein Kraftakt, der Konzern war selbst kaum größer als sein Übernahmeziel.

(Foto: AFP)
Platz 4 – Abbott Laboratories spaltet sich auf – 67 Milliarden Dollar (2011)
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Das amerikanische Pharmaunternehmen Abbott Laboratories spaltete rund 66,6 Milliarden Dollar seines Kapitals in Aktien ab und lagert es zunächst in eine Tochtergesellschaft aus. Die Medizintechnik und Generikaproduktion wurde unter dem Namen „Abbott“ weitergeführt, die Sparten Spezialmedikamente und Biotechnologie hingegen unter dem neuen Namen „AbbVie“ ausgegliedert. Auch Abbotts Flaggschiff, das Arthritis-Medikament Humira, ging auf die neue Gesellschaft über. Im Januar 2013 wurde AbbVie schließlich komplett in die Unabhängigkeit entlassen und wird seitdem an der Wall Street unter dem Kürzel „ABBV“ gelistet.

(Foto: Reuters)
Platz 3 – American Home Products für Warner-Lambert I – 76 Milliarden Dollar (1999)
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Rund 75,5 Milliarden Dollar betrug das Volumen bei der freundlichen Übernahme des amerikanischen Hygienekonzerns Warner-Lambert durch American Home Products (AHP). Dem Hygienekonzern gehörten seinerzeit unter anderem die Marken Wilkinson Sword und Listerine. Doch AHP überhob sich: Als der Deal schon als perfekt galt, betrat US-Branchenriese Pfizer die Bühne. Er unterbreitete den Aktionären von Warner-Lambert seinerseits ein feindliches Übernahmeangebot – und erhielt den Zuschlag. Eine Strafzahlung von 1,8 Milliarden Dollar von Pfizer versüßte AHP die Niederlage aber zumindest etwas.

(Foto: ap)
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  • dpa
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