Pharma in Deutschland Sanofi wächst am Standort Frankfurt

Im kommenden Jahr soll die Konsumarzneimittelsparte von Boehringer mit 400 Mitarbeitern an den Standort Frankfurt-Hoechst wechseln. Sanofi würde damit zum Marktführer in diesem Bereich aufrücken.
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Im kommenden Jahr gilt es 400 neue Mitarbeiter von Boehringer Ingelheim in die deutsche Organisation von Sanofi und am Standort Hoechst zu integrieren. Quelle: Martin Joppen - Sanofi
Industriepark Höchst

Im kommenden Jahr gilt es 400 neue Mitarbeiter von Boehringer Ingelheim in die deutsche Organisation von Sanofi und am Standort Hoechst zu integrieren.

FrankfurtTrotz Einbußen beim wichtigsten Produkt Lantus: Die Deutschlandtochter des französischen Pharmakonzerns Sanofi wird in diesem Jahr erneut zulegen. Das sagte der neue Deutschlandchef Clemens Kaiser im Gespräch mit Journalisten in Frankfurt. „Wir wachsen in Deutschland leicht stärker als der Markt“, so Kaiser. Der Arzneimittelumsatz hier zu Lande ist nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts Quinteles IMS Health in den ersten neun Monaten dieses Jahres um drei Prozent gewachsen.

Kaiser führt die deutsche Sanofi seit September dieses Jahres. Sein Vorgänger Martin Siewert, seit 2008 Vorsitzender der Geschäftsführung von Sanofi in Deutschland, wechselte in den Aufsichtsrat. Kaiser blickt auf 30 Jahre Erfahrung im Pharmageschäft zurück, den größten Teil davon beim Bayer-Konzern. Zu Sanofi nach Paris kam er im Juli 2014, seit Anfang 2016 leitet er den Geschäftsbereich General Medicines in Deutschland, zu dem unter anderem die freiverkäuflichen Arzneimittel und Generika des Unternehmens gehören. Diesen Bereich führt er auch als Geschäftsführungsvorsitzender weiter und wird im kommenden Jahr die Aufgabe haben, rund 400 neue Mitarbeiter von Boehringer Ingelheim in die deutsche Organisation und am Standort Hoechst zu integrieren.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Denn wenn alles so klappt, wie geplant, werden Sanofi und Boehringer Ingelheim dann ihren vor einem Jahr vereinbarten Geschäftseinheitentausch unter Dach und Fach gebracht haben: Sanofis Tiermedizinsparte Merial wandert zu Boehringer und die freiverkäuflichen Arzneimittel von Boehringer zu Sanofi. Der französische Konzern wird dann in diesem Bereich weltweit von Position fünf zum Marktführer aufrücken. Damit würden die Franzosen vor dem Bayer-Konzern liegen, der sich hier mit dem Consumer-Portfolio des amerikanischen Merck-Konzerns verstärkt hat sowie Johnson & Johnson. „Mit Boehringer gewinnen wir auch in Deutschland an Masse“, sagt Kaiser, die in diesem Bereich für den Konzern noch viele Chancen sieht.

Sanofi Deutschland erzielte im vergangenen Jahr rund 3,75 Milliarden Euro Umsatz. Wobei der Großteil, nämlich 2,8 Millliarden Euro, mit dem Export von Wirkstoffen und Fertigarzneimitteln gemacht wird – allen voran das Insulin Lantus. Frankfurt ist der Diabetes-Standort des Konzerns, hier ist die Forschung und Entwicklung für diesen Bereich angesiedelt, hier wird für den Weltmarkt Insulin produziert. Sanofi hatte in den vergangenen Jahren rund 1,8 Milliarden Euro in den Ausbau des Standorts investiert, allein in diesem Jahr beliefen sich die Investitionen in Sachanlagen auf 173 Millionen Euro. Der Konzern ist 2004 aus der Fusion von Sanofi-Synthélabo und Aventis entstanden. Letzterer war fünf Jahre zuvor aus dem Zusammenschluss der Hoechst AG mit dem französischen Pharma- und Chemiekonzern Rhône Poulenc gebildet worden. Deshalb ist der Standort Frankfurt Hoechst heute so bedeutsam für Sanofi, das Insulin Lantus ist in den Laboren der Hoechst AG entwickelt worden.

Der Patentablauf von Lantus macht sich nach den Worten von Sanofi-Deutschlandchef Kaiser wirtschaftlich bemerkbar, aber nicht bei der Herstellungsmenge. Und da der Bedarf an Medikamenten für Diabetiker in Zukunft weiter steigen werde, rechnet Kaiser auch mit einer weiteren Erhöhung der Kapazitäten. Günstige Nachahmerprodukte und Preisdruck auf dem US-Markt haben den weltweiten Umsatz von Lantus in den ersten neun Monaten des Jahres um elf Prozent auf 4,3 Milliarden sinken lassen. Das neu auf den Markt gebrachte Insulin Toujeo konnte aber mit einem Umsatz von mehr als 400 Millionen Euro den Verlust von Lantus fast ausgleichen.

Als Nachahmerprodukt zu Lantus ist seit einigen Monaten ein Insulin von Boehringer Ingelheim und Lilly auf dem Markt. Eine Konkurrenz, die Sanofi in Deutschland merke, räumte Kaiser ein. Nach Berechnungen des Marktforschungsinstituts Insight Health hatte das Nachahmerprodukt in Deutschland gemessen an den verordneten Therapien in den ersten neun Monaten einen Anteil rund drei Prozent erreicht. Sanofi kommt aber mit neuen Diabetesprodukten voran: Gerade hat die amerikanische Zulassungsbehörde das neue Mittel Soliqua zugelassen. Das Mittel soll auch in Frankfurt produziert werden.

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