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Pharmabranche Alexion-Übernahme krönt die Karriere von Astra-Zeneca-CEO Pascal Soriot

Der Franzose hat den britischen Konzern wieder auf Erfolgskurs gebracht und eröffnet mit der großen Übernahme neues Wachstumspotenzial.
14.12.2020 - 17:38 Uhr Kommentieren
Der Astra-Zeneca-Chef hat den britischen Konzern wieder auf Erfolgskurs gebracht. Quelle: AP
Pascal Soriot

Der Astra-Zeneca-Chef hat den britischen Konzern wieder auf Erfolgskurs gebracht.

(Foto: AP)

Frankfurt Vor mehr als sechs Jahren war er der Gejagte – Pascal Soriot, Chef von Astra-Zeneca, dem britisch-schwedischen Arzneimittelhersteller, den der weltgrößte Pharmakonzern Pfizer 2014 für die Rekordsumme von rund 117 Milliarden Dollar übernehmen wollte. Doch Soriot ließ sich damals nicht darauf ein, in konkrete Gespräche mit dem US-Branchenriesen einzusteigen, und hielt auch dem Druck der Investoren stand, das mehrmals erhöhte Angebot anzunehmen. Soriots Überzeugung: Das von ihm geführte Unternehmen habe genug Potenzial, aus eigener Kraft kräftig wachsen zu können.

Der Franzose hat recht behalten. Und mehr noch: Heute ist er der Jäger. Am Wochenende gab Astra-Zeneca die 39 Milliarden Dollar schwere Übernahme des US-Konzerns Alexion bekannt. Der zwischen beiden Unternehmen fest vereinbarte Deal ist die bisher größte Pharmaübernahme des Jahres und die sechstgrößte Übernahme in der Branche in den letzten zehn Jahren.

Soriot nutzt dabei die aktuell hohe Bewertung von mehr als 135 Milliarden Dollar, um einen Teil der Kaufsumme in Aktien zu zahlen und die Verschuldung damit in Grenzen zu halten. Der Manager ist in einer komfortablen Situation, denn der Wert des Unternehmens mit zuletzt 24 Milliarden Dollar Jahresumsatz ist im Vergleich zum Zeitpunkt der ersten Pfizer-Avancen Anfang 2014 um rund das Doppelte gestiegen.

Das ist vor allem das Werk des seit Herbst 2012 als Astra-Zeneca-Chef amtierenden Soriot. Der 61-jährige Veterinärmediziner mit MBA fand einen Pharmakonzern ohne Wachstumsperspektive vor, der den milliardenschweren Patentabläufen seiner Blockbuster ohne aussichtreiche neue Produktkandidaten entgegenlief. Und er hat mittlerweile einen der am stärksten wachsenden Pharmaplayer geschaffen. Dank eines sehr starken Produktportfolios im Bereich Onkologie und Diabetes trauen Analysten dem Konzern in den nächsten Jahren Wachstumsraten von acht Prozent und mehr zu. Und der Alexion-Zukauf ist dabei noch nicht eingerechnet.

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    Soriot traf nach seinem Start bei Astra-Zeneca klare aber auch einschneidende Entscheidungen. Er legte ein Sparprogramm auf, ordnete die Pharmaforschung neu und schuf zwei Biotech-Organisationen, die sich vor allem darauf konzentrieren sollten, Medikamente in den früheren Phasen weiterzuentwickeln. Zudem bündelte der Konzern seine Forschung auf die Therapiefelder Herz-Kreislauf- und Stoffwechselerkrankungen, Krebs sowie Atemwegs- und Autoimmunerkrankungen.

    Nachschub für die Produktpipeline

    Die Strategie der Fokussierung ergänzte Soriot durch kleinere und größere Zukäufe: Ende 2013 erwarb Astra-Zeneca die Diabetessparte von Bristol-Myers Squibb, 2014 die Atemwegsmedikamente des spanischen Wettbewerbers Almirall und 2015 die des US-Wettbewerbers Actavis. Im Gegenzug wurde unter anderem das Antibiotikageschäft an Pfizer verkauft.

    Mit dem Kauf von Alexion, das zuletzt rund fünf Milliarden Dollar Umsatz erzielte, steigt Astra-Zeneca nun im großen Stil in den Bereich seltene Erkrankungen ein. Astra-Zeneca setzt darauf, dass die von Alexion entwickelte Technologie wichtigen Nachschub für die künftige Produktpipeline von Astra-Zeneca bringen wird.

    Soriot hat mehr als drei Jahrzehnte Erfahrung in der Pharmabranche. Seine Karriere startete er beim französischen Pharmakonzern Roussel Uclaf, arbeitete für Hoechst in Australien und Japan, Aventis und Genentech in den USA und bei der Schweizerischen Roche. Von dort aus wechselte er vor mehr als acht Jahren nach Cambridge zu Astra-Zeneca.

    Mit dem Rucksack nach Hamburg

    Mit der Übernahme von Alexion könnte Soriot seine erfolgreiche Arbeit beim britischen Pharmakonzern krönen. Allerdings gilt er als unprätentiös, sodass er solche Symbolik bei seinen Handlungen wohl nicht im Sinn hat. Seine Besuche in der deutschen Dependance bei Hamburg jedenfalls erledigte er immer ganz ohne CEO-Allüren, allein, ohne Entourage und mit Rucksack über der Schulter.

    Auch bei den aktuellen Präsentationen zum Covid-19-Impfstoff, der Astra-Zeneca weltweit bekannter gemacht hat, lässt er vor allem die Entwickler der Oxford-Universität zu Wort kommen. Er selbst bleibt eher im Hintergrund, auch wenn klar ist, dass weitreichende Entscheidungen nicht ohne ihn getroffen werden. Etwa die Frage, ob die Studie neu aufgesetzt werden soll, weil sie bisher zweigeteilte Ergebnisse bringt.

    Auch wenn hier noch keine Entscheidung gefallen ist, eine hat Soriot, der Mediziner, dafür längst getroffen: dass der Konzern am Impfstoff in der Pandemie nicht verdienen, sondern ihn zum Selbstkostenpreis abgeben will.

    Mehr: Das sind die wichtigsten Hersteller von Corona-Impfstoffen.

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