Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Pharmabranche Kanadier übernehmen deutschen Cannabis-Händler Farmako

Der kanadische Konzern Agraflora erwirbt das Start-up für 15 Millionen Euro. Serien-Gründer Sebastian Diemer bleibt an Bord.
Kommentieren
Noch immer wird medizinisches Cannabis in Deutschland ausschließlich importiert. Quelle: dpa
Cannabis-Pflanze

Noch immer wird medizinisches Cannabis in Deutschland ausschließlich importiert.

(Foto: dpa)

Frankfurt Turbulente Zeiten liegen hinter Sebastian Diemer, dem Mehrheitseigner des Start-ups Farmako. Nachdem schon über ein Scheitern des Vertriebsspezialisten für medizinisches Cannabis spekuliert wurde, gelang ihm nun der Exit.

Der viertgrößte Cannabisproduzent aus Kanada, Agraflora, wird Farmako übernehmen, wie am Freitagabend bekannt wurde. „Wir stufen Deutschland schon lange als einen der spannendsten Märkte der Welt für medizinisches Cannabis ein“, so der Chef von Agraflora, Brandon Boddy. Farmako ist nach eigenen Angaben der drittgrößte unabhängige Großhändler für pharmazeutisches Cannabis in Deutschland,

Die Übernahme hat ein Volumen von 15 Millionen Euro, der zum größten Teil aus einem Aktientausch bestehen wird. Rund 11,4 Millionen Euro entfallen auf den Aktiendeal, 3,6 Millionen Euro beträgt die Barkomponente. Zudem wird Agraflora Gesellschafterdarlehen ablösen und Farmako mit frischem Kapital ausstatten.

Diemer, der unter anderem die Unternehmen Kreditech und Finiata gegründet hat, wird bei dem 2018 gegründeten Unternehmen an Bord bleiben. Er soll Farmako aks künftige Vertriebsgesellschaft von Agraflora in Deutschland und Europa weiterhin führen. „Dazu habe ich mich für die nächsten Jahre vertraglich verpflichtet“, so der 32-Jährige gegenüber dem Handelsblatt.

„Für mich ist Farmako eine Lebensaufgabe. Ich bin auch operativ mit Herzblut bei der Sache, um europaweit in diesem jungen, äußerst dynamischen europäischen Markt die Nummer eins zu werden“, gab Diemer im April 2019 zu Protokoll. „Das gilt nach wie vor“, bestätigte Diemer nun.

Vor der Übernahme sei man ein Großhändler gewesen, der gucken musste, wo er seine Produkte herbekomme. Dieses Problem sei mit Agraflora nun gelöst. Erstmals wird im kommenden Jahr mit der Lieferung von Agraflora-Produkten gerechnet.

Noch immer wird medizinisches Cannabis in Deutschland ausschließlich importiert. Der Markt gilt als vielversprechend, da Krankenkassen seit 2017 beispielsweise Schmerztherapien mit Cannabis bezahlen. Rund 100.000 Patienten erhalten in Deutschland derzeit Cannabis-Produkte. Das Marktvolumen wird bis Ende 2019 auf rund 70 Millionen Euro geschätzt.

Biosynthese-Geschäft ausgegliedert

Selbst hat Farmako allerdings Schiffbruch erlitten mit dem Versuch, sich 50 Tonnen Cannabis aus Nordmazedonien zu sichern. Gesetzliche Hürden ließen das Projekt scheitern. Schwer zu verstehen war für Investoren die Verbindung von Handel und eigner Forschung von Farmako. „Wir haben den Zeit- und Kapitalaufwand für die Entwicklung neuer Produkte brutalst unterschätzt“, räumt Diemer ein.

Die von den Gründern selbst vorgenommene Bewertung des Unternehmens von 100 Millionen Euro bis 150 Millionen Euro sieht Diemer denn auch im Nachhinein als kritisch an. „Da haben wir aus heutiger Sicht betrachtet den Bogen etwas überspannt“.

Im Juli 2019 zog man Konsequenzen und gliederte das sogenannte Biosynthese-Geschäft in eine separate Gesellschaft unter der Leitung von Heartbeat Labs aus. Im Zuge dieses Prozesses hielt Diemer an der reinen Vertriebsgesellschaft wieder die Mehrheit der Anteile. Dann konnte Kurs auf einen internationalen Exit genommen werden.

„Erst träumt man von einer Milliardenbewertung, dann liegt das Unternehmen zwischendurch am Boden. Zum Schluss gelingt ein internationaler Exit, der auch für mich persönlich bis dato der Größte ist. Das war bislang das verrückteste unternehmerische Jahr für mich“, lautet das Fazit Diemers.

Mehr: Die Gründer von Cansativa steigen jetzt auch in das Geschäft mit Vaporisatoren ein. Erste Produkte sollen 2020 auf den Markt kommen.

Startseite

Mehr zu: Pharmabranche - Kanadier übernehmen deutschen Cannabis-Händler Farmako

0 Kommentare zu "Pharmabranche: Kanadier übernehmen deutschen Cannabis-Händler Farmako"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.