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Pharmabranche Mögliche Fusion von Astra-Zeneca und Gilead trifft auf Skepsis

Ein Zusammenschluss zwischen dem britischen Pharmakonzern und dem Biotech-Unternehmen aus den USA wäre ein Megadeal. Doch Experten glauben nicht daran.
08.06.2020 - 16:36 Uhr Kommentieren
Der Krebsmittelspezialist lotet offenbar eine Fusion mit dem Konkurrenten Gilead aus. Quelle: Bloomberg
Astra-Zeneca

Der Krebsmittelspezialist lotet offenbar eine Fusion mit dem Konkurrenten Gilead aus.

(Foto: Bloomberg)

London, Frankfurt In der Pharmabranche sorgen Spekulationen über einen Milliardendeal für Diskussionen. Der britische Konzern Astra-Zeneca sei vergangenen Monat an das Biotech-Unternehmen Gilead Sciences aus den USA herangetreten, um einen möglichen Zusammenschluss auszuloten, berichtete die Nachrichtenagentur Bloomberg am Sonntag unter Berufung auf Insider.

In der Branche ist man allerdings skeptisch: Zu viele Faktoren sprächen dagegen, dass es tatsächlich zu dieser Fusion, die die bisher größte in der Pharmaindustrie wäre, komme – selbst wenn die Aussicht auf den Deal die Fantasie der Investoren anregt. Durch eine Übernahme von Gilead würde Astra-Zeneca unter die fünf größten Pharmahersteller weltweit aufrücken, mit einem kombinierten Umsatz von etwa 46 Milliarden Dollar im Jahr 2019. Astra-Zeneca erzielte zuletzt Erlöse von 24 Milliarden Dollar, Gilead von 22 Milliarden Dollar.

Astra-Zeneca müsste wohl eine Summe von mehr als 100 Milliarden Dollar für Gilead bieten. Zuletzt wurde das Unternehmen mit 96 Milliarden Dollar bewertet. Besonders Investmentbanker würden sich wohl freuen, wenn eine Transaktion in solchen Dimensionen zustande käme, schließlich gab es in den vergangenen Monaten kaum Fusionen und Übernahmen. Gerade zu Beginn der Coronakrise hatten sich viele Unternehmen um andere Dinge als um die Expansion gekümmert. Astra-Zeneca selbst will sich nicht äußern. „Wir kommentieren keine Gerüchte oder Spekulationen“, sagte ein Unternehmenssprecher auf Handelsblatt-Anfrage.
Tatsächlich gäbe es auch ein paar Faktoren, die für einen solchen Deal sprächen, sagen Pharmaexperten wie Analyst Andrew Baum von Citi. Das fängt schon bei den beiden Hauptakteuren an: Die Firmenchefs, Astra-Zeneca-CEO Pascal Soriot und der seit gut einem Jahr amtierende Gilead-Chef Daniel O’Day, kennen sich bestens aus ihrer gemeinsamen Zeit im Topmanagement des Schweizer Pharmakonzerns Roche.

Unterschiedliche Ausrichtungen

Aus geschäftlicher Sicht gibt es hingegen bei den beiden Unternehmen wenige Überschneidungen: Das stark auf Krebs-, Atemwegs- und Herzkreislauf-Medikamente ausgerichtete Portfolio der Briten würde vielmehr ergänzt durch die umsatzstarken antiviralen Medikamente von Gilead. Der US-Konzern ist auf diesem Gebiet der mit Abstand führende Anbieter – vor allem dank seiner HIV- und Hepatitis-C-Medikamente.

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    Der Versuch von Gilead, auch im Onkologie-Bereich Fuß zu fassen, erwies sich bisher dagegen als weniger erfolgreich. Dafür verfügt Gilead mit seinem Wirkstoff Remdesivir aktuell über das einzige Medikament, das zumindest eine gewisse Wirkung gegen Covid-19 gezeigt hat. Astra-Zeneca arbeitet ebenfalls an einem Impfstoff gegen das Coronavirus. Zusammen mit der Universität Oxford wollen die Briten noch in diesem Jahr einen wirksamen Impfstoff herstellen, Tests an Menschen laufen bereits.

    Genau dieses starke und zeitintensive Engagement beider Pharmafirmen in der Coronakrise ist einer der Hauptgründe, weswegen Analysten und Insider skeptisch sind, dass es zu einem Zusammenschluss kommen könnte. Astra-Zeneca sei schon vor der Coronakrise mit vielen Projekten beschäftigt gewesen, nun setze das Unternehmen viel daran, möglichst rasch einen Impfstoff gegen Covid-19 auf den Markt zu bringen, heißt es in der Branche. Zudem sei es nicht einfach, einen solch großen Deal ohne die Möglichkeit persönlicher Gespräche einzufädeln. Und schließlich wäre eine solche Transaktion derzeit hochpolitisch.

    Politische Brisanz

    So dürfte die US-Regierung die Übernahme eines inländischen Biotech-Unternehmens, das Mittel gegen das Coronavirus entwickelt, blockieren, meint etwa Citi-Analyst Baum. Und auch vonseiten der Londoner Regierung dürfte ein Deal auf Hindernisse stoßen. Schon als Astra-Zeneca vor einigen Jahren selbst Übernahmeziel war, hatten britische Politiker Bedenken angemeldet. Und die Coronakrise hat in Großbritannien das Gefühl verstärkt, dass einige Unternehmen und Branchen lieber unter eigener Kontrolle sein sollten.

    Aber das ist nicht der einzige Grund, der Analysten skeptisch stimmt. Dass das Unternehmen mit Sitz im britischen Universitätsstädtchen Cambridge einen Deal anstößt, wäre ungewöhnlich, weil der Konzern in den vergangenen zwei Jahrzehnten weitgehend auf Übernahmen verzichtete und zudem derzeit organisch sehr stark wächst.

    Anders als fast alle etablierten Pharmahersteller versuchte Astra-Zeneca nie, wichtige Patentabläufe und nachfolgende Umsatzverluste bei entscheidenden Medikamenten wie dem Cholesterinsenker Crestor durch Akquisitionen zu kompensieren. Dabei hat Astra-Zeneca schwierige Zeiten hinter sich: Zwischen 2011 und 2018 büßte der Konzern ein Drittel seines Umsatzes ein, bevor eine Trendwende einsetzte.

    Der Franzose Soriot, der den britischen Konzern seit 2012 führt, setzte ungeachtet der Schwächephase konsequent auf die Entwicklung neuer Medikamente, insbesondere gegen Krebserkrankungen. Er musste dabei anfangs mehrere Rückschläge verkraften. Lange machten Investoren daher einen Bogen um die Aktien des Unternehmens, zumal Astra-Zeneca mit der Abwehr einer Übernahmeofferte einige Börsianer verärgerte. 2014 hatte der US-Konkurrent Pfizer versucht, das Unternehmen für rund 117 Milliarden Dollar zu übernehmen. Damals setzte sich Astra-Zeneca mit Händen und Füßen zur Wehr - mit Erfolg. Pfizer gab auf.

    Schwergewicht im FTSE-100

    Mittlerweile hat Astra-Zeneca eine Marktkapitalisierung von über 130 Milliarden Euro (rund 145 Milliarden Dollar). Dadurch stieg Astra-Zeneca vor wenigen Tagen zum teuersten Mitglied des Londoner Börsenindexes FTSE-100 auf. Bei Analysten gehört das Unternehmen zu den Favoriten unter den globalen Pharmakonzernen.

    Das Verhältnis des Firmenchefs zu den Investoren ist dennoch nicht ohne Spannungen: Schon mehrfach sorgte das Gehalt des 61-Jährigen für Streit. Vergangenes Jahr erhielt Soriot 14,3 Millionen Pfund (umgerechnet rund 16 Millionen Euro) und zählte damit zu den Spitzenverdienern im britischen Leitindex FTSE-100. Ein Jahr zuvor waren es noch 12,9 Millionen Pfund (umgerechnet knapp 15 Millionen Euro) gewesen – und in einem Interview mit der „Sunday Times“ hatte der Manager daran Kritik geübt.

    „Es ist nun mal so, dass ich der am schlechtesten bezahlte CEO in der ganzen Branche bin“, sagte Soriot, „das ist zu einem gewissen Grad ärgerlich.“ Sollte es zu einem Zusammenschluss der beiden Unternehmen kommen, könnte er als Chef eines in den USA börsennotierten Unternehmens mehr Gehalt erwarten, meint Analyst Baum. Aber unter dem Strich kommt der Citi-Analyst - wie andere Experten - zu dem Urteil, dass ein solcher Deal nicht zustande kommen dürfte.

    An der Londoner Börse fiel die Astra-Zeneca-Aktie am Montag im Handelsverlauf um zwei Prozent. Allerdings hatte das Papier seit Jahresbeginn mehr als zehn Prozent zugelegt. Marktexperte Russ Mould von der Londoner Handelsplattform AJ Bell führt das Minus auf das Timing zurück. Eine solch große Transaktion mitten in der Coronakrise könnte das Management ablenken, meint er. „Das Timing ist falsch, wenn beide Unternehmen so wichtige Arbeit erledigen müssen."

    Mehr: Eine Fusion von Astra-Zeneca und Gilead wäre unnötig, kommentiert Siegfried Hofmann.

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