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Pharmabranche Novartis und Roche müssen in Frankreich Bußgeld bezahlen

Die Unternehmen sollen trotz günstigerer Alternative ein teures Medikament gegen eine Augenkrankheit gefördert haben, die zu Erblindung führen kann.
09.09.2020 - 12:04 Uhr Kommentieren
Missbräuchliche Praktiken: Novartis & Roche erhalten Geldstrafe in Frankreich Quelle: dpa
Novartis-Zentrale in Basel

Der schweizer Pharmahersteller soll mit 385 Millionen Euro den Großteil der Strafe tragen.

(Foto: dpa)

Basel/Paris Die französische Wettbewerbsbehörde verhängt gegen Roche und Novartis eine Geldstrafe von insgesamt 444 Millionen Euro. Als Grund nennt die Behörde missbräuchliche Praktiken der beiden Firmen bei Behandlungen für die altersbedingte Makuladegeneration, also bei Erkrankungen der Netzhaut. Novartis will dagegen Berufung einlegen, Roche prüft zunächst weitere Schritte.

Den beiden Basler Pharmagiganten sowie Genentech, der US-Tochter von Roche, wird konkret vorgeworfen, den Verkauf des Medikaments Lucentis auf Kosten des 30 Mal günstigeren Mittels Avastin gefördert zu haben, wie die Behörde am Mittwoch auf ihrer Website mitteilte. Mit 385 Millionen Euro trifft Novartis der größte Teil der Strafe.

Die Bußgelder sind die jüngste Entwicklung in einem jahrelangen Kampf zwischen den Pharmakonzernen und Ländern, in denen Ärzte statt dem teuren Lucentis das günstigere Roche-Medikament Avastin einsetzen, um Patienten mit der Augenkrankheit altersbedingte Makula-Degeneration zu behandeln. Sowohl die Krebsarznei Avastin als auch Lucentis hemmen das Wachstum von Blutgefässen. Avastin ist aber nicht für die Behandlung der Augenkrankheit vorgesehen, die zu Erblindung führen kann.

Roche und Novartis missbrauchten ihre marktbeherrschende Stellung, um Lucentis auf unangemessene Weise auf Kosten von Avastin zu fördern, so die Pariser Aufsicht. Novartis werde zudem dafür bestraft, die Risiken von Avastin "ungerechtfertigt zu übertreiben". Der Behörde zufolge kostet Lucentis, das etwa einmal monatlich injiziert wird, 1161 Euro pro Injektion, bei Avastin sind es nur 30 bis 40 Euro pro Spritze.

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    Ähnlicher Streit ist auch anderswo aufgetreten, weil Länder versuchen, die Gesundheitskosten zu senken. Vor allem für Novartis steht viel auf dem Spiel, weil sie bei ihrem neuen Augenmedikament Beovu mit Sicherheitsproblemen kämpfen und der Verkauf nicht wie erhofft angelaufen ist.

    Mehr: Coronakrise trifft Novartis nun doch

    • dpa
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