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Pharmabranche Pharmakonzerne ohne digitale Plattform gelten als „verloren“

Mit Medikamenten alleine wird es in Zukunft nicht mehr getan sein, glauben Branchenexperten von EY. Pharmakonzerne brauchen neue digitale Ökosysteme.
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Pharmakonzerne ohne digitale Plattform gelten als „verloren“ Quelle: dpa
Medikamente

Tabletten alleine werden nicht mehr reichen. Die Pharmakonzerne müssen sich für die Digitalisierung wappnen.

(Foto: dpa)

FrankfurtHohe Margen – schwaches Wachstum. In dieser Verfassung präsentiert sich derzeit die Pharmabranche, wie die jüngste Branchenanalyse der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgruppe EY zeigt.

Die Experten haben dazu die Daten der 21 größten Pharmahersteller der Welt unter die Lupe genommen. Diese Top-Unternehmen der Pharmawelt, angeführt von Pfizer und Roche, steigerten laut EY ihren Pharmaumsatz 2017 nur noch um 0,4 Prozent auf umgerechnet 447 Milliarden Euro. Das aggregierte Betriebsergebnis der Gruppe sank um 2,4 Prozent auf 151 Milliarden Euro. Klammert man Währungseffekte aus, errechnet sich nach Daten von EY immerhin noch ein Plus von 2,6 Prozent beim Umsatz, während das Ebit der Pharmariesen im Schnitt leicht zurückging.

Die deutschen Pharmakonzerne Bayer-Boehringer und Merck haben sich dabei nach Einschätzung von EY mit einem Umsatzwachstum von zusammen 3,3 Prozent und einem Ebit-Plus von knapp elf Prozent besser entwickelt als die Konkurrenz.

Insgesamt dürften sich die großen Pharmaunternehmen dem Branchentrend entsprechend entwickelt haben. So ist zum Beispiel nach den breiter gefassten Daten der britischen Analysefirma Evaluate Pharma auch die gesamte Pharmabranche inklusive der kleineren Akteure im vergangenen Jahr nur um etwa 2,6 Prozent auf umgerechnet rund 700 Milliarden Euro gewachsen. Ausgehend von den Schätzungen der Bankanalysten unterstellt Evaluate dabei aber für die kommenden Jahren ein etwas stärkeres Wachstum für die Branche von rund sechs Prozent pro Jahr.

Klar erscheint indessen, dass die Pharmafirmen für frisches Wachstum immer stärker investieren müssen, insbesondere in die Produktentwicklung. Laut EY haben die 21 führenden Firmen der Branche ihre Forschungsausgaben 2017 im zweiten Jahr in Folge überproportional zum Umsatz um knapp sechs Prozent auf zusammen rund 85 Milliarden Euro erhöht

Dieser Trend dürfte mit dazu beigetragen haben, dass sich die durchschnittliche Ebit-Marge der Firmen relativ deutlich um 1,8 Punkte auf 26,5 Prozent reduzierte, wobei dabei auch die sonstigen, pharmafremden Aktivitäten der Konzerne mit eingerechnet sind.

Im Vergleich zu vielen anderen Industrien erzielen die großen Pharmafirmen damit nach wie vor sehr hohe Renditen. Spitzenverdiener wie Gilead, Biogen und Amgen verbuchen sogar Margen von deutlich mehr als 40 Prozent.

Individuelle Behandlungsverfahren werden wichtiger

Der rückläufige Trend bei den Margen zeigt indessen nach Einschätzung von Gerd Stürz, Lifescience-Chef von EY in Deutschland, Österreich und der Schweiz, dass für die Pharmafirmen der Druck wächst, Innovationen zu entwickeln und neue Nischen zu besetzen.

„Neue individuelle Behandlungsverfahren werden künftig immer wichtiger.“ Insofern könne eine zu hohe Abhängigkeit von Blockbustern, das heißt einzelnen, besonders umsatzstarken Wirkstoffen auch zu einem Risiko werden.

Rein zahlenmäßig hat sich dabei die F+E-Effizienz der Pharmabranche in den letzten Jahren offenbar spürbar verbessert. So ist die Zahl der Wirkstoffe, die in klinischen Test an Patienten erprobt werden, nach Daten von EY allein im vergangenen Jahr um fast ein Fünftel auf rund 6000 gewachsen.

Auch die Zahl der Neuzulassungen legte deutlich zu. EY-Branchenexperte Siegfried Bialojan, der das Lifescience-Center der Gruppe in Mannheim leitet, wertet die hohen Zulassungszahlen als positives Zeichen für die Fähigkeit der Unternehmen, kostenintensive Entwicklungsprojekte auch erfolgreich zum Abschluss zu bringen. „Durchbrüche in einzelnen Bereichen stimulieren zudem den Pharmamarkt und sorgen für einen Schub in der Forschung und Entwicklung.“

Dessen ungeachtet ist es aus Sicht der Branchenexperten fraglich, ob die Pharmakonzerne mit der Konzentration auf die klassische Medikamentenentwicklung alleine ihre Marktposition im wachsenden Gesundheitsmarkt verteidigen können.

Zwar geht EY davon aus, dass sich zum Beispiel der Pharmamarkt in Deutschland bis 2030 in etwa verdoppelt auf dann schätzungsweise 63 Milliarden Euro. Er dürfte sich in diesem Zuge aber stärker in Richtung neuartiger IT-getriebener Gesundheitslösungen, etwa für bessere einen effizienteren Medikamenteneinsatz oder bessere Vorsorgesysteme, verlagern.

Pharmaindustrie steht vor einem Wendepunkt

Ein Großteil der zusätzlichen Wertschöpfung in dem Bereich könnte damit auf neue Akteure entfallen, die zum Beispiel Lösungen auf Basis von Big-Data-Analysen entwickeln und anbieten. Das klassische Medikamentengeschäft könnte damit aus Sicht der EY-Experten mittelfristig stärker „commoditisiert“ werden, das heißt zu einem Geschäft mit leicht austauschbaren, eher niedrigmargigen Produkten werden.

„Die Pharmaindustrie steht insofern vor einem Wendepunkt“, glaubt Jürgen Peukert, der das Lifescience-Beratungsgeschäft von EY in Deutschland, Österreich und er Schweiz leitet. Sie wird sich aus seiner Sicht viel stärker auf neue Geschäftsmodelle und Partnerschaften stützen müssen, um selbst als Anbieter von digitalen Lösungen mithalten zu können.

Peukert spricht von neuen Ökosystem, die so entstehen könnten und in denen die Teilnehmer große Mengen an relevanten Informationen austauschen, um individuelle Behandlungsmethoden zu ermöglichen.

Die Pharmafirmen, glaubt Peukert, können diese Herausforderung nur mit einem gravierenden Kulturwandel meistern, denn sie müssen aus seiner Sicht letztlich mit ganz neuen Konzepten an das Geschäft herangehen. Es werde für sie künftig viel stärker darauf ankommen, diesen Informationsaustausch mit digitalen Technologien selbst zu kontrollieren. „Wer keine entsprechende Plattform hat, der hat verloren.“

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