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Pharmabranche Roche zahlt bis zu 1,7 Milliarden Dollar für neuen Krebs-Wirkstoff

Präzisionsonkologie ist der große Trend in der Krebsforschung. Roche sichert sich mit dem Einstieg bei der US-Firma Blueprint einen Hoffnungsträger in dem Bereich.
14.07.2020 Update: 14.07.2020 - 13:03 Uhr Kommentieren
Roche ist der weltgrößte Hersteller von Krebsmedikamenten. Quelle: RERUTERS
Roche-Gebäude in Rotkreuz

Roche ist der weltgrößte Hersteller von Krebsmedikamenten.

(Foto: RERUTERS)

Frankfurt Der Pharmakonzern Roche baut sein Engagement in der Krebsforschung weiter aus: Für eine Vorauszahlung von 675 Millionen Dollar erwirbt Roche von der US-Biotechfirma Blueprint Medicines die Rechte an dem Wirkstoff Pralsetinib. Das neue Medikament soll gegen Lungenkrebs und eine Reihe weiterer Krebsarten mit bestimmten genetischen Eigenschaften eingesetzt werden. Es befindet sich sowohl in den USA als auch in Europa bereits im Zulassungsverfahren.

Einschließlich einer Kapitalbeteiligung von 100 Millionen Dollar und weiterer erfolgsabhängiger Zahlungen addiert sich das potenzielle Gesamtvolumen der Transaktion auf rund 1,7 Milliarden Dollar. Roche erwirbt dabei die Vertriebsrechte für den Wirkstoff außerhalb der USA und Chinas. In den USA wollen sich beide Partner das Geschäft teilen.

Der Deal bestätigt das ungebrochene Interesse an neuen Substanzen gegen Krebs und den Trend in Richtung der sogenannten Präzisionsonkologie. Dabei geht es um Wirkstoffe, die gezielt an einzelnen genetischen Eigenschaften von Tumorzellen ansetzen, unabhängig vom Organ, in dem der Tumor entstanden ist.

Für den Roche-Konzern ist die Allianz zugleich ein weiterer Schritt, um seine Führungsposition in der Krebstherapie abzusichern. Der Baseler Konzern muss in den nächsten Jahren wachsende Konkurrenz durch Nachahmermedikamente, sogenannte Generika, für seine drei bisherigen Onkologie-Bestseller verkraften.

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    Pralsetinib zielt auf Mutationen des RET-Gens, das den Bauplan für ein bestimmtes Protein auf der Oberfläche vieler Zellen enthält. Veränderungen des Proteins lösen Wachstumsprozesse aus, die zur unkontrollierten Zellvermehrung führen können. RET-Mutationen gelten als Ursache für manche Lungenkrebs- sowie für Schilddrüsenkrebserkrankungen.

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    Darüber hinaus spielen sie in seltenen Fällen auch eine Rolle bei Darm- und Brustkrebs, Tumoren der Bauchspeicheldrüse und eine Reihe weiterer Krebsformen. Analysten trauen dem Mittel daher mehr als eine Milliarde Dollar Jahresumsatz zu.

    Medikamente, die gegen spezifische Genmutationen gerichtet sind, haben in den letzten Jahren stetig an Bedeutung gewonnen. Bereits vor drei Jahren erwarb Roche die US-Firma Ignyta, aus deren Forschung das Medikament Entrectinib hervorgegangen ist, das gegen zwei ebenfalls seltene, aber in vielen unterschiedlichen Krebsarten zu findende Mutationen des ROS1- und des TRK-Gens wirkt. Einen ähnlichen Wirkstoff brachte Bayer im vergangenen Jahr in Gestalt des Medikaments Vitrakvi auf den Markt.

    Differenzierte Diagnostik

    Die entsprechenden Mutationen treten bei diversen Krebsarten nur bei etwa einem Prozent der Patienten auf. Bei diesen Patienten zeigten die Mittel aber ungewöhnlich hohe Ansprechraten. Diese Medikamente gehören zu den ersten zugelassenen Mitteln, die sich ausschließlich auf die genetischen Mutationen der Tumorzellen beziehen und nicht mehr auf das Organ, wo der Krebs zuerst auftritt.

    Grundlage für solche Therapiestrategien ist die immer differenziertere Diagnostik mithilfe neuer Genanalyse-Verfahren. Bei Lungenkrebs zum Beispiel sind inzwischen mehr als drei Dutzend Mutationen bekannt, die das unkontrollierte Wachstum der Tumorzellen antreiben.

    Viele dieser Mutationen treten dabei nur bei einem kleinen Prozentsatz der Patienten auf. Die RET-Mutation etwa gilt bei etwa 1,7 Prozent der Lungenkrebsfälle als ein maßgeblicher Treiber. Besonders häufig wird sie darüber hinaus bei bestimmten Krebserkrankungen der Schilddrüse beobachtet.

    Roche erzielte zuletzt umgerechnet rund 49 Milliarden Dollar Umsatz im Pharmageschäft, davon knapp 28 Milliarden Dollar mit Krebsmitteln. Der Konzern ist damit vor Bristol-Myers Squibb (BMS) weltweit größter Anbieter auf dem Gebiet und gilt zugleich als Pionier auf dem Feld der zielgerichteten Krebstherapien, die speziell an Wachstumsmechanismen von Tumorzellen angreifen.

    In dieser Rolle hat der Schweizer Pharmariese das Konzept der Präzisionsmedizin in den letzten Jahren besonders intensiv vorangetrieben. Zusammen mit dem Mainzer Biotechunternehmen Biontech arbeitet er zum Beispiel auch an Krebsimpfstoffen, die komplett individualisiert sind. Das heißt, sie werden für jeden Patienten einzeln gefertigt und an das genetische Profil des jeweiligen Tumors angepasst.

    Darüber hinaus ist Roche über seine Tochter Foundation Medicines besonders intensiv auch in der genbasierten Diagnostik von Krebserkrankungen engagiert. Auf der Grundlage einer umfangreichen Datenbank mit Genprofilen und Erfahrungsdaten aus der klinischen Praxis bietet Foundation Analysen für möglichst präzise zugeschnittene Krebstherapien an. Der nun von Blueprint Medicines erworbene Wirkstoff passt bestens zu solchen Konzepten der Krebsbehandlung.

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