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Pharmabranche So will der neue Sanofi-CEO Hudson den Konzern auf Wachstum trimmen

Mit einem radikalen Fokus auf wachstumsträchtige Produkte will der neue Sanofi-Chef Paul Hudson den Pharmariesen aus der Stagnation führen.
11.12.2019 - 12:12 Uhr Kommentieren
Hudson ist bereits der dritte CEO – nach Chris Viehbacher und Olivier Brandicourt – der nun in Paris mit dem Ziel antritt, den Pharmariesen aus seiner Stagnation herauszuführen. Quelle: Reuters
Paul Hudson

Hudson ist bereits der dritte CEO – nach Chris Viehbacher und Olivier Brandicourt – der nun in Paris mit dem Ziel antritt, den Pharmariesen aus seiner Stagnation herauszuführen.

(Foto: Reuters)

Frankfurt Neuer CEO – neue Ausrichtung. Dieser Devise folgt der neue Sanofi-Chef Paul Hudson, der Anfang September die Führung bei dem französischen Pharmakonzern übernommen hat. Mit einer veränderten Strategie und Organisation sowie einigen harten Einschnitten will er den Pharmariesen wieder auf den Wachstumspfad zurückführen.

Das neue Konzept für die derzeitige Nummer sechs der Weltpharmaindustrie ist indessen keine völlige Umkehr gegenüber dem bisherigen Kurs. Hudson selbst beschreibt seine Strategie vielmehr als „refokussierte Beschleunigung“. Seine Pläne laufen im Kern darauf hinaus, die Ressourcen des Pharmakonzerns künftig wesentlich stärker auf einzelne wachstumsstarke Produkte, Segmente und Forschungsprojekte zu konzentrieren. Gleichzeitig will er Bürokratie abbauen und die Renditen verbessern.

„Wir müssen uns darauf konzentrieren, wo wir gewinnen können“, erklärte er im Gespräch mit Journalisten. „In der Vergangenheit hatte Sanofi versucht, auf allen Gebieten etwas zu machen. Das hatte einen gewissen Effekt, war aber letztlich zu wenig für eine Firma unserer Größe.“

Die Herzkreislauf- und Diabetesforschung von Sanofi will Hudson nun auf Grund schlechter Aussichten komplett aufgeben. Die Consumer-Health-Sparte, die rund fünf Milliarden Euro Umsatz mit rezeptfreien Gesundheitsprodukten erzielt, soll künftig als komplett eigenständiges Unternehmen aufgestellt werden.

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    Ins Zentrum der künftigen Pharma-Strategie rückt Hudson vor allem das Neurodermitis- und Anti-Entzündungsmedikament Dupixent, die Impfstoffsparte sowie ein halbes Dutzend Forschungsprojekte, die aus Sicht von Sanofi das Potenzial haben, im Laufe der nächsten Jahre die Therapiestandards zu verändern.

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    Dazu gehören etwa neue Wirkstoffe gegen die Bluterkrankheit, ein neues Mittel gegen bestimmte Formen von Brustkrebs, ein Wirkstoff, der gegen verschiedene Erbkrankheiten wie Morbus Gaucher und Morbus Fabry eingesetzt werden soll, sowie ein neuartiges Multiple-Sklerose-Medikament, das auch gegen Entzündungsprozesse im Gehirn wirkt.

    Die Neuentwicklung Dupixent, glaubt Hudson, kann sich zu einem Mega-Blockbuster mit mehr als zehn Milliarden Euro Spitzenumsatz entwickeln. Das Biotech-Medikament ist seit 2017 gegen atopische Dermatitis (Neurodermitis) zugelassen und erzielte in den ersten neun Monaten des laufenden Jahres rund 1,4 Milliarden Euro Umsatz.

    Das mehr als 300 Produktfamilien umfassende Sortiment an älteren, und zum Teil sehr umsatzschwachen Produkten dagegen will Hudson deutlich reduzieren, etwa auch durch Devestitionen.

    Die Strategie des neuen Sanofi-Chefs entspricht einem Trend, der in der Pharmabranche bereits seit etlichen Jahren zu beobachten ist: Die Konzerne versuchen sich immer stärker auf ihr Kerngeschäft mit innovativen Arzneien zu konzentrieren und sich in diesem Bereich auch durch Zukäufe von Biotechfirmen zu verstärken. Gleichzeitig trennt man sich von Aktivitäten wie Tiermedizin oder Selbstmedikation.

    Der Schweizer Novartis-Konzern etwa, wo Hudson zuvor als Pharmachef diente, hat sich im Zuge einer solchen Refokussierung unter anderem von Diagnostika, Tierarzneien und seiner Augenheilkunde-Tochter Alcon getrennt. Der US-Branchenführer Pfizer hat bereits vor Jahren seine Tiermedizin als eigenständiges Unternehmen (Zoetis) abgespalten, sein Consumer-Geschäft in ein Joint Venture mit GlaxoSmithKline eingebracht und will nun zudem auch sein Geschäft mit patentfreien Altmedikamenten in eine Fusion mit der US-Firma Mylan führen und anschließend abspalten.

    Auch Sanofi ist bereits in dieser Richtung unterwegs. Bereits Anfang 2018 gab der Konzern in einem Tauschgeschäft mit Boehringer seine Tiermedizinsparte ab und erwarb im Gegenzug das Consumer-Geschäft von Boehringer. Sein innovatives Pharmageschäft stärkte Sanofi unter anderem durch die Übernahme der US-Firma Genzyme, eines Spezialisten für Medikamente gegen seltene Erbkrankheiten, im Jahr 2010, und den Kauf der Biotechfirmen Bioverativ und Ablynx im Jahr 2018. Diese Deals indessen reichten allenfalls, um die Erosion des etablierten Geschäfts halbwegs zu kompensieren, aber nicht, um eine nachhaltige neue Wachstumsphase einzuläuten.

    Hudson kündigt harte Konsequenzen an

    Hudson ist daher bereits der dritte CEO – nach Chris Viehbacher und Olivier Brandicourt – der nun in Paris mit dem Ziel antritt, den Pharmariesen aus seiner Stagnation herauszuführen, die im Grunde bereits mit der Übernahme von Aventis vor 15 Jahren begann. Der Umsatz im Pharmageschäft stieg seither gerade mal von 27 auf rund 30 Milliarden Euro, der Aktienkurs dümpelte meist in einer Spanne zwischen 70 und maximal 100 Euro.

    Die Kostenstruktur des Konzerns hat sich im Laufe der Jahre verschlechtert. Die operative Marge, gemessen am adjustierten Betriebsgewinn, sank in den letzten zehn Jahren von 36 auf zuletzt 26 Prozent. Sanofi bewegt sich damit inzwischen gut acht Prozentpunkte unter dem Durchschnitt der Pharma-Großkonzerne.

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    Der französische Konzern ist dabei im Prinzip kein Einzelfall in der Branche. Fast alle großen Pharmahersteller kämpften im Laufe der letzten anderthalb Jahrzehnte mit Wachstumsproblemen. Die meisten Konkurrenten haben diese Flauten aber zügiger überwunden und präsentieren sich inzwischen wieder in stärkerer Verfassung – sowohl was die Wachstumsraten als auch die Ertragskraft angeht.

    Vor allem zwei Probleme haben Sanofi gebremst. Zum einen ist das umfangreiche Diabetesgeschäft des Konzerns mit dem Topprodukt Lantus unter unerwartet starken Preisdruck auf dem wichtigen US-Markt geraten und um fast ein Drittel auf etwa fünf Milliarden Euro Jahresumsatz geschrumpft.

    Zum anderen hat der Konzern in der Produktentwicklung gleich mehrere wichtige Trends verpasst. Dazu gehören etwa mehrere neue Wirkstoffklassen im Diabetesbereich, die aktuell stark Marktanteile gewinnen – wie die SGLT-2-Hemmer – oder der Trend zu Krebsimmuntherapien im Bereich der Onkologie.

    Hinzu kommt das Problem, dass etliche erfolgreiche Neuentwicklungen aus der Sanofi-Forschung kommerziell enttäuschten. Dazu zählt etwa der neuartige Cholesterinsenker Praluent und auch das als Lantus-Nachfolger gedachte Diabetesmittel Toujeo. Der mit einigen Hoffnungen gestartete Dengue-Impfstoff Dengvaxia erwies sich sogar als kompletter Fehlschlag, nachdem sich herausstellte, dass er bei einem Teil der Geimpften mehr Schaden als Nutzen anrichtete.

    Hudson hat jetzt einige harte Konsequenzen gezogen und den kompletten Ausstieg aus der Diabetes- und Herz-Kreislauf-Forschung verkündet. „Wir haben in diesen Bereichen nichts in der Pipeline, worauf der Markt wirklich wartet“, lautet seine Diagnose.

    Mit der Übernahme der amerikanischen Biotechfirma Synthorx demonstriert er gleichzeitig die Bereitschaft, Lücken in der Sanofi-Pipeline auch durch Akquisitionen zu schließen. Mit dem US-Unternehmen verstärkt sich Sanofi im Bereich der Immunonkologie. Das Hauptentwicklungsprojekt von Synthorx zielt darauf, die Aktivität von Immunzellen gegen Tumore anzuregen.

    Alles in allem erscheint der Spielraum für weitere Zukäufe aber eher begrenzt. Durch die Übernahmen von Bioverativ und Ablynx im vergangenen Jahr ist die Netto-Finanzverschuldung des Konzerns bereits auf 17 Milliarden Euro gestiegen. Der jüngste Deal wird sie auf bis zu 20 Milliarden Euro erhöhen.

    Zudem hat sich auch die operative Finanzkraft im Laufe der letzten Jahre stetig verschlechtert. Der Free-Cashflow des Konzerns sank seit 2008 von knapp sieben auf zuletzt nur noch gut vier Milliarden Euro. Rund 90 Prozent davon werden für die Dividende benötigt. Sanofi liegt damit auch in dieser Hinsicht weit zurück im Vergleich zu den meisten Big-Pharma-Konkurrenten. Konzerne wie Roche, Pfizer oder Abbvie generierten zuletzt fast dreimal so viel Cash wie Sanofi.

    Nicht umsonst hat Hudson daher auch ehrgeizige Ziele für die Verbesserung der Ertragskraft und des Cashflows ausgegeben. Der Free-Cashflow soll sich bis 2022 um die Hälfte auf etwa sechs Milliarden Euro verbessern, die operative Rendite von 26 auf 30 Prozent und in den Folgejahren auf mehr als 32 Prozent steigen.

    Zusätzlichen Spielraum könnten Desinvestments eröffnen. Insbesondere die künftig eigenständige Consumer-Sparte wäre dafür ein gewichtiger und naheliegender Kandidat, um die Finanzreserven zu stärken. Konkrete Pläne gibt es, entgegen manchen Spekulationen, dafür bisher jedoch nicht, wie Hudson deutlich machte. „Die Sparte wächst zu schwach. Deshalb wollen wir nun durch die Verselbstständigung mehr Geschwindigkeit in das Geschäft bringen“, sagte er. „Was danach passiert, darüber haben wir noch nicht nachgedacht.“

    Mehr: Sanofi zahlt rund 2,5 Milliarden Dollar für die unscheinbare Firma Synthorx. Bei der Aufholjagd ist der Konzern gezwungen, Risiken einzugehen.

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