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Pharmabranche US-Gericht verurteilt Insys-Gründer John Kapoor wegen Bestechung in der Opioid-Krise

Ein US-Gericht hat den Chef der Pharmafirma Insys wegen Bestechung von Ärzten verurteilt. Zeugen berichten von üppigen Abendessen und Besuchen in Stripklubs.
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Dem Insys-Gründer drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis. Quelle: Boston Globe/Getty Images
John N. Kapoor

Dem Insys-Gründer drohen bis zu 20 Jahre Gefängnis.

(Foto: Boston Globe/Getty Images)

New YorkDie Geschichte von John Kapoor war eine Erfolgsstory in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten: Ein Inder aus einfachen Verhältnissen schafft es in den USA mit harter Arbeit und Unternehmergeist zum Erfolg. Im Oktober 2013 hatte das Wirtschaftsmagazin „Forbes“ den Insys-Gründer noch als neuen Milliardär gefeiert.

Keine sechs Jahre später sieht die Zukunft für den 74-Jährigen düster aus: Eine Jury in Boston hat den studierten Pharmazeuten für schuldig erklärt. Kapoor drohen nun bis zu 20 Jahre Gefängnis.

Ein Richter legt das genaue Strafmaß in den nächsten Tagen fest. Der Pharma-CEO soll Ärzte bestochen haben, um sein extrem abhängig machendes Schmerzmittel Patienten zu verschreiben, die es gar nicht brauchten.

Das erste Urteil dürfte wegweisend sein für eine Reihe weiterer Prozesse im Zuge der Drogenepidemie in den USA. Außer Kapoor sitzen derzeit auch die Mitglieder der lange hochangesehenen Sackler-Familie auf der Anklagebank, die mit ihrem Unternehmen Purdue das Opioid Oxycontin entwickelt und aggressiv vermarktet haben.

Der laxe Umgang mit Schmerzmitteln hat in Amerika allein 2017 mehr als 72.000 Menschen das Leben gekostet. Ärzte haben oft auch nach kleinen Eingriffen etwa beim Zahnarzt Opioide verschrieben, von denen die Patienten schnell abhängig wurden.

Wenn die Ärzte die Schmerzmittel dann später nicht mehr verschrieben, besorgten sich viele Menschen illegal die Medikamente oder nahmen Heroin, was günstiger ist.

Kapoor hat es vor allem mit seinem Fentanyl-Spray zum Milliardär geschafft. Das Betäubungsmittel ist 100-mal so stark wie Morphium und wirkt innerhalb weniger Minuten. Entwickelt wurde es für Krebspatienten im Endstadium. In höherer Dosis wird es auch bei Hinrichtungen eingesetzt.

Lukratives Medikament

Doch wie in dem Prozess klar wurde, tat Kapoors Unternehmen alles, damit das Spray auch Menschen verschrieben wurde, die es gar nicht brauchten. Schließlich war das Medikament hochlukrativ: Mit einem Patienten konnte Kapoors Firma Insys 100.000 Dollar und mehr umsetzen. Der CEO soll Ärzte bestochen haben, damit sie möglichst viele Medikamente an möglichst viele Patienten verschrieben.

In dem Prozess berichteten Zeugen von luxuriösen Abendessen in Kapoors Restaurants und Einladungen in Striplokale. Die ehemalige Stripperin Sunrise Lee, die neben zwei weiteren Managern von der Jury schuldig gesprochen wurde, hat es mit ihren Diensten bei Insys sogar zur Vertriebsmanagerin geschafft.

Außerdem sollen attraktive Pharma-Vertreterinnen angehalten worden sein, den Ärzten beim Verkaufsgespräch über die Hand zu streicheln.

„Eine Verurteilung kann die Staatsanwälte in anderen Fällen stärken“, meint Paul Kalb von der auf Gesundheitsbetrug spezialisierten Kanzlei Sidley Austin. „Die Opioid-Krise ist komplex, und sie wurde nicht nur von einer Person oder von einem Unternehmen verursacht.“ Die Verurteilung von Kapoor könnte nur der Anfang sein.

Dass Kapoor selbst vor allem den Profit im Kopf hat und es mit Details und Menschenleben nicht so genau nimmt, hat er schon in der Vergangenheit gezeigt. Kapoor hatte seine Karriere nach seinem Doktor an der University of Buffalo 1972 bei Invenex Pharmaceutical begonnen.

Später machte er bei dem Unternehmen Lyphomed Karriere. Während seiner Zeit dort gab es bei Lyphomed einen Skandal wegen laxer Produktionsstandards, der mehrere Menschen das Leben kostete.

Bei dem Spray von Insys geht es um 900 Menschen, die nach dem Gebrauch des Mittels gestorben sind. Einige von ihnen waren schon vorher schwer krank. Das hat das Gericht bei seinem Urteil berücksichtigt.

Und auch bei dem Generikahersteller Akorn, an dem Kapoor zu 22 Prozent beteiligt ist, lief nicht immer alles sauber ab: Medikamententests waren fehlerhaft.

Kapoor muss nun voraussichtlich seine 60 Prozent an Insys und seine Anteile an Akorn abgeben. Schließlich kann das Gesundheitsministerium es strafrechtlich Verurteilten verbieten, größere Anteile an Unternehmen zu halten, die Gelder vom staatlichen Gesundheitssystem bekommen.

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