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Pharmabranche Wegen Brexit: Es drohen Engpässe bei wichtigen Medikamenten

Branchenverbände fürchten Einschnitte in der Versorgung mit Arzneien. Auch der Handel mit Chemikalien und Kunststoffen könnte gestört werden.
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Der Brexit könnte die Medikamentenversorgung in Großbritannien und Kontinentaleuropa empfindlich stören. Quelle: Shop Apotheke Europe
Lager einer Versandapothekehandel

Der Brexit könnte die Medikamentenversorgung in Großbritannien und Kontinentaleuropa empfindlich stören.

(Foto: Shop Apotheke Europe)

DüsseldorfAuf beiden Seiten des Ärmelkanals stehen der Gesundheitsversorgung ungewisse Zeiten bevor. Deutsche Chemie- und Pharmaunternehmen warnen nach dem abgelehnten Brexit-Vertrag vor den Folgen eines harten Brexit. Ein ungeordneter Austritt Großbritanniens aus der EU könnte zu „chaotischen Zuständen“ führen, heißt es beim Bundesverband der Arzneimittel-Hersteller (BAH).

Die verbleibenden 27 Mitglieder der EU und auch Großbritannien müssten dringend Maßnahmen ergreifen, um die Arzneimittelversorgung ihrer Bevölkerung sicherzustellen.

Großbritannien ist ein wichtiger Teil der Produktions- und Lieferkette für Medikamente. In dem Land werden viele Wirkstoffe produziert, rund eine Milliarde Arznei-Packungen werden jährlich mit den restlichen EU-Ländern gehandelt.

Besonders schwer wiegt, dass ein Viertel aller in der EU erhältlichen Medikamente eine britische Zulassung haben, die für die gesamte Union gilt. Bei einem harten Brexit dürften sie nicht mehr in der EU verkauft werden und müssten eine Neuzulassung beantragen. Das würde wegen der absehbaren Überlastung der Gesundheitsbehörden Monate dauern.

Ähnliches gilt auch für Chemikalien und Kunststoffe, die von den Industrieunternehmen in ganz Europa gebraucht werden. Viele Produkte haben eine in Großbritannien erteilte, EU-weite Freigabe und dürften bei fehlenden Übergangsregelungen in der restlichen Union nicht mehr eingesetzt werden.

Der Brexit könnte die Medikamentenversorgung in Großbritannien und Kontinentaleuropa empfindlich stören. Quelle: dpa
Arzneimittel

Der Brexit könnte die Medikamentenversorgung in Großbritannien und Kontinentaleuropa empfindlich stören.

(Foto: dpa)

Der BAH forderte die Regierungen auf, die Versorgung sicherzustellen, etwa durch Lageraufbau. „Insbesondere Menschen mit schwerwiegenden Erkrankungen müssen weiterhin ihre gewohnten Arzneimittel erhalten – sowohl in den verbleibenden EU-Ländern als auch in Großbritannien.“

Die absehbaren Engpässe dürften nach Einschätzung des Verbands Forschender Arzneimittelhersteller vor allem die Briten treffen. Pharma-Firmen hätten zwar ihre Arzneivorräte auf der Insel erhöht. Ob das aber für einen Brexit ohne Deal genüge, sei ungewiss.

Firmen bereiten sich auf einen harten Brexit vor

Die Firmen stellen sich bereits seit längerem auf einen harten Brexit ein. So hat die Bayer AG größere Lagerflächen auf beiden Seiten des Ärmelkanals bereitgestellt. Dort sollen Medikamentenvorräte unmittelbar vor und nach dem 29. März 2019 aufgestockt werden.

Allerdings sei dies bei Medikamenten mit sehr kurzer Haltbarkeit, speziell in der Kategorie Radiopharmazeutika, nicht möglich, heißt es bei dem Leverkusener Konzern. Radiopharmazeutika sind Kontrastmittel, die für die Diagnose von Krankheiten gebrauchet werden, etwa beim Röntgen und in der Magnetresonanztherapie (MRT). Bayer beantragt für diese Produkte eine zollrechtlicher Vereinfachung bei den britischen Behörden.

Zudem beziehen Pharmafirmen zunehmend Produkte von Zulieferern außerhalb Großbritanniens. Das ist nach Einschätzung des Verbands der Chemischen Industrie (VCI) der Hauptgrund dafür, dass im vergangenen Jahr der Handel der deutschen Chemie- und Pharmabranche mit Großbritannien um zehn Prozent auf 16 Milliarden Euro eingebrochen ist.

„Ich hoffe sehr, dass die britische Politik trotz der aufgeheizten Stimmung noch eine Möglichkeit findet, den Worst Case zu verhindern. London und Brüssel müssen jetzt im Gespräch bleiben“, sagte Utz Tilmann, Hauptgeschäftsführer des VCI.

Tilmmann hält spezielle Übergangslösungen für unverzichtbar, um die schlimmsten Auswirkungen abzumildern. So sollten Registrierungen von Firmen mit Sitz in Großbritannien vorübergehend einseitig in der EU anerkannt werden.

Zwar würden sich die Unternehmen der Chemie- und Pharmaindustrie seit Monaten intensiv auf den Brexit vorbereiten. Doch durch einen ungeordneten Brexit würde „eine so komplexe Situation entstehen, dass sich Unternehmen unmöglich für alle Eventualitäten wappnen können“, warnt Tillmann.

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