Pharmahersteller erwägt Spartenverkauf Merck legt rezeptfreie Produkte ins Schaufenster

Der Pharma- und Chemiekonzern Merck denkt über den Verkauf seiner Consumer-Health-Sparte nach. Möglich ist aber auch nur ein Teilverkauf. Die Erlöse will Merck ganz klassisch nutzen.
Update: 05.09.2017 - 14:42 Uhr Kommentieren

Merck prüft den großen Umbau – Aktie klar im Plus

DarmstadtBeim Darmstädter Merck-Konzern steht das Geschäft mit rezeptfreien Medikamenten und Gesundheitsprodukten nun doch auf dem Prüfstand. Der Vorstand des Pharma- und Chemieunternehmens will sich von dem Bereich mit Produkten wie dem Nasenspray Nasivin und dem Nahrungsergänzungsmittel Multibionta ganz oder in Teilen trennen, wie Merck am Dienstag überraschend mitteilte. „Wir halten es für zunehmend herausfordernd, dieses Geschäft intern so zu finanzieren, dass es die notwendige Größe erreichen kann“, sagte die Chefin der Merck-Gesundheitssparte Belen Garijo. Es würden alle Optionen geprüft, entschieden sei noch nichts. Die Erlöse aus einem möglichen Verkauf wollen die Hessen für das Erreichen ihrer Finanzziele einsetzen.

Gerüchte, dass Merck sich von dem Geschäft mit seinen weltweit 3800 Mitarbeitern und einem Umsatz von zuletzt 860 Millionen Euro trennen will, gibt es bereits seit Jahren. Bislang hatte das Unternehmens offiziell aber stets abgewinkt. Noch Anfang 2016 hatte die Chefin der Sparte Consumer Health, Uta Kemmerich-Keil, der Nachrichtenagentur Reuters gesagt, Merck wolle in dem Geschäft aus eigener Kraft wachsen und es auch nicht verkaufen. Die Sparte sei integraler Bestandteil von Merck und auf Kurs, das Ziel von einer Milliarde Umsatz in den nächsten vier bis fünf Jahren zu erreichen.

Die größten Pharmakonzerne der Welt
Platz 20: Astellas
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Gemessen am reinen Pharmaumsatz ist Astellas die Nummer zwei der japanischen Pharmaindustrie. Der Schwerpunkt liegt auf Transplantationsmedizin, Onkologie und Antiinfektiva. Die Japaner kamen im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 11,1 Milliarden Dollar.

Platz 19: Boehringer
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Das Labor von Boehringer Ingelheim: Der zweitgrößte deutsche Pharmakonzern ist fest in Familienhand. Die Schwerpunkte liegen auf Mittel gegen Atemwegserkrankungen wie etwa das Lungenmittel Spiriva. Ein weiteres bekanntes Mittel ist Pradaxa, das zur Thrombose-Prävention eingesetzt wird. Geschätzter Umsatz 2015: 12,6 Milliarden Dollar.

Platz 18: Takeda
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Takeda ist der größte japanische Pharmahersteller und bietet Mittel in verschiedenen Therapiegebieten. Die Japaner haben sich 2014 durch die Fusion mit Nycomed deutlich vergrößert und kamen voriges Jahr auf einen Pharmaumsatz von 13,8 Milliarden Dollar.

Platz 17: Allergan
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Allergan hieß früher einmal Actavis und ist unter anderem Hersteller von Botox. 2015 machte das Unternehmen einen Umsatz von 15,1 Milliarden Dollar.

Platz 6: Bayer
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Der größte deutsche Pharmakonzern hat sich im Gegensatz zu dem Jahr 2015 um ganze zehn Platze verbessern können. Der Umsatz 2017: 43,1 Milliarden Dollar. Top-Produkte sind beispielsweise der Gerinnungshemmer Xarelto und das Augenmedikament Eylea.

Platz 15: Novo Nordisk
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Die Produktion von Langzeitinsulin der Firma Novo Nordisk: Der dänische Arzneihersteller ist einer der weltweit führenden Anbieter von Mitteln gegen Diabetes. Er kam im vergangenen Jahr auf einen Umsatz von 16,1 Milliarden Dollar.

Platz 14: Bristol-Myers Squibb
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Der New Yorker Konzern hat seinen Schwerpunkt bei Mitteln gegen HIV und in der Immunologie, aber auch in der Onkologie. Der Pharmaumsatz lag 2015 bei 16,6 Milliarden Dollar.

Insidern zufolge stand das Management in den vergangenen Jahren aber wiederholt mit potenziellen Käufern im Austausch, wurde dabei aber von der Merck-Familie gebremst, die hinter dem Unternehmen steht. Die Nachfahren von Friedrich Jacob Engel, der 1668 mit dem Kauf der Engel Apotheke in Darmstadt die Keimzelle für den weltweit ältesten Arzneimittelhersteller legte, halten bis heute eine Mehrheit von rund 70 Prozent.

Merck-Aktie bei Anlegern gefragt

An der Börse kamen die Nachricht derweil gut an. Merck-Aktien waren mit einem Aufschlag von mehr als drei Prozent größter Gewinner im Leitindex Dax an. Analyst Peter Spengler von der DZ Bank schätzt, dass das Geschäft einen Verkaufserlös von bis zu 2,7 Milliarden Euro einbringen könnte.

Als potenzielle Käufer sieht er namhafte Pharmakonzerne wie GlaxoSmithKline, Johnson & Johnson, Pfizer, Bayer, Reckitt-Benckiser, Procter & Gamble, Perrigo, Sanofi und Dr. Reddy's. Ulrich Huwald von MM Warburg äußerte sich ebenfalls positiv: "Das ist ein Schritt in die richtige Richtung." So könnte der Mittelzufluss für den Schuldenabbau genutzt werden. Zudem signalisiere Merck damit seine Fokussierung auf die Pharma-Sparte.

Möglicher Verkauf nicht mehr 2017

Ein Merck-Sprecher betonte, das Unternehmen stehe mit seinen Plänen noch ganz am Anfang. Ein möglicher Verkauf der Sparte werde sicher nicht mehr 2017 über die Bühne gehen. Eine Entscheidung sei für Anfang 2018 geplant. Der Traditionskonzern hatte sich zuletzt stark auf den Ausbau seines Life-Science-Bereichs, der Produkte für die Pharmaforschung anbietet, sowie seines Pharmageschäfts mit verschreibungspflichtigen Medikamenten konzentriert. Dort liegen die Hoffnungen nach einer Reihe von Rückschlägen vor allem auf der Krebsimmuntherapie Bavencio (Avelumab) und dem Multiple-Sklerose-Mittel Mavenclad. Die einstige Merck-Ertragsperle, das Geschäft mit Flüssigkristallen für Flachbildschirme, schwächelte dagegen zuletzt wegen zunehmender Konkurrenz aus China.

Im Geschäft mit freiverkäuflichen Arzneimitteln (OTC) gehört Merck eher zu den kleineren Spielern. Der Markt hat sich in den vergangenen Jahren stark bewegt: Der französische Pharmakonzern Sanofi übernahm die Selbstmedikationssparte von Boehringer Ingelheim und gab dafür seine Tierarznei-Sparte an den deutschen Arzneimittelhersteller ab. Bayer hatte sich 2014 mit dem Kauf der OTC-Sparte vom US-Pharmakonzern Merck & Co verstärkt, zuletzt lief es dort für die Leverkusener aber wenig rosig.

  • rtr
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