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Pharmaindustrie Corona-Arznei Chloroquin galt als Hoffnungsträger, doch nun kommen Zweifel auf

Erste Studien stellen den Wirkstoff zur Behandlung von Covid-19-Patienten in Frage. Doch es fehlen weitere belastbare Daten.
23.04.2020 - 04:04 Uhr Kommentieren
Die Hoffnungen wurden bisher nicht erfüllt. Quelle: AP
Pillen mit Chloroquin

Die Hoffnungen wurden bisher nicht erfüllt.

(Foto: AP)

Düsseldorf Sie wurden bereits als Hoffnungsträger in der Behandlung von Covid-19-Patienten gefeiert: Doch nun kommen erst Zweifel an der Wirksamkeit der Wirkstoffe Chloroquin/Hydroxychloroquin auf.

Am Mittwoch legten US-Wissenschaftler eine Studie vor, nach der der Einsatz dieser Mittel bei der Therapie von Patienten mit der neuartigen Lungenkrankheit nicht den gewünschten Erfolg gebracht hat.

Hydroxychloroquin ist ein von Chloroquin abgeleiteter Wirkstoff, beide werden normalerweise zur Malaria-Prophylaxe oder bei rheumatoider Arthritis eingesetzt. In Laborversuchen konnte aber gezeigt werden, dass die Mittel die Vermehrung der Coronaviren bremsen und somit zu einem milderen Krankheitsverlauf bei Covid-19 führen könnten.

In China wurde Chloroquin im Februar bereits an Patienten erfolgreich getestet, allerdings geschah dies nur in kleinem Maßstab von 100 Teilnehmern. Dies hatte die Erwartungen in aller Welt geschürt, bald eine wirksame Arznei gegen die neue Lungenkrankheit zu haben. US-Präsident Donald Trump pries das Mittel öffentlich an, viele Länder – auch Deutschland – deckten sich vorsorglich mit dem Medikament ein.

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    Hergestellt werden beide Wirkstoffe von mehreren Pharmafirmen, so verkauft die Bayer AG Chloroquin unter dem Markennamen Resochin. Bayer hat die Produktion hochgefahren und Millionen Tabletten an verschiedene Länder gespendet. Allerdings dürfen die Mittel noch gar nicht zur Therapie von Covid-19 eingesetzt werden, weil dafür die Zulassung fehlt.

    Dafür muss zunächst erforscht werden, ob und wie die Stoffe tatsächlich gegen Covid-19 wirksam sind und welche Risiken und Nebenwirkungen sie bei dieser Anwendung bergen. Dazu wurden weltweit groß angelegte Studien gestartet, von denen nun nach und nach die ersten Ergebnisse bekannt werden.

    Negative Ergebnisse

    In den USA haben Ärzte männliche Covid-19-Patienten in Krankenhäusern für US-Veteranen mit Hydroxychloroquin behandelt. Rund 100 bekamen das Mittel, weitere 113 zusätzlich das Antibiotikum Azithromycin. Die zweite Gruppe bestand aus 160 Patienten, die keine dieser Arzneien bekamen.

    Im Vergleich beider Gruppen habe Hydroxychloroquin keinen positiven Effekt auf die Krankheitsverläufe gezeigt. Die Einnahme von Hydroxychloroquin oder eine Kombination mit Azithromycin habe die Wahrscheinlichkeit, an ein Beatmungsgerät angeschlossen werden zu müssen, nicht verringert, hieß es in der Studie. Bei Patienten, die nur das Malaria-Medikament erhielten, habe sich sogar eine deutlich höhere Sterberate ergeben, hieß es weiter.

    Ähnlich negative Ergebnisse lieferte vor wenigen Tagen eine Studie in Brasilien. Dort war Chloroquin in hohen Dosen an Covid-19-Patienten getestet worden, zusammen mit dem Antibiotikum Azithromycin. Doch nachdem elf Menschen infolge von Herzrhythmusstörungen verstarben, wurde die Studie abgebrochen.

    Für Chloroquin als Hoffnungsträger gegen Covid-19 sind beide Ergebnisse zwar ein Rückschlag. Aber sie liefern letztlich auch noch kein belastbares Nutzen-Risiko-Profil.

    Denn zum einen ist die Zahl der Studienteilnehmer ähnlich gering wie die in China. Studien mit 100 Patienten haben im üblichen Maßstab in der Pharmaindustrie eine viel zu geringe Basis, um Sicherheit über Wirkung und Nebenwirkung zu geben.

    Zum anderen muss man Ergebnisse genauer betrachten: In den USA und Brasilien wurde Chloroquin/Hydroxychloroquin bei bereits schwer erkrankten Covid-19-Patienten eingesetzt – und zwar in hohen Dosen, in Brasilien sogar über die empfohlene Dosierung hinaus.

    Große Studienreihen gerade erst gestartet

    Schon vor diesen Studien war zu erkennen, dass Chloroquin bei bereits fortgeschrittenem schweren Krankheitsverlauf nicht mehr wirkt und wegen der Nebenwirkungen gefährlich sein kann. In China etwa wurde das Mittel angeblich erfolgreich Patienten verabreicht, um in einem frühen Krankheitsstadium die Vermehrung der Viren zu bremsen.

    Belastbare Ergebnisse zu Chloroquin werden erst erwartet, wenn die beiden großen Studienreihen der Weltgesundheitsorganisation WHO und eines französischen Forschungsinstituts vorliegen. Die sind aber gerade erst gestartet.

    Bayer treibt die Untersuchung von Resochin zusätzlich selbst voran. Der Konzern kooperiert dazu mit dem kanadischen Gesundheitsforschungsinstitut PHRI.

    Getestet werden verschiedene Kombinationen von Medikamenten, darunter Chloroquin sowie das Multiple-Sklerose-Mittel Interferon Beta-1b von Bayer. 6000 Patienten in mehr als 60 Studienzentren sollen teilnehmen.

    Mehr: Corona-Impfstoff: Biontech erhält erste Zulassung für klinische Studie in Deutschland.

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