Pharmaindustrie Hoher Freizeitwert

Medikamenten-Gratispackungen oder getarnte Fortbildungsveranstaltungen - eigentlich will die Pharmaindustrie die Korruption in der Branche bekämpfen. Doch dem vor einigen Jahren gegründeten Verein zur Freiwilligen Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie (FSA) fehlt es an Unterstützung aus der Branche. Warum die Selbstkontrolle nicht funktioniert.
  • Jürgen Salz
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Die Pharmaindustrie kämpft einen ungleichen Kampf gegen die Korruption. Foto: Archiv

Die Pharmaindustrie kämpft einen ungleichen Kampf gegen die Korruption. Foto: Archiv

Das Luxushotel Alpenhof Murnau bietet einen herrlichen Blick auf das bayrische Bergpanorama. Wenningstedt auf Sylt lockt mit seinem Strand, dem Roten Kliff und leckerem Fisch bei Gosch. Lissabon macht natürlich auch was her, schon allein wegen der Altstadt mit ihren engen Gassen und den melancholischen Fado-Musikanten - es sind solche attraktiven Lagen wie Oberbayern, Sylt oder Portugal, mit denen Pharmaunternehmen Ärzte zu Fortbildungsveranstaltungen locken.

Das klingt nach Klischee, ist aber aktenkundig und dokumentiert von Michael Grusa. Der 56-Jährige ist Geschäftsführer des Vereins zur Freiwilligen Selbstkontrolle der Arzneimittelindustrie (FSA), zu dem bedeutende Medikamentenhersteller wie Bayer, Boehringer oder Novartis gehören. Er ist damit so etwas wie das gute Gewissen der Pharmaindustrie, das verhindern soll, dass Pillenhersteller Ärzte korrumpieren - durch Geld, Geschenke oder allzu attraktive Fortbildungsveranstaltungen. In seinem Büro an der Berliner Friedrichstraße sammelt Grusa dazu Hinweise von Konkurrenzunternehmen, Ärzten oder Apothekern und bereitet Verfahren gegen Mitgliedsunternehmen vor. Der frühere Manager eines Medizintechnikherstellers gilt als aufrichtig und engagiert, wenn es um die Bekämpfung von korrupten Verhaltensweisen in der Pharmabranche geht.

Doch das reicht leider nicht. Die ethische Selbstkontrolle funktioniert nicht; es fehlt an Unterstützung aus der Branche. Viele Medikamentenhersteller wollen ihrem Erfolg weiterhin mit fragwürdigen Mitteln nachhelfen. Novartis etwa organisierte kürzlich eine Ärztereise in den Spreewald, hoher Freizeitwert inklusive - Pech, dass Details der Sause öffentlich wurden. Auch wenn die Pillenproduzenten vorsichtiger agieren, seit vor Jahren einige Korruptionsfälle öffentlich wurden - getrickst und geschummelt wird noch immer.

Unternehmen unterlaufen tagtäglich den Ethik-Kodex, den sich der FSA gegeben hat und der Unternehmen zum Beispiel verbietet, Ärzte zu Freizeit-Sausen einzuladen, mit Unmengen von Medikamenten-Gratispackungen zuzuschütten oder mit Geld und teuren Geschenken gewogen zu stimmen.

Bekannte Hersteller wie etwa Ratiopharm sind beim FSA erst gar nicht Mitglied geworden. Dutzende mittelständische Pharmaunternehmen traten im vergangenen Jahr wieder aus.

"Das Verhalten ist noch nicht so, wie es sein sollte", sagt Wolfgang Plischke, Vorstandsmitglied beim Leverkusener Bayer-Konzern und Vorsitzender des Verbandes Forschender Arzneimittelhersteller (VFA), Deutschlands mächtigster Pharmalobby-Organisation,deren Mitglieder zumeist im FSA organisiert sind.

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