Benachrichtigung aktivieren Dürfen wir Sie in Ihrem Browser über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts informieren? Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Fast geschafft Erlauben Sie handelsblatt.com Ihnen Benachrichtigungen zu schicken. Dies können Sie in der Meldung Ihres Browsers bestätigen.
Benachrichtigungen erfolgreich aktiviert Wir halten Sie ab sofort über die wichtigsten Nachrichten des Handelsblatts auf dem Laufenden. Sie erhalten 2-5 Meldungen pro Tag.
Jetzt Aktivieren
Nein, danke

Pharmaindustrie Merck baut seinen Gewinn kräftig aus – auch dank der Krebsmedikamente

Das Pharmaunternehmen hat seinen Umsatz im zweiten Quartal auf 3,9 Milliarden Euro erhöht und bleibt optimistisch für das Gesamtjahr.
Update: 08.08.2019 - 09:55 Uhr Kommentieren
Meilensteinzahlungen geben Merck Schwung. Quelle: dpa
Merck KGaA Darmstadt

Meilensteinzahlungen geben Merck Schwung.

(Foto: dpa)

Frankfurt Nach einem schwachen ersten Quartal hat der Darmstädter Merck-Konzern deutlich bessere Zahlen für das zweite Quartal vorgelegt und ist damit wieder auf Kurs für eine moderate Gewinnsteigerung im Gesamtjahr. Firmenchef Stefan Oschmann demonstriert Zuversicht - auch für das momentan noch eher schwache Chemiegeschäft mit der Elektronik- und Halbleiterindustrie.

Im zweiten Quartal steigerte der Darmstädter Pharma-, Biotech- und Spezialchemiekonzern seinen Umsatz um 6,9 Prozent auf 3,9 Milliarden Euro und sein Betriebsergebnis um 57 Prozent auf 618 Millionen Euro. Vor allem die Gesundheitssparte (Pharma) und der Bereich Life Science (Biotech-Reagenzien und Materialien) wiesen dabei mit zweistelligen Ertragssteigerungen vor und haben den Gewinnrückgang des ersten Quartals dadurch mehr als kompensiert.

Merck profitierte dabei vor allem von Erfolgsprämien der beiden Forschungspartner Pfizer und Glaxo Smithkline (GSK). Die beiden arbeiten mit Merck an der Entwicklung neuer Krebsmedikamente. Hinzu kamen nachträgliche Prämien aus einem früheren Produktverkauf an das US-amerikanische Biotechunternehmen Biomarin.

Insgesamt flossen aus diesen Transaktionen erfolgswirksame Zahlungen von rund 140 Millionen Euro im zweiten Quartal, sodass sich das Betriebsergebnis der Gesundheitssparte im Quartal mehr als verdoppelte. Darüber hinaus sorgt die starke Nachfrage aus dem Biotechsektor weiter für kräftiges Ertragswachstum in der Life-Science-Sparte, dem mit 1,7 Milliarden Euro Quartalsumsatz inzwischen größten Geschäftssegment von Merck.

Für das erste Halbjahr kann der Konzern daher bei sieben Prozent Umsatzwachstum insgesamt einen Anstieg des operativen Gewinns (Ebit) um 11,5 Prozent auf knapp eine Milliarde Euro ausweisen. Das bereinigte Betriebsergebnis vor Abschreibungen (Ebitda pre) verbesserte sich im Halbjahr um 9,2 Prozent auf 1,9 Milliarden Euro, der Gewinn nach Steuern um elf Prozent auf 660 Millionen Euro. Währungsbereinigt legten die Erlöse dabei um knapp sechs Prozent zu.

Organisches Wachstum von drei bis fünf Prozent

"Insgesamt sind wir damit auf einem guten Wege, unsere Ziele für 2019 zu erreichen", sagte Merck-Chef Stefan Oschmann in einer Telefonkonferenz. Er bekräftigte damit die bisherige Prognose des Konzerns. Sie sieht ein organisches Umsatzwachstum um drei bis fünf Prozent auf 15,3 bis 15,9 Milliarden Euro sowie eine Steigerung des Ebitda um zehn bis 13 Prozent vor. Treiber dürften dabei auch im Gesamtjahr das Pharma- und Life-Science-Geschäft sein. Für beide Segmente stellt Merck zweistellige Ertragssteigerungen in Aussicht.

Im Chemiegeschäft dagegen wird der Konzern weiter von Preisdruck im Bereich Flüssigkristalle sowie von konjunkturellen Unsicherheiten gebremst, die das Geschäft mit Elektronikchemikalien und Pigmenten belasteten. Für die Sparte Performance-Materials rechnet Merck daher weiter mit einem Ertragsrückgang um rund ein Zehntel.

Allerdings zeigte sich Oschmann auch für diese Sparte zuversichtlich mit Blick auf die kommenden Jahre. "Wir sind überzeugt, dass die Halbleiterindustrie mittelfristig weiter wächst", so Oschmann. Die derzeitige Schwäche in dem Bereich ist aus seiner Sicht weniger von den aktuellen Handelskonflikten belastet als vielmehr von Überkapazitäten in bestimmten Segmenten, etwa bei Speicherchips. Angesichts der weiter steigenden Datenmengen und des Bedarfs an höheren Rechenleistungen werde die Konjunktur im zweiten Halbjahr oder Anfang des nächsten Jahres wohl wieder drehen. "Um die Geschwindigkeiten zu erhöhen, werden neue Materialien und Technologien benötigt. Wir sind daher sehr optimistisch."

Deutlich stärken will Merck seine Position in dem Bereich durch den vereinbarten Kauf des US-amerikanischen Spezialchemie-Herstellers Versum für 5,8 Milliarden Euro und die Übernahme des Chemiespezialisten Intermolecular für 62 Millionen Dollar. Beide Transaktionen will Merck im zweiten Halbjahr abschließen. Für die Versum-Übernahme hat Merck bereits die kartellrechtlichen Genehmigungen in Deutschland, den USA, Japan und einer Reihe weiterer Länder erhalten. Die Genehmigung durch das Cifus-Komitee der US-Regierung, das Übernahmen unter dem Blickwinkel der nationalen Sicherheit überprüft, steht zwar noch aus. Doch erwartet Oschmann auch in dieser Hinsicht keine Hindernisse für den Deal.

Insgesamt bewegt sich Merck mit den Halbjahreszahlen – wie angekündigt – operativ wieder auf einem soliden Aufwärtstrend. Der wird zwar teilweise auch von einmaligen Effekten wie den Erfolgsprämien aus den Pharma-Allianzen geprägt. Gleichzeitig stärken die Erfolge in der Produktentwicklung aber auch die Chancen für längerfristiges organisches Wachstum im Gesundheitsgeschäft.

Ein Signal in diese Richtung gibt derzeit vor allem die erfolgreiche Markteinführung des neuen Multiple-Sklerose-Medikaments Mavenclad, dessen Umsatz sich nach der US-Zulassung im ersten Halbjahr auf 105 Millionen Euro verdreifachte. Hier dürften die Erlöse im zweiten Halbjahr weiter kräftig steigen. Eher enttäuschend entwickelt sich dagegen bisher das neue Krebsmedikament Bavencio, mit dem Merck in der Krebsimmuntherapie vertreten ist.

Starkes China-Geschäft

Es steigerte im Halbjahr zwar den Umsatz um rund die Hälfte auf 45 Millionen Euro, liegt damit aber gegenüber Konkurrenzprodukten aus dem Bereich der Immuntherapie weit zurück. Auch viele Analysten sehen das Produkt jedoch relativ abgeschlagen im Konkurrenzkampf der Krebsimmun-Medikamente. Zusätzlichen Schub könnte indessen die im Mai erfolge US-Zulassung im Bereich Nierenenkrebs bringen. Merck und ihr Partner Pfizer erwarten zudem für das zweite Halbjahr und das kommende Jahr neue Daten aus klinischen Studien mit Bavencio im Bereich Magenkrebs und Lungenkrebs. "Wir sind weiter überzeugt, dass das Mittel Blockbuster-Potenzial hat", sagte Oschmann.

Gestützt wird die Performance der Gesundheitssparte unterdessen weiter von einem sehr starken China-Geschäft mit älteren Produkten wie dem Krebsmittel Erbitux, dem Diabetesmittel Glucophage und dem Fruchtbarkeits-Mittel Gonal-f. Die Asienumsätze der Sparte legten daher um gut ein Fünftel zu, während das Nordamerika-Geschäft wegen rückläufiger Erlöse mit dem MS-Medikament Rebif um zehn Prozent schrumpften.

Per Saldo ergibt sich ein organisches Wachstum des Merck-Pharmageschäfts um vier Prozent auf 3,1 Milliarden Euro im ersten Halbjahr. Damit liegt der Merck gegenüber dem relativ starken Branchentrend um etwa drei Punkte zurück. Auch die Ertragskraft der Sparte ist mit 27 Prozent Ebitda-Marge unterdurchschnittlich, bedingt unter anderem durch die relativ hohe F+E-Kostenquote von fast 25 Prozent und die Verlagerung der Umsätze auf margenschwächere Altprodukte wie Glucophage. Mit den Neuentwicklungen im Pharmabereich hat Merck indes Chancen, diesen Trend in den nächsten Jahren wieder zu drehen.

Auch für die Cashflow-Entwicklung deutet sich nach den Rückgängen in den letzten Jahren eine Trendwende an. Der Mittelzufluss aus dem operativen Geschäft verbesserte sich im ersten Halbjahr von 748 Millionen Euro auf 1,24 Milliarden Euro, wozu auch die Erfolgsprämien aus den F+E-Allianzen beitrugen. Nach Abzug der Sachinvestitionen und der Ausgaben für immaterielle Assets verblieb ein Free-Cashflow, der sich mit knapp 770 Millionen Euro gegenüber dem Vorjahr mehr als verdoppelte.

Merck kann daher die Großakquisition Versum mit einer deutlich gestärkten operativen Finanzkraft angehen. Zudem hat der Konzern seine Liquiditätsreserven im ersten Halbjahr mit der Emission von zwei großen Anleihen um 3,5 Milliarden Euro gestärkt. Die Nettoverschuldung hat sich allerdings um gut eine Milliarde Euro auf 7,8 Milliarden Euro erhöht, bedingt vor allem durch die Dividendenauszahlung und die geänderte Bilanzierung von Leasing-Verbindlichkeiten.

Mehr: Lesen Sie hier, wie innovative Medikamente die Pharmaindustrie antreiben.

Startseite

Mehr zu: Pharmaindustrie - Merck baut seinen Gewinn kräftig aus – auch dank der Krebsmedikamente

0 Kommentare zu "Pharmaindustrie: Merck baut seinen Gewinn kräftig aus – auch dank der Krebsmedikamente"

Das Kommentieren dieses Artikels wurde deaktiviert.

Serviceangebote