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PharmaindustrieNovartis kauft Biotech-Firma Chinook in Milliardendeal

Novartis Konzernchef Narasimhan treibt die Neuausrichtung des Pharmakonzerns voran. Neue Mittel gegen eine seltene Nierenerkrankung könnten die erhofften Wachstumstreiber werden.Maike Telgheder 13.06.2023 - 09:16 Uhr Artikel anhören

Bis 2027 möchte Novartis mit innovativen Arzneimitteln jährlich um durchschnittlich mehr als vier Prozent wachsen.

Foto: DigitalVision/Getty Images

Frankfurt. Der Pharmakonzern Novartis will für bis zu 3,5 Milliarden Dollar die US-Biotech-Firma Chinook übernehmen, um seine Medikamentenpipeline zu stärken. Das teilte das Schweizer Unternehmen am Montag mit. Chinook entwickelt unter anderem zwei Wirkstoffe zur Behandlung einer seltenen und schweren chronischen Nierenerkrankung, die derzeit in fortgeschrittenen klinischen Studien getestet werden.

An der Börse kam die Nachricht gut an. Die Aktien von Novartis stiegen am Montagmorgen um mehr als ein Prozent, gaben dann aber wieder leicht ab.

Die beiden Chinook-Wirkstoffe behandeln die sogenannte IgA-Nephropathie (IgAN), eine seltene Nierenerkrankung bei jungen Menschen, für die es derzeit keine Behandlungsmöglichkeiten gibt. Novartis selbst hat bereits ein potenzielles Medikament zur Behandlung in der Pipeline und kann mit den beiden Medikamenten von Chinook sein Angebot in Bezug auf diese Krankheit mit unterschiedlichen Wirkmechanismen verstärken.

Novartis: Chinook soll neue Tochtergesellschaft werden

Vontobel-Analyst Stefen Schneider wertet den Zukauf daher als positiven Schritt. In Kombination mit dem IgAN-Medikament Iptacopan, das Novartis selbst in der Entwicklung habe, könne das Unternehmen zum Vorreiter in diesem Bereich werden, meint er. Schneider traut beiden Chinook-Medikamenten Blockbuster-Potenzial zu, also Umsätze von mehr als einer Milliarde Dollar.

Novartis zahlt für Chinook 40 Dollar in bar pro Aktie, hinzu kommen weitere vier Dollar in bar bei Erreichen bestimmter regulatorischer Meilensteine. Der Aufschlag auf dem aktuellen Kurs beläuft sich auf 67 Prozent. Chinook soll eine neue Tochtergesellschaft von Novartis bilden. Der Abschluss der Transaktion wird für das zweite Halbjahr erwartet.

Die IgA-Nephropathie ist eine Autoimmunerkrankung, bei der es zu Ablagerungen des Eiweißes Immunglobulin A in der Niere kommt. Dieses ist eigentlich ein wichtiger Abwehrstoff des Körpers gegen Krankheiterreger. Die Ablagerungen führen zu fortschreitenden Einschränkungen der Nierenfunktion bis hin zum Nierenversagen.

Dem sollen die Wirkstoffe von Chinook entgegenwirken. Beide haben in den bisherigen Studien vielversprechende Ergebnisse gezeigt. Der eine Wirkstoff namens Atrasentan wird bereits in der dritten und damit letzten klinischen Phase vor dem Zulassungsantrag getestet. Der zweite Medikamentenkandidat namens Zigakibart befindet sich kurz vor dem Eintritt in die dritte Studienphase.

„IgA-Nephropathie ist eine verheerende Krankheit, von der vor allem junge Erwachsene betroffen sind und die möglicherweise zur Dialyse oder Nierentransplantation führt“, erklärte Novartis-Chef Vasant Narasimhan am Montag.

Novartis strebt Abspaltung von Nachahmermedikamenten an

Der Kauf von Chinook fügt sich in die Strategie des seit 2018 amtierenden Managers ein, der Novartis ganz auf innovative patentgeschützte Medikamente und neuartige Therapien ausrichten will. Angetrieben von der Erkenntnis, dass fokussierte Unternehmen an der Börse höher bewertet werden, hatte sich der vor einem Jahrzehnt noch stark diversifizierte Konzern sukzessive von verschiedenen Geschäftsfeldern getrennt.

Narasimhan brachte die Augenheilkundesparte Alcon an die Börse und will sich in der zweiten Jahreshälfte noch von seinem Geschäft mit Nachahmermedikamenten trennen. Die Generikatochter Sandoz soll ebenfalls an die Börse gehen. Nach diesem Schritt wäre Novartis ein reines Pharmaunternehmen.

Der Manager will Novartis ganz auf innovative patentgeschützte Medikamente und neuartige Therapien ausrichten.

Foto: Bloomberg

Für dieses Unternehmen hat Narasimhan große Wachstumspläne: Bis 2027 möchte Novartis mit innovativen Arzneimitteln jährlich um durchschnittlich mehr als vier Prozent wachsen. Der Konzern will künftig eine Kernmarge von mehr als 40 Prozent des Nettoumsatzes erreichen. 2022 hatte das Unternehmen seine operative Kernmarge um 0,9 Prozentpunkte auf 33 Prozent steigern können.

Einige Analysten hatten diese Wachstumspläne allerdings mit Skepsis gesehen. Unter anderem hatten sie Zweifel, welche neuen Produkte ab 2024 auf das Wachstum von Novartis einzahlen sollen. Das könnten nun die beiden Chinook-Wirkstoffe sein, wenn sie die weitere klinische Entwicklung erfolgreich absolvieren und eine Zulassung bekommen.

Positive Nachrichten hatte Novartis zuletzt Anfang des Monats mit seinem Brustkrebsmedikament Kisqali geliefert. Nach den auf dem Internationalen Krebskongress Asco präsentierten Studiendaten senkt das Mittel in Kombination mit einer Antihormontherapie das Risiko eines erneuten Auftretens von Brustkrebs um 25 Prozent. In der Studie wurden Patienteninnen mit HR+/HER2-Brustkrebs im Frühstadium untersucht. Diese Form des Mammakarzinoms ist die häufigste Untergruppe bei fortgeschrittenem Brustkrebs.

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Mit Agenturmaterial

Erstpublikation: 12.06.2023, 12:31 Uhr

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